Konjunkturbericht Braunschweig-Wolfsburg 3. Quartal 2025

Gesamtwirtschaft Region Braunschweig-Wolfsburg

2025-3-WOB-Allgemeine-Konjunkturlage
Angesichts der ernüchternden Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer Geschäftslage, ihren Geschäftserwartungen und ihren Investitionsabsichten überrascht es nicht, dass die regionale Wirtschaft auch bei ihren Beschäftigungsplanungen kräftig auf die Bremse tritt. So beabsichtigt derzeit nicht einmal mehr jeder zehnte Betrieb, seinen Personalbestand auszubauen. Dagegen rechnen 42 Prozent der Unternehmen damit, die Anzahl ihrer Mitarbeiter reduzieren zu müssen. Derartig schwach sind die Beschäftigungsprognosen der regionalen Wirtschaft schon lange nicht mehr ausgefallen. Dennoch sind die meisten Unternehmen sehr darum bemüht, ihre wertvollen Fachkräfte trotz aller konjunkturellen und strukturellen Probleme zu halten.
2025-3-WOB-Indikatoren- Gesamtwirtschaft
Und auch bei rückläufigen Beschäftigungsprognosen besteht grundsätzlich immer Personalbedarf. So berichtet mehr als die Hälfte der Betriebe von derzeit offenen Stellen. Annähernd drei von vier Unternehmen können offene Stellen längerfristig nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Lediglich ein gutes Viertel hat keine Probleme bei der Stellenbesetzung. Die Herausforderungen bei der Rekrutierung betreffen Arbeitsplätze auf sämtlichen Qualifikationsstufen – von Stellen ohne Anforderungen an eine abgeschlossene Berufsausbildung über Positionen mit dualer Ausbildung, Fachwirt- oder Meisterqualifikationen bis hin zu akademischen Tätigkeiten mit Hochschulabschluss. Allen aktuellen Widrigkeiten zum Trotz besteht der Arbeits- und Fachkräftemangel also fort. Zwei Drittel der Unternehmen rechnen infolgedessen mit weiter steigenden Arbeitskosten, knapp 60 Prozent erwarten eine Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft. Mehr als ein Drittel befürchtet den Verlust von betriebsspezifischem Wissen. Etwa 30 Prozent gehen davon aus, dass sie gar ihr Angebot einschränken oder Aufträge ablehnen müssen, und 15 Prozent sehen ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit durch den Arbeits- und Fachkräftemangel gefährdet. Nur ein gutes Zehntel kann keine negativen Folgen für den eigenen Betrieb erkennen.
2025-3-WOB-Branchen-Vergleich

Industrie

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Die Stimmung in der Industrie bleibt weiterhin angespannt. Der sektorale Konjunkturklimaindikator verlor zwischen Sommer und Herbst zwar nur einen einzigen Punkt, doch mit einem aktuellen Stand von 90 bewegt er sich weiterhin auf dem sehr mäßigem Niveau der letzten beiden Jahre. Gegenüber dem Vorquartal haben sich die Rückmeldungen aus der regionalen Industrie nur geringfügig verändert – sowohl in Bezug auf die aktuelle Geschäftslage als auch hinsichtlich der Erwartungen für die kommenden Monate. Momentan berichten gerade einmal 17 Prozent der Hersteller von guten Geschäften. Über einen schlechten Geschäftsverlauf klagt dagegen ein knappes Viertel. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen liegt nun bereits seit zweieinhalb Jahren durchgehend im negativen Bereich und beträgt aktuell –7. Nicht wenige Industriebetriebe hadern mit ihren Umsätzen und Erträgen. Auftragsreserven sind weitgehend aufgebraucht, die aktuelle Nachfrage der Industriekunden aus dem In- und Ausland bleibt träge. Folglich schrumpfen die Auftragsbestände. Fast ein Drittel der regionalen Betriebe hält das eigene Auftragsvolumen für zu gering, nur vier Prozent freuen sich über ein komfortables Auftragspolster. Entsprechend zurückhaltend fällt auch der Blick nach vorn aus: Nicht einmal jeder zehnte Fabrikant rechnet in den kommenden Monaten mit einer geschäftlichen Aufhellung, die Mehrheit erwartet unveränderte Geschäfte, mehr als jeder fünfte Produzent geht hingegen von einer Eintrübung aus.

