IHK-Magazin WIMA
Nr. 7151372
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IHK-Präsident Roth zieht nach 100 Tagen Bilanz

Rund 100 Tage ist Frank Roth nun Präsident der IHK Karlsruhe. Zeit für einen ersten Rückblick und einen klaren Ausblick. Trotz aller Transformationsherausforderungen ist Roth überzeugt: Die Technologieregion Karlsruhe besitzt exzellente Voraussetzungen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Die Region verfügt über einen starken industriellen Mittelstand, eine hochinnovative IT- und Digitalwirtschaft, herausragende Forschungseinrichtungen wie das KIT und die Fraunhofer-Institute sowie ein enormes Fachkräftepotenzial. Es lohnt sich hier zu arbeiten, zu investieren und zu leben. „Wir haben das Wissen. Wir haben die Unternehmen. Was wir brauchen, ist die Erlaubnis, schneller zu sein“, sagt Roth.
Was Roth in seinen ersten 100 Tagen besonders bewegt hat, ist die Geschwindigkeit, mit der sich der Wettbewerb verändert. Deutschland erlebt aktuell keine konjunkturelle Delle, sondern eine strukturelle Verschiebung. Demografie, Digitalisierung, Energie, Klimawandel und Geopolitik verändern gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Neue Wettbewerber drängen auf den Markt und produzieren in rasantem Tempo marktreife Produkte. China baut das industrielle Betriebssystem der nächsten zwei Jahrzehnte auf – in sechs Technologien gleichzeitig. „Das ist kein Konkurrenzthema für Großkonzerne, sondern ein Handlungsauftrag für den gesamten Mittelstand“, so Roth. Die Exportorientierung bleibt eine der größten Stärken der Region. Unter veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen wird jedoch Resilienz zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die IHK versteht sich als Orientierungspartner und Brücke zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
"Transformation gelingt nicht durch Strategiepapiere, sondern durch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, schnellere Verfahren und Unternehmen, die ins Machen kommen.“


Künstliche Intelligenz: Vom Diskutieren ins Machen

Ein wichtiges Thema ist die Künstliche Intelligenz in allen Facetten. KI ist längst keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern eine strategische Führungsaufgabe. Während Deutschland und Europa noch über Regulierung diskutieren, treiben China und die USA die industrielle Nutzung konsequent voran. China hält kumuliert fast 70 Prozent aller weltweiten Patentfamilien im Bereich generativer KI. „KI entscheidet darüber, ob ein Karlsruher Mittelständler in zehn Jahren noch wettbewerbsfähig ist. Das ist keine Übertreibung“, betont Roth.
Die IHK-KI-Umfrage, die Roth in seinen ersten Amtsmonaten initiiert hat, liefert ein klares Bild: 73 Prozent der Betriebe in der Region setzen KI bereits ein oder erproben sie in Pilotprojekten. 48 Prozent bereits produktiv im Tagesbetrieb, 87 Prozent erwarten weiter steigenden Einsatz. Im bundesweiten Vergleich steht die Region damit hervorragend da, auch wenn man den unterschiedlichen Erhebungsmethoden Rechnung tragen muss. Der eigentliche Engpass ist nicht die Technologie, sondern das Anwendungs-Know-how: Über die Hälfte der Unternehmen nennt fehlendes Wissen als größtes Hemmnis. Noch vor Datenschutz und rechtlicher Unsicherheit. Die IHK greift aktiv ein: zum Beispiel mit dem „AI-Executive Dialogue“, niedrigschwelligen Qualifizierungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von KMU, Veranstaltungen zu KI-Recht und einem eigenen KI-Manager. „Ich bin beeindruckt, wie schnell unsere IHK neue Formate entwickelt, um die Mitglieder zu unterstützen. Herzlichen Dank an Hauptgeschäftsführer Dr. Arne Rudolph und sein Team“, so Roth.

