Wer redet, führt - Frauenwirtschaftstage in Bühl
Ein Team aus Frauen und Männern, und schon ist alles fair? Schön wär’s. Beim Forum „Erfolgreich.Gleich.Berechtigt.“ in Bühl ging es darum, wo Gleichberechtigung im Arbeitsalltag verloren geht und wie Unternehmen sie zurückholen können.
Silke Eilers vom Institut für Beschäftigung und Employability bei den Frauenwirtschaftstagen in der Max-Grundig-Klinik in Bühl
Bei den Frauenwirtschaftstagen in der Max-Grundig-Klinik in Bühl stand die Sichtbarkeit von Frauen im Mittelpunkt. Bettina Fröhlich, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bühl, und Yvonne Junger, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Baden-Baden, begrüßten die Gäste. Durch den ersten Teil führten Natalie Müller und Bettina Fröhlich.
Silke Eilers vom Institut für Beschäftigung und Employability knüpfte an ihren Vortrag aus dem Vorjahr an. Ein gemischtes Team sei noch lange kein gleichberechtigtes. Entscheidend sei, wem zugehört und wem etwas zugetraut werde. In manchen Konstellationen verwenden Männer deutlich mehr Wörter, und wer redet, führt bekanntlich. Dazu kommen Mansplaining und das sogenannte Hepeating, bei dem die Idee einer Frau erst zählt, wenn ein Mann sie wiederholt. Frauen dagegen stellen ihre Erfolge gern unter den Scheffel.
Eilers griff zum Bild des Eisbergs: Unter der Wasseroberfläche liegt die unsichtbare Arbeit, das Organisieren und Kümmern im Team, die meist an Frauen hängen bleibt. 50,6 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es 14,3 Prozent. Mütter nehmen im Schnitt 14,9 Monate Elternzeit, Väter 3,8. Laut Shell-Jugendstudie wünscht sich zudem fast die Hälfte der 12- bis 25-Jährigen für Familien mit Kindern den Mann als Hauptverdiener. Als Stellhebel nannte Eilers die Redeanteile in Meetings, klare Kriterien für Karriereentscheidungen, echte Führungstandems und Kernzeiten statt Dauerpräsenz. Überstunden dürften kein Maßstab für Karriere sein.
Einen Kontrapunkt setzte eine Besucherin. Im Osten sozialisiert und Mutter von vier Kindern, habe sie Ungleichbehandlung nie erlebt und hätte sie auch nie akzeptiert.
Gemeinsam an der Spitze
Im zweiten Teil, moderiert von Tanja Redick, kam die Praxis zu Wort. Dr. Miriam Weber und Christian Lott zeigten am Beispiel von HYDRA Marine Sciences, wie Gleichberechtigung wirtschaftliches Potenzial schafft. Die beiden führen das Unternehmen gemeinsam und setzen bewusst auf gemischte Teams. Auch Tanja Eger und Josua Straße teilen sich die Verantwortung. Sie leiten als Doppelspitze die Buchhandlung Eulennest, eine der wenigen in Baden-Baden, die noch inhabergeführt sind.
Hinter der Veranstaltung standen die Städte Baden-Baden, Bühl, Gaggenau und Rastatt, der Landkreis Rastatt, die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, die IHK Karlsruhe, die Handwerkskammer Karlsruhe sowie die Volkshochschule.