Konjunkturbericht Frühsommer 2026
Lage noch stabil - Erwartungen kippen
Nach einem kurzen Hoffnungsschimmer zum Jahresbeginn hat der Ende Februar einsetzende Konflikt im Nahen Osten die Erwartungen der regionalen Wirtschaft spürbar gedämpft. Im Frühsommer 2026 bewerten die Unternehmen quer durch alle Wirtschaftszweige die Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuvor. Viele Unternehmen rechnen mit rückläufiger Geschäftstätigkeit, während nur wenige einen Aufwärtstrend sehen. Die Frühsommer-Umfrage zeigt aber auch: Die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Krieges sind noch nicht überall zu spüren. Die aktuelle Lage wird im Branchendurchschnitt ähnlich eingeschätzt wie vier Monate zuvor, in der Industrie hat sie sich sogar verbessert. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, ist aufgrund der deutlich schlechteren Perspektiven von 113 Punkten zu Jahresbeginn auf 101 Punkte zurückgegangen.
Stark erhöhte Energie- und Rohstoffpreise, unsichere Lieferketten, steigende Finanzierungskosten, fehlende Planbarkeit sowie eine schwache Nachfrage haben die grundsätzliche Unsicherheit in den Unternehmen deutlich erhöht. Diese prägt zunehmend wirtschaftliche Entscheidungen. Viele Betriebe verschieben oder reduzieren ihre Investitionen, zahlreiche verzichten derzeit ganz darauf. Diese Zurückhaltung dürfte sich mittelfristig auch auf den Arbeitsmarkt auswirken: Während nur wenige Unternehmen mit einem Beschäftigungsaufbau rechnen, erwarten deutlich mehr einen Stellenabbau.
Die Umfrage fand im Zeitraum vom 13. April bis 04. Mai 2026 statt. Von insgesamt 1.184 angeschriebenen Unternehmen beteiligten sich 345 an der Befragung.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator wird berechnet als geometrisches Mittel der Lage- und Erwartungssalden und stellt den konjunkturellen Gesamtzustand der regionalen Wirtschaft dar. Der Indikator kann zwischen den Werten 0 und 200 schwanken. Je höher der Wert, desto besser ist das Konjunkturklima.
Geschäftslage
Im Frühsommer 2026 präsentiert sich die Geschäftslage der regionalen Wirtschaft im Branchendurchschnitt trotz der Schockwellen aus dem Nahen Osten insgesamt noch robust. Der Anteil der Unternehmen mit aktuell gut laufenden Geschäften ist leicht von 30 % auf 32 % gestiegen. Gleichzeitig bewerten 51 % der Betriebe ihre Gesamtsituation noch als zufriedenstellend, dies sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. Parallel dazu hat sich der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Einschätzung um drei Prozentpunkte auf 17 % erhöht. Entsprechend ist der Geschäftslagesaldo geringfügig von plus 16 auf plus 15 Punkte gesunken. Wieder verschlechtert hat sich die Entwicklung der Auftragseingänge. Der Auftragseingangssaldo ist von minus 3 auf minus 9 Punkte gefallen. Über alle Wirtschaftszweige hinweg stagnierte die Umsatzentwicklung. Jeweils 28 % der Unternehmen berichten von steigenden beziehungsweise sinkenden Umsätzen. Positive Salden bei der Lagebewertung verzeichnen die Industrie (erstmals seit über einem Jahr), die Bauwirtschaft sowie der Dienstleistungssektor, während im Groß- und Einzelhandel die angespannte Situation anhält.
