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AppSphere Inovation Day
Vernunftarbeit im Zeitalter der KI
Beim AppSphere Innovation Day im Karlsruher Wildparkstadion ging es um Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, industrielle Anwendungen, Copilot-Erfahrungen, Service-Desk-Automatisierung, aber auch um die Frage, ob und warum der Mensch gerade jetzt unverzichtbar bleibt.
Beim AppSphere Innovation Day im Karlsruher Wildparkstadion ging es um Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, industrielle Anwendungen, Copilot-Erfahrungen, Service-Desk-Automatisierung, aber auch um die Frage, ob und warum der Mensch gerade jetzt unverzichtbar bleibt.
AppSphere Innovation Day im Wildparkstadion
Künstliche Intelligenz kann rechnen, kombinieren, beschleunigen, Muster erkennen und immer mehr Aufgaben übernehmen. Aber sie kann eines nicht: vernünftig sein. Mit den Worten „KI ist die exponentielle Steigerung von Verstand ohne Vernunft. KI hat null Vernunft“, brachte es Prof. Dr. phil. Ziad Mahayni, Professor für Angewandte Ethik an der Hochschule Karlsruhe, auf den Punkt. Sein Vortrag „Mensch sein in einer KI-geprägten Arbeitswelt“ gehörte zu den eindrucksvollsten Impulsen des Tages. Mahayni unterschied zwischen Verstand und Vernunft: Verstand sei auf Zielerreichung, Effizienz und Optimierung ausgerichtet. Vernunft dagegen frage nach den Zielen selbst. Sie stelle die Frage, ob ein Ziel überhaupt sinnvoll sei. Aus sich selbst heraus wolle KI nichts. Genau hier beginne die Aufgabe des Menschen.
Mahayni nannte diese Aufgabe „Vernunftarbeit“: die Fähigkeit, im Meer des Machbaren das Sinnvolle zu erkennen. Es gehe darum, Technologie so einzusetzen, dass sie Wert schafft und Sinn stiftet. Der Philosoph machte deutlich, dass die Transformation des Arbeitsmarktes bereits begonnen hat. Menschen würden schon jetzt nicht immer massenhaft ersetzt; oft würden sie gar nicht erst eingestellt. Besonders dort, wo reines Fachwissen gefragt sei, könne KI Aufgaben zunehmend übernehmen. Erfahrungswissen, Branchenkenntnis, Netzwerke, soziale Kompetenz und die Fähigkeit, Verantwortung zu tragen, gewännen dadurch an Bedeutung. Mahayni beschrieb vier Rollenbilder menschlicher Arbeit im KI-Zeitalter: Kopfarbeiter, Herzarbeiter, Gärtner im Maschinenpark und digitale Proletarier. Besonders zukunftsfähig sei der Mensch dort, wo er mehr leistet als die Maschine, weil er Empathie besitzt, wo er die Maschinen betreut und wartet oder wo er schlichtweg günstiger ist als die Maschine.#
Nicht ohne den Menschen
Dass KI nicht ohne Menschen gedacht werden kann, zeigte auch Sven Henselmann in seinem Vortrag „Gemeinsam stark: KI und menschliche Expertise im SOC für den Mittelstand“. Cybersecurity sei längst ein lukratives Geschäftsfeld für Angreifer. Mit KI nähmen Tempo, Täuschung und Zahl der Angriffe weiter zu. Unternehmen müssten deshalb KI in der Cybersecurity nutzen. Mehr Signale, mehr Tools, mehr Cloud-Systeme und mehr Schwachstellen erzeugten eine Komplexität, die ohne intelligente Unterstützung kaum noch beherrschbar sei. Gleichzeitig brauche es Menschen, die Ergebnisse bewerten, Verantwortung übernehmen und Kontext herstellen. Die Lösung liege nicht in „KI statt Mensch“, sondern im Zusammenspiel von menschlicher Expertise und intelligenten Systemen.
Wie KI industrielle Wertschöpfung verändert, beleuchteten Dr.-Ing. Robin Hirt und Jonas Winnen von prenode. Ihr Blick galt den praktischen Einsatzfeldern in Entwicklung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Produktion, Logistik oder Service und Vertrieb. Viele erfahrene Fachkräfte gehen in den kommenden Jahren in Ruhestand, mit ihnen droht wertvolles Wissen verloren zu gehen. KI kann helfen, dieses Wissen nutzbar zu machen. Der Mensch werde dabei nicht ersetzt; vielmehr verschiebe sich der Punkt, an dem seine Arbeit beginnt. Aus Informationssuche wird Entscheidung, Bewertung und Umsetzung.
