IHK-Magazin WIMA
Nr. 7183246
7 min Lesezeit

"Das IHK-BIZ ist mein Wohnzimmer"

Vom Teilnehmer zum Dozenten: Dominik Schwarz kennt das IHK-Bildungszentrum Karlsruhe aus zwei Perspektiven. Seine eigene Weiterbildung zum Industriemeister Metall liegt einige Jahre zurück. Heute gibt er sein Wissen und seine Praxiserfahrung selbst an die nächste Generation von Fach- und Führungskräften weiter. Im Gespräch erzählt er von seiner Weiterbildungsreise, seinem Weg zum Dozenten und davon, warum Theorie allein für ihn nicht ausreicht.
2009 saß ich noch auf der anderen Seite des Tisches. Ich war Anfang 20, war bei der EnBW beschäftigt und machte berufsbegleitend meinen Industriemeister Metall. Heute stehe ich selbst vor Teilnehmerinnen und Teilnehmern und vermittle das, was ich mir damals erarbeitet habe. Inzwischen bin ich als Instandhaltungsplaner in der Windenergie beschäftigt und seit 2015 freiberuflicher Dozent am IHK-Bildungszentrum Karlsruhe. Dass daraus einmal eine
zweite berufliche Rolle werden würde, war allerdings nicht geplant.
Es war eine ganz besondere Zeit. Die Ausbildungszeit war natürlich schon speziell: Man kommt frisch aus der Schule und plötzlich in den Arbeitsalltag. Aber anschließend noch einmal eine Weiterbildung auf diesem Niveau zu machen – privat und am Wochenende – war definitiv eine Herausforderung.
Wir hatten damals einen richtig tollen Zusammenhalt in der Lerngruppe. Wir haben uns auch außerhalb des Unterrichts regelmäßig getroffen und gemeinsam gelernt. Außerdem hatten wir wirklich hervorragende Dozenten. Die haben uns nicht einfach nach dem Unterricht nach Hause geschickt, sondern sind teilweise noch eine Stunde geblieben, wenn jemand etwas nicht verstanden hatte.