Geschäftserwartungen
Zu Beginn des Jahres blickte die regionale Wirtschaft noch vorsichtig optimistisch nach vorne. Doch die Ende Februar einsetzende militärische Eskalation im Nahen Osten und die faktische Sperrung der Straße von Hormus hat diese Erwartungen spürbar gedämpft. Quer durch alle Branchen bewerten die Unternehmen die Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuvor. Viele Unternehmen rechnen mit rückläufiger Geschäftstätigkeit, während nur wenige für sich einen Aufwärtstrend sehen. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist von plus 10 Punkten zu Jahresbeginn auf aktuell minus 11 Punkte abgerutscht. Besonders stark sank der Erwartungsindex in der Industrie, der Bauindustrie und Teilen des Dienstleistungssektors wie Transport und Logistik oder Gastgewerbe.
Die Folgen des Nahost-Konflikts schlagen sich deutlich in der Bewertung der geschäftlichen Risiken für die eigene Unternehmensentwicklung nieder. Zentrales Geschäftsrisiko mit rund 61 % der Nennungen bleibt die schwache Inlandsnachfrage. Hohe und womöglich durch Zweitrundeneffekte noch weiter steigende Arbeitskosten nennen 56 % der Betriebe. Sprunghaft auf ebenfalls 56 % angestiegen ist die Sorge um die hohen Energiepreise, 23 Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn, gefolgt von dem Risiko länger anhaltender Auswirkungen der weltweiten geopolitischen Spannungen (54 %, zuvor 42 %). 40 % der Unternehmen nennen gestiegene Rohstoff- und Materialpreise als ein großes Risiko (plus 17 Prozentpunkte). Auch die Sorge um ausbleibende oder verzögerte Lieferungen hat sich im Durchschnitt mit 18 % der Nennungen seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. In der Industrie liegt dieser Anteil bei 41 %, im Großhandel bei 39 %. Der Fachkräftemangel tritt dagegen immer weiter in den Hintergrund. Er wird aktuell von 39 % der Unternehmen als Risiko genannt. Mehrfachnennungen waren möglich.
Beschäftigung
Die schwache konjunkturelle Entwicklung schlägt zunehmend auch auf den regionalen Arbeitsmarkt durch, die im April saisonübliche Frühjahrsbelebung ist ausgeblieben. In früheren Jahren war die Arbeitslosigkeit von März auf April oftmals gesunken, da mit dem wärmeren Wetter typischerweise die Nachfrage nach Personal in den Außenberufen wie Bau oder Gastgewerbe wächst. Im April 2026 waren im IHK-Bezirk Karlsruhe 26.596 Personen erwerbslos gemeldet, 76 Personen bzw. 0,3 % mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren es 335 Erwerbslose weniger (minus 1,2 %). Die Arbeitslosenquote beträgt 4,4 % (Baden-Württemberg: 4,7 %, Deutschland: 6,4 %). Die Zahl der der Arbeitsagentur Karlsruhe-Rastatt gemeldeten offenen Stellen liegt aktuell bei 7.007, 592 Stellen weniger als im April 2025 (minus 7,8 %).
Angesichts unsicherer Aussichten stehen die Beschäftigungspläne der Unternehmen nach wie vor im Zeichen des Stellenabbaus. Der Saldo der Beschäftigungserwartungen sinkt von minus 10 auf minus 12 Punkte. Im Frühsommer 2026 gehen nur noch 11 % der Unternehmen von einem Personalaufbau in den kommenden zwölf Monaten aus (Jahresbeginn 2026: 15 %), 23 % erwarten dagegen, dass die Zahl ihrer Beschäftigten in der nächsten Zeit sinken wird. Am ehesten ausgeglichen sind die Personalpläne noch im Dienstleistungssektor. Industrie, Bau und Handel haben aktuell immer weniger Personalbedarf.
Investitionen
Investitionen sind in der Regel kein kurzfristiges Engagement. Fehlende Wachstumsimpulse, Kostendruck, mangelnde Planbarkeit und wachsende Unsicherheit bremsen die Investitionsbereitschaft daher auch im Frühsommer 2026 weiterhin aus. Der Investitionssaldo liegt nunmehr bei minus 17 Punkten nach minus 15 Punkten vier Monate zuvor. Aktuell planen 20 % der Betriebe, in den kommenden zwölf Monaten mehr zu investieren (Jahresbeginn 2026: 22 %). 43 % wollen ihre Ausgaben aus heutiger Sicht auf dem bisherigen Niveau halten, während 21 % geringere Investitionen vorsehen. 16 % der Unternehmen beabsichtigen, vorsichtshalber ganz auf Investitionen zu verzichten.
