Konjunkturbericht Nordostniedersachsen 3. Quartal 2025
Gesamtwirtschaft Nordostniedersachsen
Angesichts der ernüchternden Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer Geschäftslage, ihren Geschäftserwartungen und ihren Investitionsabsichten überrascht es nicht, dass die regionale Wirtschaft auch bei ihren Beschäftigungsplanungen kräftig auf die Bremse tritt. So beabsichtigt derzeit nicht einmal mehr jeder zehnte Betrieb, seinen Personalbestand auszubauen. Dagegen rechnen 21 Prozent der Unternehmen damit, die Anzahl ihrer Mitarbeiter reduzieren zu müssen. Derartig schwach sind die Beschäftigungsprognosen der regionalen Wirtschaft schon lange nicht mehr ausgefallen. Dennoch sind die meisten Unternehmen sehr darum bemüht, ihre wertvollen Fachkräfte trotz aller konjunkturellen und strukturellen Probleme zu halten.
Und auch bei rückläufigen Beschäftigungsprognosen besteht grundsätzlich immer Personalbedarf. So berichten 38 Prozent der Betriebe von derzeit offenen Stellen. 57 Prozent können offene Stellen längerfristig nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Nur jeder fünfte Betrieb hat keine Probleme bei der Stellenbesetzung. Die Herausforderungen bei der Rekrutierung betreffen Arbeitsplätze auf sämtlichen Qualifikationsstufen – von Stellen ohne Anforderungen an eine abgeschlossene Berufsausbildung über Positionen mit dualer Ausbildung, Fachwirt- oder Meisterqualifikationen bis hin zu akademischen Tätigkeiten mit Hochschulabschluss. Allen aktuellen Widrigkeiten zum Trotz besteht der Arbeits- und Fachkräftemangel also fort. 61 Prozent der Unternehmen rechnen infolgedessen mit weiter steigenden Arbeitskosten, knapp 53 Prozent erwarten eine Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft. 22 Prozent befürchten den Verlust von betriebsspezifischem Wissen. 32 Prozent gehen davon aus, dass sie gar ihr Angebot einschränken oder Aufträge ablehnen müssen, und 18 Prozent sehen ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit durch den Arbeits- und Fachkräftemangel gefährdet. Nur 19 Prozent können keine negativen Folgen für den eigenen Betrieb erkennen.
Industrie
Die Stimmung in der Industrie hat sich im Herbst im Vergleich zum Sommer drastisch verschlechtert. Der sektorale Konjunkturklimaindikator ist um 20 auf nunmehr 75 Punkte abgesackt. Das ist darauf zu zurückzuführen, dass sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Geschäftsprognosen für die kommenden zwölf Monat deutlich pessimistischer beurteilt werden als im Sommer.
Momentan berichten gerade einmal 14 Prozent der Hersteller von guten Geschäften. Über einen schlechten Geschäftsverlauf klagen dagegen 39 Prozent. Nicht wenige Industriebetriebe hadern mit ihren Umsätzen und Erträgen. Auftragsreserven sind weitgehend aufgebraucht, die aktuelle Nachfrage der Industriekunden aus dem In- und Ausland bleibt träge. Folglich schrumpfen die Auftragsbestände. 44 Prozent der regionalen Betriebe halten das eigene Auftragsvolumen für zu gering, nur sechs Prozent freuen sich über ein komfortables Auftragspolster. Entsprechend zurückhaltend fällt auch der Blick nach vorn aus: Nur vier Prozent der Fabrikanten rechnen in den kommenden Monaten mit einer geschäftlichen Aufhellung, die Mehrheit erwartet unveränderte Geschäfte, 30 Prozent der Produzenten prognostizieren jedoch eine Eintrübung.