Dual Use: Eine unterschätzte Stärke der Region

Ein Befund aus Roths ersten 100 Tagen überrascht selbst Insider: Fast jeder zweite industrielle Arbeitsplatz in der Technologieregion Karlsruhe ist dual-use-fähig: Produkte und Technologien, die sowohl zivil als auch sicherheitsrelevant genutzt werden können. Laut dem Dual-Use-Atlas von Prognos und Handelsblatt (2026) belegt die Region Platz 8 bundesweit. Mit KIT, Fraunhofer-Instituten, der IHK-Technologiefabrik und dem CyberForum ist die technologische Ausgangslage herausragend. Das eröffnet wirtschaftliche Perspektiven, die bislang kaum in den Blick genommen wurden: nicht als Rüstungsstandort, sondern als Technologieregion, die bestehende Kompetenzen in einem wachsenden Markt zur Geltung bringt. Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle nicht grundlegend ändern. „Karlsruhe hat das industrielle Rückgrat für Deutschlands nächste Wachstumsfelder. Die Frage ist nicht, ob wir das Wissen haben, sondern ob wir es schnell genug in die Betriebe bringen“, so Roth. Die IHK unterstützt Unternehmen bereits durch Vernetzung und Beratung, da gibt es Checklisten, die Initiative "Sicherheit und Verteidigung in der TRK", Einzelberatungen wie den „Resilienz-Check“ und die Interessenvertretung bei der Neufassung von relevanten Gesetzen. Dieses Engagement wird aktuell weiter ausgebaut.

Standortbedingungen: Bürokratie und Wohnraum

Viele Betriebe scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern an langen Verfahren, unklaren Zuständigkeiten und komplizierten Vorgaben. „Bürokratieabbau muss endlich in den Betrieben spürbar werden. Wir fragen deshalb in unseren Unternehmensgesprächen: Was ist Ihr größtes bürokratisches Hemmnis? Die Antworten legen wir der Politik auf den Tisch. Nicht als Klage, sondern als Forderung mit konkretem Absender“, erklärt Roth.
Wohnraummangel ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Wer ausbilden, Fachkräfte gewinnen und investieren will, braucht bezahlbare Wohnangebote für Beschäftigte und ihre Familien. Auch die Bundeswehr, einer der größten Arbeitgeber Deutschlands, hat gegenüber der IHK Karlsruhe signalisiert, dass der Wohnraummangel in der Region ein großes Problem darstellt. Die Prognosen des Verbands Region Karlsruhe bis 2040 sind eindeutig: erwartet werden ein Plus von rund 51.800 Einwohnerinnen und Einwohnern, über 27.000 Haushalte und ein zusätzlicher Flächenbedarf von 933 Hektar. Nachverdichtung und Höhenentwicklung helfen, reichen aber allein nicht aus. „Wer Fachkräfte will, muss Wohnraum schaffen. In einer Wachstumsregion wie unserer darf die Neuausweisung von Flächen kein Tabu sein“, sagt Roth.

„Wir übernehmen Verantwortung“

Nach 100 Tagen im Amt zieht Roth ein klares Fazit: Die Energie in den Unternehmen der Region ist enorm. Was fehlt, ist der Freiraum, sie zu entfalten. Die IHK Karlsruhe versteht sich als starke Stimme der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung, als Macher, Initiator und Brückenbauer. Sie bündelt die Kräfte der Region, vernetzt Unternehmen, Wissenschaft, Start-ups, Kommunen und Politik und setzt sich für einen wettbewerbsfähigen und lebenswerten Standort ein. Mit dem geplanten Transformationskongress im ersten Halbjahr 2027 setzt die IHK einen großen Meilenstein, als Plattform für den Schritt vom Wissen ins Machen. „Ich bin gerne IHK-Präsident und mit dem Hauptgeschäftsführer Dr. Arne Rudolph an der Spitze sowie dem IHK-Team aus Ehren- und Hauptamt haben wir eine starke IHK. Zukunft? Machen wir. Gemeinsam. Das ist nicht nur unser Motto. Das ist die Ansage von knapp 73.000 Mitgliedsbetrieben: Wir übernehmen Verantwortung für unsere Region“, so Frank Roth.

Dr.Andreas Förderer
IHK Karlsruhe