Am häufigsten investieren die Betriebe, um bestehende Anlagen und Geräte zu ersetzen (63 % nach 59 % zum Jahresbeginn 2026). Mit 56 % am zweithäufigsten genannt ist die Absicht, die unternehmensinterne Digitalisierung voranzutreiben (zuvor 58 %). 36 % der Betriebe planen Investitionen in Produkt- oder Prozessinnovationen (plus 1 Prozentpunkt). Wie schon zu Jahresbeginn sieht fast ein Drittel der Betriebe (weitere) Rationalisierungsmaßnahmen vor. Investitionen in Umweltschutz und Energieeffizienz stehen wie gehabt bei 26 % der Unternehmen auf der Agenda. Kapazitätserweiterungen planen aktuell wie auch zu Jahresbeginn nur noch 22 % der Betriebe. Mehrfachnennungen waren möglich.
Industrie
In der regionalen Industrie hat sich die Geschäftslage im Frühsommer 2026 leicht stabilisiert. Erstmals seit über einem Jahr kletterte der Geschäftslagesaldo mit plus 6 Punkten wieder in den positiven Bereich. Aktuell bewerten 25 % der Betriebe ihre Lage als gut (Jahresbeginn 2026: 19 %). Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen in einer kritischen Gesamtsituation um drei Prozentpunkte auf 19 % gesunken. Der negative Trend bei den Inlandsumsätzen setzte sich zwar fort, allerdings mit nachlassender Dynamik. Der Umsatzsaldo Inland verbesserte sich immerhin von minus 19 auf minus 13 Punkte. Bei den Auslandserlösen zeigte sich hingegen eine Verschlechterung: Der Saldo sank von minus 7 auf ebenfalls minus 13 Punkte. Auch bei den Auftragseingängen bleibt die Lage angespannt, die Salden verharren im negativen Bereich. Auf den Inlandsmärkten verschlechterte sich der Saldo leicht von minus 15 auf minus 16 Punkte. Im Ausland fiel der Bestellsaldo deutlicher von minus 4 auf minus 8 Punkte.
Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate sind deutlich eingetrübt. Fast ein Drittel rechnet mit einem Rückgang der Geschäftstätigkeit, während nicht einmal jeder zehnte Betrieb von einer positiven Entwicklung ausgeht. Geopolitische Spannungen nicht nur im Nahen Osten führen weiterhin zu Verzögerungen, Umleitungen und Engpässen bei Vorprodukten. Gleichzeitig treiben sprunghafte Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen die Kosten für Produktion und Logistik in die Höhe, was zusätzliche Preisanstiege nach sich zieht. Hinzu kommt eine schwache Inlandsnachfrage. In der Folge nimmt die Investitionsbereitschaft weiter ab. Auch bei den Beschäftigungsplänen überwiegt weiterhin der Personalabbau.
Exporterwartungen
Im Frühsommer 2026 stehen viele international tätige Industrieunternehmen aus der Region weiterhin unter Druck. Bereits zu Jahresbeginn galt die schwache Auslandsnachfrage für nahezu die Hälfte der Betriebe als ein zentrales Geschäftsrisiko. Daran hat sich aktuell nichts geändert. Die Exporterwartungen haben sich sogar leicht eingetrübt. Während Anfang 2026 noch 20 % der Unternehmen von steigenden Ausfuhren ausgingen, sind es derzeit nur noch 18 %. Auch der Anteil der Betriebe, die mit einem stabilen Exportniveau rechnen, ist geringfügig von 41 % auf 40 % gesunken. Gleichzeitig hat sich die Skepsis deutlich verstärkt: Der Anteil der Unternehmen, die mit einem Rückgang des Auslandsgeschäfts rechnen, ist um zehn Prozentpunkte auf 24 % gestiegen. Zudem erwartet inzwischen nur noch jeder fünfte Betrieb, überhaupt Exportgeschäfte zu tätigen (zuvor 25 %).