Aus der Praxis
Aus der Projektpraxis großer Unternehmen berichteten Nadja Schäfer und Tim Ziegler von der soluzione Script GmbH unter dem Titel „KI-Glitter trifft Realität“. Ihr Fazit: Ein perfekt geplanter Copilot-Rollout trifft im Alltag schnell auf Unternehmenskultur, Frustration, Unsicherheit und ungeklärte Erwartungen. KI-Projekte funktionieren dann besser, wenn sie nah an realen Arbeitsabläufen entwickelt werden. Es brauche konkrete Anwendungsfälle, Raum zum Ausprobieren, Führungskräfte als Vorbilder und Trainingsformate, die Spaß machen und echte Arbeitssituationen aufgreifen. Man müsse allerdings aktiv begleiteten, statt nur auszurollen. Und vor allem schnell entscheiden, denn Tempo schlage Perfektion.
Ein konkretes Beispiel aus Karlsruhe präsentierten Ronny Leger, CIO der Stadtwerke Karlsruhe, und Vincent von Witzleben von AppSphere. Sie zeigten, wie KI den Service Desk der Stadtwerke künftig spürbar entlasten kann. Mit „Karlo“ wurde ein KI-Assistent in Microsoft Teams entwickelt, der Unternehmenswissen mit dem Ticketsystem verbindet und Mitarbeitende bei Standardanliegen unterstützt. Der Ansatz: klein starten, groß denken. Nach ersten Anwendungsfällen könnten weitere Themen folgen, langfristig sogar ein Meta-Agent, der Anliegen erkennt und passende Spezialagenten startet. Gleichzeitig wurde deutlich: Sensible Bereiche wie HR erfordern besondere Sorgfalt, klare Grenzen und menschliche Verantwortung.
In weiteren Vorträgen wurden zentrale Voraussetzungen für KI in Unternehmen aufgezeigt. Microsoft stellte unter dem Titel „Kontrolle nach Maß“ vor, wie Unternehmen KI souverän umsetzen können. AppSphere beleuchtete mit „Ready for regulated AI“ den sicheren Einsatz von KI in Microsoft-Cloud-Umgebungen inklusive der Frage, wie Governance, Datenschutz und Mitbestimmung, etwa durch den Betriebsrat, frühzeitig eingebunden werden können.
EIn Quantencomputer für Karlsruhe
Der Blick über KI hinaus führte schließlich zum Quantencomputing. Prof. Dr. Franz Quint, Prorektor für Forschung an der Hochschule Karlsruhe, stellte Perspektiven für Karlsruhe als Quantenstandort vor. Die Hochschule will Quantencomputing stärker in die Anwendung bringen und bildet mit einem eigenen Bachelorstudiengang dringend benötigte Fachkräfte aus. Karlsruhe soll sich dabei als Standort entwickeln, an dem Quantentechnologie nicht nur erforscht, sondern praktisch nutzbar gemacht wird.
Passend dazu unterstützten die IHK Karlsruhe und AppSphere gemeinsam mit weiteren Unternehmen die Initiative für einen ersten Quantencomputer in Karlsruhe. Schon jetzt stehe Karlsruhe europaweit an siebter Stelle im Bereich der Quantentechnologie. Mit Hilfe der Spenden soll Karlsruhe noch weiter vorrücken.
IHK-Präsident und AppShere-CEO Frank Roth führte durch den Tag
Frank Roth, CEO und Vorstand der AppSphere AG sowie Präsident der IHK Karlsruhe, brachte die Herausforderung des Tages auf den Punkt: „Die Region verfügt über starke Unternehmen, kluge Köpfe und beeindruckende technologische Entwicklungen. Was häufig fehle, ist der Mut zum Digitalen. Der AppSphere Innovation Day zeigte, wie dieser Mut aussehen kann.“
Kontakt
Claudia Nehm
IHK Karlsruhe
Bereich Kommunikation
Presse, Chefredaktion WIMA, Vereinbarkeit von Beruf und Familie