Das war für mich eine faszinierende Zeit. Man baut unglaublich viel Wissen auf, entwickelt sich persönlich weiter und startet eigentlich eine ganz neue Reise. Ich habe damals sehr viel wie ein Schwamm aufgesogen – und davon profitiere ich heute noch, sowohl beruflich als auch in meiner Tätigkeit als Dozent.
Ganz ehrlich: durch Mundpropaganda.
Ich bin ein echtes Karlsruher Kind, in Mühlburg geboren und aufgewachsen und mittlerweile in Durlach zu Hause. Damals habe ich mich mit Bekannten und Berufskollegen unterhalten, die ihren Meister bereits gemacht hatten. Die Aussage war eigentlich immer dieselbe: Wenn du eine ordentliche Meisterausbildung machen möchtest, dann geh zum IHK-BIZ Karlsruhe.
Also habe ich mich dafür entschieden – und es bis heute nicht bereut.
Natürlich. Damals war ich Anfang 20 und es war nicht immer leicht, am Samstagmorgen zum BIZ Karlsruhe zum Unterricht zu fahren. Aber wir hatten immer viel Spaß und eine tolle Gemeinschaft.
Besonders legendär war die Übergabe unseres Meisterbriefs im Haus der Wirtschaft. Das war kurz vor Weihnachten. Meisterbrief und Weihnachtsfeier – besser hätte man es eigentlich nicht planen können.
Da muss ich ein bisschen ausholen. Ich hatte schon als Kind keine Probleme damit, vor Menschen zu sprechen. Das hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt.
Nach meinem Meister habe ich bei meinem örtlichen Fußballverein den Jugendtrainerschein gemacht und eine Jugendmannschaft trainiert. Dadurch bin ich zum ersten Mal intensiver mit Pädagogik in Berührung gekommen. Später habe ich mich auch mit Erwachsenenpädagogik beschäftigt. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, anderen Menschen etwas beizubringen und Wissen zu vermitteln.
Und dann war es tatsächlich ein bisschen Zufall: Ich habe einen ehemaligen Dozenten von mir auf dem Karlsruher Weihnachtsmarkt getroffen. Er erzählte mir, dass das IHK-Bildungszentrum Dozenten sucht.
Ich habe daraufhin einen Termin mit dem damaligen Leiter vereinbart. Wir haben uns unterhalten und relativ schnell gemerkt: Das könnte passen. Dann gab es noch eine kleine Lehrprobe – und die hat sich gut angefühlt.
Und so bin ich schließlich als Dozent gestartet.
Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass ich selbst einmal auf der anderen Seite des Pults gesessen habe. Ich weiß noch ziemlich genau, wie es sich anfühlt, Teilnehmer zu sein und was man sich von einem Dozenten wünscht.
Ich merke auch immer wieder: Es macht einen Unterschied, ob ich einfach einen Monolog halte oder ob daraus ein echter Dialog entsteht und alle beteiligt sind. Wenn man selbst einmal auf der anderen Seite des Tisches gesessen hat, bekommt man dafür ein ganz anderes Gefühl.
Und natürlich bin ich durch meine Tätigkeit in der Industrie nah an der Praxis und am aktuellen Geschehen. Ich bin am Zahn der Zeit und erlebe viele Entwicklungen selbst.
Bei mir gibt es deshalb keine reine Theorie. Ich kann vieles direkt mit Beispielen aus der Praxis erklären.
Ein schönes Beispiel sind unsere Kraftwerksführungen. Wenn Teilnehmende danach mit großen Augen herausgehen und sagen: „Okay, das ist also gar nicht selbstverständlich, dass der Strom einfach aus der Steckdose kommt“, dann sind das genau die Momente, in denen man merkt: Da habe ich etwas erreicht.
Eine Rückmeldung bekommen Sie dabei besonders häufig:
Eine der schönsten Rückmeldungen ist eigentlich ganz einfach: „Herr Schwarz, Sie erklären so, dass man es versteht.“
Ich arbeite viel mit Bildern, Metaphern und Eselsbrücken. Ich glaube, damit kann man komplexe Inhalte besonders gut transportieren. Nehmen wir zum Beispiel das Thema „risikobasierte Instandhaltung“. Das klingt erst einmal brutal komplex. Ich erkläre es gerne mit einem Beispiel aus einer Kneipe: Freitagabend, der Laden ist voll. Plötzlich gehen zwei Dinge kaputt: Der Bierzapfhahn und die Toilette. Was würde man zuerst reparieren? Natürlich den Bierzapfhahn. Denn damit verdienen wir Geld.
Und genau das ist im Prinzip das Worst-Case-Szenario: Wo entsteht für uns der größte Schaden? Wo ist unser „Cashflow“ gefährdet? Danach können wir priorisieren. Wenn man solche komplexen Themen mit einem Bild aus dem echten Leben verbindet, bleibt es einfach besser hängen.
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Welche Fähigkeiten brauchen Fach- und Führungskräfte künftig besonders?
Ich glaube, zwei Dinge werden immer wichtiger: Weitsicht und die Fähigkeit, vorausschauend zu handeln – und gleichzeitig Entscheidungen zu treffen. Gerade für Meisterinnen und Meister ist das entscheidend. Wir befinden uns häufig im mittleren Management und damit gewissermaßen in einer Zwischenposition zwischen Mitarbeitenden und Geschäftsführung.
Wenn von oben eine Entscheidung getroffen wird, muss man diese so umsetzen und vermitteln, dass sie in der Praxis funktioniert. Gleichzeitig muss man selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Genau dieses vorausschauende und entschlossene Handeln wird meiner Meinung nach auch in Zukunft eine ganz wichtige Fähigkeit sein.
Auf jeden Fall. Als Karlsruher gehört die Höpfner-Brauerei einfach dazu. Ich habe sogar eine persönliche Verbindung dazu, weil mein Heimatfußballverein von Höpfner gesponsert wird. Ich bin das Bier also gewohnt. (lacht)
Wenn Sie heute mit jemandem sprechen würden, der überlegt, eine Weiterbildung zu beginnen: Was würden Sie dieser Person mitgeben? Man sollte sich bewusst auf diese Transformationsreise einlassen.
Das Fachliche bekommt man hier vermittelt. Wir haben sehr gute Dozentinnen und Dozenten und natürlich gibt es viel Stoff zu lernen. Aber eine Weiterbildung ist mehr als nur das Bestehen einer Prüfung.
Ich vergleiche das gerne mit einer Reise. Man startet mit einem bestimmten Ziel und kommt irgendwann an eine Schlucht. Darüber führt nur ein schmales Drahtseil. Und während man darüber balanciert, trägt man rechts und links noch Gewichte mit sich herum – private und berufliche Verpflichtungen, Familie, Arbeit und vieles mehr.
Auf der anderen Seite wartet aber auch etwas Neues: neue Aufgaben, neue Möglichkeiten und neue berufliche Perspektiven. Manche Menschen, mit denen man vorher gearbeitet hat, gehen vielleicht einen anderen Weg. Gleichzeitig lernt man neue Menschen kennen und baut ein neues Netzwerk auf.
Darauf muss man sich bewusst einlassen. Das Fachliche bekommt man hin – aber die persönliche Veränderung und Entwicklung sollte man genauso ernst nehmen.
Für mich ist das Bildungszentrum ein Stück weit wie ein Wohnzimmer.
Boris Becker hat Wimbledon als sein Wohnzimmer bezeichnet – ich nenne die IHK mein Wohnzimmer. (lacht)
Für mich schließt sich hier einfach ein Kreis. Eigentlich begann meine Verbindung zur IHK schon 2003 mit meiner Ausbildung. 2009 habe ich dann hier meine Meisterweiterbildung begonnen. Und heute darf ich die Ehre haben, andere Menschen auf ihrem Weg zum Meister zu begleiten. Das bedeutet mir unglaublich viel. Diese Ehre kann man mit Geld gar nicht aufwiegen.
Drei Worte sind schwierig. Ich würde wahrscheinlich eher fünf nehmen.
Expertiseaufbau, persönliche Weiterentwicklung, Wissen weitergeben und Netzwerke bilden.
Und vielleicht noch ein ganz wichtiger Punkt: Lebenserfahrung weiterzugeben – auch im beruflichen Sinne.
Das sind für mich die wichtigsten Aspekte dieser Reise.
Info: www.ihk-biz.de

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