Zu den aktuellen Schwierigkeiten im Exportgeschäft zählen neben der anhaltend schwachen globalen Nachfrage vor allem geopolitische Unsicherheiten, Störungen in den Lieferketten, zunehmende Handelshemmnisse und protektionistische Maßnahmen. Auch strengere regulatorische Anforderungen in wichtigen Absatzmärkten erschweren vielen Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten und belasten die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich. Das am 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft getretene Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten eröffnet angesichts der Verschiebungen bisheriger Handelsströme nun neue Perspektiven.
Bauindustrie
Die wirtschaftlichen Schäden durch den Nahostkonflikt treffen auch die regionale Bauindustrie. Im Frühsommer 2026 bewerten nur noch 38 % der Betriebe ihre aktuelle Situation als gut, zu Jahresbeginn lag dieser Anteil noch bei 43 %. Gleichzeitig ist der Anteil negativer Einschätzungen leicht um zwei Prozentpunkte auf 13 % gestiegen. Der Geschäftslagesaldo ist damit deutlich von 32 auf 25 Punkte gesunken. In allen Bausparten, vom Straßen- und Tiefbau über den öffentlichen und gewerblichen Hochbau bis hin zum Wohnungsbau, zeichnen sich tendenziell rückläufige Auftragseingänge ab. Besonders stark betroffen ist der Wohnungsbau, nachdem sich hier zu Jahresbeginn noch eine spürbare Belebung abgezeichnet hatte. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate zeigen sich die Unternehmen zunehmend pessimistisch. Zu den zentralen Belastungsfaktoren zählen vor allem die stark gestiegenen Energiepreise und Transportkosten. Hinzu kommen erhebliche Preissprünge bei ölbasierten Baustoffen, die die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte unter Druck setzen. Zusätzlich führen Unsicherheiten in der Materialbeschaffung zu Verzögerungen bei Bauvorhaben. In der Folge haben zahlreiche Unternehmen ihre Investitions- und Beschäftigungspläne spürbar zurückgefahren.
Großhandel
Die ohnehin angespannte Lage im regionalen Großhandel wird durch den Nahostkonflikt zusätzlich verschärft. Längere Lieferzeiten und steigende Transport- und Versicherungskosten belasten die Branche. 14 % der Unternehmen (zuvor 13 %) bewerten ihre aktuelle Lage als gut, während der Anteil der unzufriedenen Betriebe um vier Prozentpunkte auf 30 % angestiegen ist. Die Umsatzentwicklung bleibt weiterhin sehr uneinheitlich. Knapp ein Drittel der Betriebe meldet steigende Umsätze, 38 % hingegen rückläufige Erlöse (zuvor 50 %). Entsprechend hat sich der Saldo im Inlandsgeschäft von minus 27 auf minus 5 Punkte verbessert. Im Auslandsgeschäft zeigt sich dagegen eine Stagnation, jeweils drei von zehn Unternehmen melden hier steigende bzw. sinkende Umsätze. Auch bei der Ertragslage gibt es leichte Verbesserungen: 16 % der Unternehmen (zuvor 13 %) berichten von einer guten aktuellen Ertragssituation, während 30 % ihre Kosten-Gewinn-Situation als problematisch einstufen (Jahresbeginn 2026: 34 %). Die Auftragssituation bleibt insgesamt unbefriedigend. 21 % der Unternehmen verzeichnen steigende Bestellungen, 36 % dagegen rückläufige Auftragseingänge. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Betriebe im Branchendurchschnitt weder eine deutliche Verbesserung noch Verschlechterung der Lage; jeweils 23 % gehen von entsprechenden Entwicklungen aus. Diese verhaltenen Erwartungen wirken sich spürbar auf die Unternehmensplanung aus: Die Personalpläne liegen bei minus 29 Punkten, die Investitionsbereitschaft sogar bei minus 34 Punkten (einschließlich der Unternehmen ohne Investitionsabsicht).
