IHK-Magazin WIMA
Nr. 7064714
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Business Women IHK startet in der Region


Netzwerken in Präsenz hat einen klaren Vorteil: Man sieht, mit wem man spricht. Kein Fake-Profil, kein Algorithmus, kein verdächtiger Link. Dafür echte Begegnungen, direkte Gespräche und Vertrauen, das im Raum entsteht. Im Palais Biron in Baden-Baden bot genau dieser geschützte Rahmen den passenden Auftakt für die Gründung des regionalen Netzwerks innerhalb der DIHK-weiten Initiative Business Women IHK.
Sichtbarkeit war auch bei der Auftaktveranstaltung eines der zentralen Themen. Nicht nur, weil Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen gesehen werden wollen. Sondern weil Sichtbarkeit heute Voraussetzung für Einfluss, Vernetzung und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit ist. Ziel ist es, Unternehmerinnen, Gründerinnen, Nachfolgerinnen und Frauen in Führungspositionen stärker miteinander zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und Impulse für die regionale Wirtschaft zu setzen.
IHK-Vizepräsidentin Victoria Denner-Rauh machte in ihrer Begrüßung deutlich, warum das Thema weit über Gleichstellung hinausgeht. Es gehe nicht um eine abstrakte Debatte, sondern um die Frage, wie viel Potenzial Wirtschaft und Gesellschaft ungenutzt lassen. „Frauen sind längst da, stoßen aber weiterhin auf Grenzen, verkrustete Strukturen und alte Bilder. Noch immer gibt es zu wenige Frauen in Führungspositionen, und ungleiche Bezahlung ist vielerorts noch immer Realität“, so Denner-Rauh.
Aus wirtschaftlicher Sicht sei das nicht nur ungerecht, sondern unvernünftig. „Vielfalt macht unsere Wirtschaft klüger“, lautete eine zentrale Botschaft des Abends. Dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, entstehen bessere Ideen, mehr Innovation und tragfähigere Entscheidungen. Business Women IHK soll deshalb Türen öffnen, Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, zu gründen, Unternehmen zu führen oder Nachfolge aktiv zu gestalten.
Wie stark das Netzwerk bundesweit bereits verankert ist, zeigte Julia Arnold, Referatsleiterin Business Women IHK beim DIHK in Berlin. „Karlsruhe ist das 53. Netzwerk in Deutschland“, berichtete sie, dazugeschaltet aus dem Urlaub im Salzburger Land. „Rund 300 Frauen engagieren sich bereits ehrenamtlich in der IHK-Organisation. Sie sind Mitglieder in Vollversammlungen, Präsidien und Ausschüssen und machen Unternehmertum in ihren Regionen sichtbar. Damit werden sie auch zu Vorbildern für andere Frauen und Mädchen.“
Dass Ehrenamt dabei nicht nur zusätzliche Aufgabe, sondern Gestaltungsmöglichkeit ist, betonte auch Anja Polzer. Als langjährige Prüferin und Vollversammlungsmitglied brachte sie es sinngemäß auf den Punkt: „Nicht meckern, sondern machen.“
Ein besonderer Impuls kam von Lena Hartlieb, Gründerin von Nexus Sicherheitsberatung in Baden-Baden. In ihrem Vortrag „Frau im digitalen Raum – Sichtbarkeit von Unternehmerinnen, digitale Identität aktiv steuern“ zeigte die Kriminologin und Sicherheitsexpertin, wie nah Chance und Risiko im digitalen Raum beieinanderliegen. Unternehmerinnen brauchen Sichtbarkeit, für Kundinnen und Kunden, für Netzwerke, für Vertrauen. Gleichzeitig können öffentlich verfügbare Informationen missbraucht werden: für Doxing, Fake-Profile, Social Engineering oder digitale Belästigung.
Anhand eines Fallbeispiels machte Hartlieb deutlich, welche Informationen sich aus einem aktiven LinkedIn-Profil, privaten Social-Media-Spuren oder öffentlich sichtbaren Ehrenämtern ableiten lassen. Ihr Fazit: „Digitale Sichtbarkeit braucht bewusste Steuerung. Dazu gehören persönliche Datenhygiene, sichere Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung, eine klare Trennung von privaten und beruflichen Informationen sowie sensibilisierte Teams und Familien.“

Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie groß der Bedarf an einem solchen Netzwerk ist. Angela Wipper, Vollversammlungsmitglied sowie Gründerin und Inhaberin von tac office Marketing, sagte: „Ich freue mich auf coole Kontakte. Manche Probleme kann man gemeinsam im Netzwerk lösen.“ Sandra Gmünd, Finanzcoach für Frauen und Familien, hofft „neue, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen. Netzwerke sind extrem wertvoll.“ Und Ramona Perfetti, Unternehmensberaterin für Frauen und Gründerin des Netzwerks Frauen & Business, brachte ihre Erfahrung so ein: „Am Anfang musste ich noch betteln, heute ist die Zeit reifer für solche Netzwerke.“
Das nächste Treffen ist schon geplant, für den 28. Juli in der IHK Karlsruhe.
Bianca Schmid
IHK Karlsruhe
Bereich Gründung, Wachstum, Nachfolge