EU-Kommission plant "Carbon Management" Strategie

Technologien zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂ stellen einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel dar.
Die Europäische Kommission plant die Entwicklung einer Strategie für die Anwendung dieser Technologien in Europa.
Als Teil dieses Prozesses fand bis zum 31. August eine öffentliche Konsultation statt. Erste Ergebnisse der Konsultation wurden bei einem Stakeholder-Dialog am 6. Oktober vorgestellt.
Die EU möchte bis spätestens 2050 klimaneutral werden. Doch die europäische Wirtschaft gerät durch hohe Energie- und steigende CO₂-Preise immer mehr unter Druck. Viele Betriebe haben nicht die Möglichkeit, durch Energieeffizienzsteigerungen und Elektrifizierung vollständig klimaneutral zu werden. Für diese Unternehmen ist der physische Zugang zu CO₂-armem Wasserstoff oder zu Technologien zur CO₂-Abscheidung und Speicherung sowie CO₂-Infrastrukturen zwingend notwendig. In diesem Kontext plant die Europäische Kommission, im ersten Quartal des kommenden Jahres eine umfassende Carbon Management Strategie vorzustellen und somit die Grundlage für einen europäischen CO₂-Markt zu schaffen. Dies basiert auf einer umfassenden öffentlichen Konsultation verschiedenster Stakeholder. Die Ergebnisse der Befragung zeichnen dabei ein klares Bild:
Die Befragung begann mit der Untersuchung der Gründe für die Nutzung von Technologien zur CO₂-Abscheidung und Speicherung. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist insbesondere die Anwendung in Industriezweigen mit schwer vermeidbaren oder unvermeidbaren Emissionen von besonderer Relevanz. Allerdings können Betriebe ohne schwer vermeidbare Emissionen ebenso von diesen Technologien profitieren und ihre Emissionen reduzieren. Ein Einsatz könnte beispielsweise sinnvoll sein, bis erneuerbare Energien und Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen sowie flächendeckend verfügbar sind.
Weitere Einsatzmöglichkeiten umfassen aber auch die Reduzierung von Emissionen in der Strom- und Wärmeproduktion, den Einsatz in der Wasserstoffproduktion und die Nutzung von abgeschiedenem CO₂ als Ausgangsstoff, zum Beispeil bei der Stahl-, Zement- oder Kalkproduktion. Wichtig dabei ist aus Unternehmenssicht, dass für Chancengleichheit gesorgt und die Technologien auch dem Mittelstand zugänglich gemacht werden.
In Bezug auf die Rolle der EU-Kommission in einer "Carbon Management"-Strategie wurde im Rahmen der Konsultation insbesondere der Bedarf an einer europaweiten Lösung betont. Die EU-Kommission sollte aus Sicht der Unternehmen, und insbesondere in Hinblick auf die derzeit angestrebte Carbon Management-Strategie auf Bundesebene, eine koordinierende Funktion übernehmen, um eine Fragmentierung zwischen den Mitgliedstaaten zu verhindern. Zudem schafft ein kohärenter regulatorischer Rahmen auf europäischer und nationaler Ebene, einschließlich klarer Definitionen und Standards, auch Planungssicherheit für Investoren und Unternehmen.
Des Weiteren beinhaltete die öffentliche Konsultation den Aufbau einer europäischen CO₂-Transport- und Speicherinfrastruktur. Dieser ist für den CO₂-Markt von zentraler Bedeutung und setzt die Beteiligung aller betroffenen Wirtschaftsakteure voraus. Neben Pipelines sollten auch alternative Transportmöglichkeiten wie Lkw, Schiene und Binnenschifffahrt berücksichtigt werden. Diese Vielfalt ermöglicht eine flexiblere Anpassung an unterschiedliche Gegebenheiten und erleichtert die Anbindung von Standorten, für die sich der Aufbau einer leitungsgebundenen Infrastruktur nicht rechnet. Die Diversifizierung der Transportmöglichkeiten steigert zudem die Effizienz und Resilienz des Systems und senkt somit auch die Kosten für Betriebe.
Besonders hervorgehoben wurde in dem Workshop auch die Notwendigkeit einer Kommunikationsstrategie gegenüber der Öffentlichkeit. Eine erfolgreiche Umsetzung einer "Carbon Management"-Strategie erfordert die breite Unterstützung aus Wirtschaft und Gesellschaft. Hierbei besteht auch aus Sicht der Unternehmen die Notwendigkeit für aufklärende, faktenbasierte Maßnahmen, um die Akzeptanz sowie das Verständnis für die Notwendigkeit dieser Technologien zu stärken.
Nicht zuletzt ist das CO₂-Management in der EU ein sich im Entstehen begreifender Markt, der noch vor zahlreichen Herausforderungen steht, wie beispielsweise noch begrenztes Angebot und Nachfrage sowie hoher Bedarf an Kapitalinvestitionen. Damit ein europäischer CO₂-Markt sowie Wertschöpfungsketten entstehen können, bedarf es neben dem regulatorischen Rahmen an einer Kombination aus finanziellen Anreizen, Förderprogrammen, technischer Unterstützung und Kapazitätsaufbau. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sollten Innovationen im Bereich Klimaschutz vor allem durch technologieoffene Fördermaßnahmen angestoßen werden. Darüber hinaus können regionale Industrieinitiativen, wie die Service- und Beratungsstelle für regionale Industrieinitiativen, dazu beitragen, einen funktionierenden CO₂-Markt auf lokaler Ebene aufzubauen.
Ausführlichere Informationen finden Sie in der DIHK-Stellungnahme.
Quelle: DIHK