Einzelhandel
Im regionalen Einzelhandel bleibt die Stimmung auch im Frühsommer 2026 insgesamt gedrückt. Zwar ist der Anteil negativer Bewertungen der Geschäftslage um acht Prozentpunkte zurückgegangen, gleichzeitig sank jedoch auch der Anteil positiver Einschätzungen im gleichen Umfang. Der Lagesaldo verharrt daher bei minus 7 Punkten. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher müssen derzeit mehr Geld für Öl, Benzin und Gas ausgeben. Diese Mittel fehlen an anderer Stelle für den Konsum. Entsprechend bleibt die Nachfrage weiterhin schwach. 63 % der Betriebe bewerten das Kaufverhalten ihrer Kundinnen und Kunden als zurückhaltend, zu Jahresbeginn lag dieser Anteil bei rund 70 %. Zugleich berichten 55 % der Unternehmen von rückläufigen Umsätzen, nachdem es zu Jahresbeginn noch 44 % waren. Immerhin stieg der Anteil der Betriebe mit steigenden Erlösen von 16 % auf 20 %. Dennoch verschlechterte sich der Umsatzsaldo insgesamt von minus 28 auf minus 35 Punkte. Zusätzlich belasten hohe Energie-, Miet- und Personalkosten die Margen vieler Unternehmen. Der Anteil der Betriebe mit guter Ertragslage hat sich von 16 % auf nur noch 8 % halbiert. Dennoch zeigen sich rund drei Viertel der Unternehmen mit ihrer aktuellen Kosten-Erlös-Situation zumindest einigermaßen zufrieden. Angesichts der konjunkturellen Herausforderungen bleiben die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate deutlich von Skepsis geprägt. Nur noch 5 % der Einzelhändler rechnen mit besseren Geschäften, während jeder fünfte Betrieb Rückschläge befürchtet. Der Saldo der Umsatzerwartungen sank von minus 7 auf minus 13 Punkte. Vor diesem Hintergrund bleiben sowohl die Investitionsbereitschaft als auch die Personalplanungen äußerst zurückhaltend. Viele Unternehmen rechnen weiterhin mit einem spürbaren Stellenabbau.
Dienstleistungen
Im Frühsommer 2026 hat sich die Stimmung im Dienstleistungssektor trotz weiterhin hohen Niveaus eingetrübt. Derzeit bewerten 41 % der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, nach 39 % zu Jahresbeginn 2026. Gleichzeitig hat sich der Anteil der kritischen Stimmen auf 15 % verdoppelt. Infolgedessen ist der Geschäftslagesaldo um fünf Punkte auf 26 Punkte gesunken. Die Umsatzentwicklung verlief dabei sehr unterschiedlich: Während 35 % der Betriebe steigende Erlöse verzeichnen, berichten zugleich 30 % der Unternehmen von rückläufigen Umsätzen. Der Umsatzsaldo verringerte sich damit von zuvor 13 auf nunmehr 5 Punkte. Auch die Nachfrage hat sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt, was sich teilweise deutlich im Auftragseingang widerspiegelt. Der entsprechende Saldo fiel von plus 6 auf minus 9 Punkte. Vor diesem Hintergrund sind die vormals positiven Erwartungen umgeschlagen. Der Anteil der Optimisten sank um acht Prozentpunkte auf 24 %, während der Anteil der Pessimisten um 18 Prozentpunkte auf 31 % anstieg. Der Erwartungssaldo liegt damit inzwischen bei minus 7 Punkten, nachdem er zuvor noch bei plus 19 Punkten lag. Die positiven und negativen Beschäftigungspläne halten sich derzeit die Waage, während die Investitionsabsichten weiterhin rückläufig bleiben.