Einzelhandel
Das Konjunkturklima im Einzelhandel hat sich zwischen Sommer und Herbst deutlich abgekühlt. Der branchenspezifische Klimaindikator ist um 13 auf nunmehr 77 Punkte gefallen. Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch die Geschäftsaussichten für die kommenden zwölf Monate pessimistischer beurteilt werden als im Sommer. Derzeit bezeichnen 15 Prozent der Einzelhändler ihre geschäftliche Situation als gut. 62 Prozent bewerten ihre Lage immerhin als zufriedenstellend. Fast jeder vierte Händler berichtet jedoch von schlecht laufenden Geschäften. Die Händler leiden unter der schwachen Konsumneigung ihrer Kunden. Die Verunsicherung der Verbraucher sitzt angesichts zahlreicher Krisen und schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft tief. Und so ist eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas vorerst nicht in Sicht. Zwar sind die Teuerungsraten ebenso wie die Zinsen mittlerweile merklich zurückgegangen, die Konsumenten halten aber dennoch ihr Geld zusammen und kaufen nur sparsam und preissensibel ein. Dies gilt ganz besonders für den stationären Handel, aber durchaus auch für den Onlinehandel. Vor diesem Hintergrund bleibt der Ausblick der Händler auf die Geschäfte in den kommenden Monaten – trotz marginaler Verbesserung – von Skepsis geprägt. So rechnen jetzt 40 Prozent der Handelsunternehmen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage, bessere Geschäfte erwartet hingegen nur eine kleine Minderheit von fünf Prozent.
Großhandel
Der Großhandel ist die einzige Branche in der sich die Stimmung leicht aufgehellt hat. Der branchenbezogene Konjunkturklimaindikator konnte sieben Punkte gutmachen und liegt nun auf einem nach wie vor schwachen Wert von 78. Verantwortlich die geringfügige Aufwärtsbewegung sind zwei Entwicklungen: Eine stabile Einschätzung der aktuellen Lage und zugleich leicht optimistischere Geschäftserwartungen. Wie durchwachsen die Situation zurzeit ist, zeigen die Rückmeldungen der Großhändler zu ihrer Geschäftslage. Derzeit berichten 36 Prozent der Grossisten über schlecht laufende Geschäfte. 45 Prozent der Befragten bezeichnen ihre Situation als befriedigend, nur knapp ein Fünftel beurteilt seine Geschäftslage hingegen als gut. Natürlich kann sich auch der Großhandel der anhaltenden Konjunkturflaute nicht entziehen. Entsprechend zögerlich fällt das Bestellverhalten seiner Kunden aus. So leidet der produktionsbezogene Großhandel unter der unverändert trägen Industriekonjunktur, den konsumnahen Großhandel trifft die fortdauernde Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Hoffnung auf eine Erholung des Geschäftsverlaufs hat sich im Herbst leicht verstärkt, die Skepsis überwiegt jedoch. So bewertet ein Drittel der Großhändler seine geschäftlichen Aussichten für die kommenden Monate als schlecht. 60 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, bessere Geschäfte erwarten dagegen nur sieben Prozent der Grossisten.
Dienstleistungen
Die Dienstleistungswirtschaft verzeichnet zwar auch in diesem Quartal den besten Branchenwert, jedoch muss auch sie einen leichten Dämpfer verkraften. Der sektorale Konjunkturklimaindikator für die Dienstleistungswirtschaft verringert sich im Herbst um zwei Punkte auf einen Wert von 82. Die leichte Abschwächung der Dienstleistungskonjunktur ist auf weniger zuversichtliche Lagebeurteilungen der aktuellen Geschäftslage zurückzuführen. Derzeit bewertet nur noch ein gutes Viertel der Dienstleister seine Geschäftslage als gut. Gut die Hälfte sieht sie als befriedigend an, 23 Prozent hadern hingegen mit ihrer Situation. Eine klare Abwärtstendenz zeigen die Rückmeldungen der Branche zu ihren Auftragseingängen, Umsätzen und Erträgen. Vielen unternehmensbezogenen Dienstleistern fehlen Aufträge der heimischen Industrie- und Gewerbekunden und auch die personenbezogenen Dienstleister spüren die Zurückhaltung ihrer Klienten. Zudem leiden auch die Dienstleister unter gestiegenen Kosten für Personal, Material und Energie. Vor diesem Hintergrund überwiegt hinsichtlich der Aussichten auf die kommenden Monate die Skepsis und der Saldo von positiven und negativen Erwartungen verharrt im Negativberiech bei -9 Punkten. Nur 15 Prozent der befragten Betriebe glauben an eine geschäftliche Aufhellung. 61 Prozent erwarten immerhin gleichbleibende Geschäfte, 24 Prozent rechnen jedoch mit einer geschäftlichen Eintrübung. Auch für die Dienstleistungswirtschaft dürfte die nähere Zukunft also herausfordernd bleiben.