Einzelhandel

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Das Konjunkturklima im Einzelhandel bleibt träge und hat sich zwischen Sommer und Herbst kaum verändert. Der branchenspezifische Klimaindikator verharrt weiterhin auf dem niedrigen Wert von 77. Dies ist das Resultat zweier gegenläufiger Einflussfaktoren – der etwas verschlechterten Lagebeurteilungen und der leicht verbesserten Geschäftsaussichten. Derzeit bezeichnet nur jeder zwanzigste Einzelhändler seine geschäftliche Situation als gut. 71 Prozent bewerten ihre Lage immerhin als zufriedenstellend. Fast jeder vierte Händler berichtet jedoch von schlecht laufenden Geschäften. Nach wie vor leiden die Händler unter der schwachen Konsumneigung ihrer Kunden. Die Verunsicherung der Verbraucher sitzt angesichts zahlreicher Krisen und schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft tief. Und so ist eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas vorerst nicht in Sicht. Zwar sind die Teuerungsraten ebenso wie die Zinsen mittlerweile merklich zurückgegangen, die Konsumenten halten aber dennoch ihr Geld zusammen und kaufen nur sparsam und preissensibel ein. Dies gilt ganz besonders für den stationären Handel, aber durchaus auch für den Onlinehandel. Vor diesem Hintergrund bleibt der Ausblick der Händler auf die Geschäfte in den kommenden Monaten – trotz marginaler Verbesserung – verhalten. So rechnet weiterhin ein Drittel der Handelsunternehmen mit einer Verschlechterung seiner Geschäftslage, bessere Geschäfte erwartet hingegen nur eine kleine Minderheit von sechs Prozent.

Großhandel

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Auch im Großhandel hat sich zwischen Sommer und Herbst kein Stimmungswechsel vollzogen. Der branchenbezogene Konjunkturklimaindikator konnte nur einen einzigen Punkt gutmachen und liegt nun auf einem nach wie vor schwachen Wert von 68. Verantwortlich die Seitwärtsbewegung sind zwei gegenläufige Entwicklungen: Eine etwas günstigere Einschätzung der aktuellen Lage und zugleich leicht rückläufige Geschäftserwartungen. Wie schwierig die Situation nach wie vor ist, zeigen die Rückmeldungen der Großhändler zu ihrer Geschäftslage, die nur geringfügig besser ausfallen als im Vorquartal. Derzeit berichtet gerade einmal jeder zwanzigste Grossist über gut laufende Geschäfte. 62 Prozent der Befragten bezeichnen ihre Situation als befriedigend, ein Drittel beurteilt seine Geschäftslage hingegen als schlecht. Natürlich kann sich auch der Großhandel der anhaltenden Konjunkturflaute nicht entziehen. Entsprechend zögerlich fällt das Bestellverhalten seiner Kunden aus. So leidet der produktionsbezogene Großhandel unter der unverändert trägen Industriekonjunktur, den konsumnahen Großhandel trifft die fortdauernde Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Hoffnung auf eine Erholung des Geschäftsverlaufs hat sich im Herbst wieder leicht abgeschwächt, die Skepsis bleibt entsprechend deutlich ausgeprägt. So bewerten weiterhin 40 Prozent der Großhändler ihre geschäftlichen Aussichten für die kommenden Monate als schlecht. 56 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, bessere Geschäfte erwarten dagegen nur vier Prozent der Grossisten.

Dienstleistungen

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Nachdem die Dienstleister den regionalen Konjunkturzug über längere Zeit angeführt hatten, geraten auch sie nun zunehmend unter Druck. Der sektorale Konjunkturklimaindikator für die Dienstleistungswirtschaft stürzte im Herbst um satte 18 Punkte auf einen Wert von 82 ab. Ins Minus gerissen wird die Dienstleistungskonjunktur sowohl durch spürbar verschlechterte Lagebeurteilungen als auch durch merklich eingetrübte Geschäftserwartungen. Derzeit bewertet nur noch ein gutes Fünftel der Dienstleister seine Geschäftslage als gut. Knapp die Hälfte sieht sie als befriedigend an, 30 Prozent hadern hingegen mit ihrer Situation. Eine klare Abwärtstendenz zeigen die Rückmeldungen der Branche zu ihren Auftragseingängen, Umsätzen und Erträgen. Vielen unternehmensbezogenen Dienstleistern fehlen Aufträge der heimischen Industrie- und Gewerbekunden und auch die personenbezogenen Dienstleister spüren die Zurückhaltung ihrer Klienten. Zudem leiden auch die Dienstleister unter gestiegenen Kosten für Personal, Material und Energie. Vor diesem Hintergrund haben sich die Aussichten auf die kommenden Monate wieder verdüstert. Inzwischen glaubt nur noch ein gutes Zehntel der befragten Betriebe an eine geschäftliche Aufhellung. Etwas mehr als die Hälfte erwartet immerhin gleichbleibende Geschäfte, 36 Prozent rechnen jedoch mit einer geschäftlichen Eintrübung. Auch für die Dienstleistungswirtschaft dürfte die nähere Zukunft also herausfordernd bleiben.