Das regionale Transport- und Verkehrsgewerbe sieht sich derzeit mit einem schwierigen Umfeld konfrontiert. Zwar wird die aktuelle Geschäftslage insgesamt noch positiv bewertet, jedoch nimmt der Anteil der Betriebe in kritischer Situation spürbar zu. Internationale Lieferprobleme und die schwache Industrieproduktion belasten die Auslastung der Frachtkapazitäten teilweise erheblich. Hinzu kommen die stark gestiegenen Kosten für Dieselkraftstoff sowie die zuletzt deutlich erhöhten Mautgebühren. Zusammen mit der weiterhin negativen Umsatzentwicklung wirkt sich dies belastend auf die Ertragslage aus. Auch die Nachfrage bleibt verhalten: Mehr Betriebe als noch zu Jahresbeginn berichten von rückläufigen Auftragseingängen. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate fallen entsprechend sehr pessimistisch aus. Investitionen werden per Saldo zurückgestellt und auch Personalaufstockungen bleiben die Ausnahme.
Der Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen zeigt sich derzeit noch vergleichsweise robust, auch wenn der Anteil der Betriebe in schwieriger Gesamtsituation leicht zugenommen hat. Die Umsatzentwicklung stagnierte per Saldo weitgehend, während sich die Ertragslage sogar verbessern konnte. Die Nachfrage entwickelte sich insgesamt jedoch spürbar negativ. Entsprechend wird die schwache Inlandsnachfrage von den Unternehmen als größter Risikofaktor für die kommenden zwölf Monate angesehen. Der Optimismus zu Jahresbeginn ist inzwischen verflogen, die pessimistische Einschätzung überwiegt. Auch die Investitionsplanungen bleiben weiterhin sehr zurückhaltend, während die Beschäftigungsabsichten insgesamt nahezu ausgeglichen sind.
Im Bereich der ITK-Dienstleister fallen die positiven Lageeinschätzungen inzwischen verhaltener aus als noch zuvor, auch wenn die Umsatzentwicklung per Saldo mittlerweile wieder ein leicht positives Vorzeichen aufweist. Die Ertragssituation hat sich weiter verbessert. Nach einem kurzen Lichtblick zu Jahresbeginn ist die Nachfrage jedoch spürbar zurückgegangen. Entsprechend wird auch in dieser Branche die Entwicklung der Inlandsnachfrage als größtes Geschäftsrisiko angesehen. Die zu Jahresbeginn noch sehr optimistischen Erwartungen sind inzwischen einer deutlich spürbaren Skepsis gewichen. Gleichzeitig hat sich die Investitionsbereitschaft verbessert, auch wenn der Saldo weiterhin negativ bleibt. Teilweise planen die Unternehmen zudem einen Personalaufbau.
Das regionale Hotel- und Gaststättengewerbe befindet sich im Frühsommer 2026 in einer äußerst angespannten Lage. Gegenüber dem Jahresbeginn hat sich der Anteil der Betriebe mit schwieriger Gesamtsituation mehr als verdoppelt. Neben den deutlich gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen belasten insbesondere die hohen Personalkosten die Branche erheblich. Gleichzeitig entwickelt sich der Umsatz wenig erfreulich, da auch die Kaufkraft der Konsumenten unter Druck steht. Insgesamt führt dies zu einer spürbar verschlechterten Ertragslage. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate sind daher wieder von Skepsis geprägt. Neben den finanziellen Herausforderungen verschärft zudem der Mangel an qualifiziertem Personal die Situation, weshalb viele Betriebe in nächster Zeit eher mit einem geringeren Personalbestand planen. Auch die Investitionsbereitschaft hat weiter nachgelassen.
Finanzdienstleistungen
Auch im Frühsommer 2026 bewerten die regionalen Finanzdienstleister ihre Geschäftslage nach wie vor als gut bis zufriedenstellend. Besonders die Versicherungsbranche sorgt weiterhin für die positive Stimmung. Vor allem steigende Beitragseinnahmen geben der Branche Rückenwind. Allerdings hat das Neugeschäft seit Jahresbeginn etwas an Dynamik verloren. Zudem mussten viele Versicherer in den vergangenen Monaten höhere Ausgaben für Schadens- und Versicherungsfälle tragen. Im Kreditgewerbe haben sich die Geschäfte in den vergangenen Monaten insgesamt auf einem stabil positiven Niveau entwickelt. Zwar ist das Geschäftsvolumen im Branchendurchschnitt gestiegen, einzelne Institute verzeichneten jedoch auch Rückgänge. Die Ertragslage wird zudem nicht mehr ganz so positiv eingeschätzt wie noch zuvor. Die Nachfrage nach Krediten hat insgesamt nachgelassen. Während sie bei Privatkunden weitgehend stagnierte, ist sie im Firmenkundengeschäft deutlich eingebrochen. Entsprechend ging auch die Vergabe von Unternehmenskrediten stark zurück. Besonders Investitionskredite wurden deutlich seltener vergeben, aber auch bei Betriebsmittelkrediten hat sich die Vergabe spürbar verlangsamt. Angesichts wachsender Konjunktursorgen in anderen Branchen haben viele Institute ihre Risikovorsorge erhöht, um möglichen zukünftigen Kreditausfällen vorzubeugen. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Unternehmen branchenübergreifend weiterhin mit einer positiven Geschäftsentwicklung. Die Investitionspläne bleiben insgesamt auf Wachstumskurs, wobei vor allem der Ausbau digitaler Angebote im Mittelpunkt steht. Auch beim Personalbestand ist per Saldo aktuell mit einem Aufbau zu rechnen.
Finanzlage vieler Unternehmen bleibt schwierig
Im Frühsommer 2026 bleibt in der Gesamtheit der Unternehmen die Finanzsituation angespannt. Zwar berichten mit 55 % der Unternehmen drei Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn von einer unproblematischen Finanzlage. Gleichzeitig bedeuten eine Mischung aus zunehmenden Forderungsausfällen, Liquiditätsengpässen und der Rückgang des Eigenkapitals bei 45 % der Unternehmen eine bedenkliche Finanzlage.
Besonders angespannt fällt die Bewertung der Finanzlage im Hotel- und Gaststättengewerbe aus. Hier berichten über vier Fünftel der Betriebe von Finanzierungsproblemen. Auch im Transportgewerbe wird die finanzielle Lage immer schwieriger: 6 von 10 Betrieben stehen unter steigendem finanziellen Druck. Im Großhandel ist der Anteil der Betriebe in problematischer Finanzlage mit knapp 60 % ebenfalls überdurchschnittlich hoch.
Kräftig steigende Preise für Energie und Rohstoffe, Vorprodukte und Logistikleistungen schmälern den finanziellen Spielraum. Gegenüber dem Jahresbeginn ist der Anteil der Unternehmen, die von Liquiditätsengpässen berichten, um einen Prozentpunkt auf 18 % angestiegen. 17 % der Betriebe sehen sich zunehmenden Forderungsausfällen ausgesetzt, immerhin ein Rückgang um zwei Prozentpunkte. Einen Rückgang des Eigenkapitals melden aktuell 17 % der Unternehmen nach zuvor 20 %. Der Anteil der Betriebe, die sich mit einer hohen Fremdkapitalbelastung konfrontiert sehen, ist von 6 % auf 4 % zurückgegangen. Bei 3 % der Unternehmen stellt sich die aktuelle Finanzlage mittlerweile so kritisch dar, dass sie sich von Insolvenz bedroht fühlen. Mehrfachnennungen waren möglich.