Schutzschirm des Bundes und des Landes

Mit rund 600 Millionen Euro für die Jahre 2021 und 2022 will die Bundesregierung einen Einbruch der betrieblichen Ausbildung in Folge der Corona-Pandemie vermeiden. Kernelement des Rettungsschirms ist die Ausbildungsprämie. Die Förderrichtlinie wurde im März 2021 aktualisiert und ausgeweitet. Darüber hinaus stellt auch das Land Niedersachsen 18 Millionen Euro für einen Aktionsplan Ausbildung bereit, der die Bundesförderung mit weiteren Fördermaßnahmen sinnvoll ergänzt und sowohl Unternehmen als auch Auszubildende unterstützt. 

Welche Förderungen des Bundes gibt es?

Ausbildungsprämie und Ausbildungsprämie plus
  • 4.000 Euro für jeden neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag bei gleichbleibendem Ausbildungsniveau.
  • 6.000 Euro für jedes zusätzlich abgeschlossene Ausbildungsverhältnis.
Für die Berechnung wird die durchschnittliche Anzahl der Ausbildungsverträge der letzten drei Jahre (2018 – 2020) nach Ablauf der Probezeiten zugrunde gelegt. Ist der Ausbildungsbetrieb innerhalb der letzten drei Jahre gegründet worden, wird auf die vorhandenen zurückliegenden Ausbildungsjahre abgestellt. Die Prämie gilt für Verträge, die frühestens am 1. Juni 2021 ihren Ausbildungsbeginn haben.
Die  Ausbildungsprämien des Bundesprogramms erhalten nur kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern, die durch die COVID-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind. Davon ist auszugehen, wenn 
  • das Unternehmen seit Januar 2020 wenigstens einen Monat Kurzarbeit durchgeführt hat oder
  • der Umsatz seit April 2020 durchschnittlich mindest­ens 50 Prozent in zwei oder 30 Prozent in fünf zusammenhängenden, vor dem Ausbildungsbeginn liegenden Monaten gegenüber dem jeweiligen Zeitraum im Jahr 2019 einge­brochen ist (bei einem Ausbildungsbetrieb, der nach April 2019 gegründet worden ist, wird der Umsatz mit dem Durchschnitt der Umsätze der Monate November und Dezember 2019 verglichen).
Wichtig: Im Gegensatz dazu steht die Ausbildungsprämie für zusätzliche Ausbildungsplätze des Landes Niedersachsen allen Unternehmen (also auch Nicht-KMU und ohne Nachweis einer erheblichen Betroffenheit) offen. 
Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit bei Auszubildenden
Setzt ein Unternehmen seine Ausbildungsaktivitäten fort, obwohl es Kurzarbeit durchführt und einen relevanten Arbeitsausfall aufgrund der Corona-Krise im Betrieb oder einer Betriebsabteilung zu verzeichnen hat, kann es Zuschüsse zur
  • Ausbildungsvergütung i. H. v. 75 Prozent für jeden Auszubildenden sowie zur 
  • Vergütung des Ausbilders/der Ausbilderin i. H. v. 50 Prozent erhalten.
Bemessungsgrundlagen sind die sich aus dem Ausbildungsvertrag bzw. Arbeitsvertrag ergeben­den Arbeitnehmer-Brutto-Vergütungen ohne Berücksichtigung von Urlaubs- und Weihnachts­geld zuzüglich eines pauschalen Zuschlags von 20 Prozent. Als Vergütung für eine Ausbilderin/ einen Ausbilder ist maximal eine Arbeitnehmer-Brutto-Vergütung in Höhe von 4.000 Euro pro Monat berücksichtigungsfähig.
Der Zuschuss zur Ausbildungsvergütung kann erstmals für August 2020, der Zuschuss zur Ausbildervergütung erstmals für März 2021 und beide können letztmals für Dezember 2021 gewährt werden.
Lockdown II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen
  • 1.000 Euro als einmalige Prämie für jede/n Auszubildende/n, wenn die Ausbildung an mindestens 30 Arbeitstagen fortgesetzt wird/wurde, obwohl die Geschäftstätigkeit seit November 2020 oder später corona-bedingt nicht oder nur noch im geringen Umfang ausgeübt wurde/wird (wie z. B. beim Außerhausverkauf von Restaurants, bei Geschäftsreisenden im Hotelbetrieb oder bei „Call and collect“-Modellen des Einzelhandels).
Die Prämie erhalten nur Kleinstunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern. Der Antrag ist spätestens bis zum 31. Juli 2021 zu stellen.
Übernahmeprämie
6.000 Euro Prämie für jeden übernommenen Auszubildenden aus Betrieben, die wegen der Pandemie Insolvenz anmelden müssen oder deren/dessen Ausbildungs­vertrag gekündigt bzw. aufgehoben wurde, weil dem Betrieb die Fort­führung der Ausbildung wegen der Folgen der Corona-Krise bis zum Ablauf der Ausbildungszeit nicht mehr möglich ist.
Die Förderung gilt für Übernahmen ab sofort bis zum 31. Dezember 2021 – in diesem Fall unabhängig von der Betriebsgröße des übernehmenden Ausbildungsbetriebs. 
Auftrags- und Verbundausbildung
4.000 Euro Prämie für die vorübergehende Aufnahme von Auszubildenden zur Auftrags- oder Verbundausbildung (für mindestens sechs Monate), wenn der Stammbetrieb die Ausbildung COVID-19-bedingt unterbrechen muss (z. B. zeitweise Schließung). Die Verbund- oder Auftragsausbildung kann in anderen KMU, in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten oder durch andere etablierte Ausbildungsdienstleister durchgeführt werden, wobei die betriebliche Ausbildung Vorrang hat. Detaillierte Informationen und Antragsunterlagen liefert die Homepage der Knappschaft Bahn See, die für die Bearbeitung der Anträge zuständig ist. 
Förderung von Prüfungsvorbereitungen
Um Auszubildende stärker bei dem erfolgreichen Abschluss ihrer Berufsausbildung unter die Arme zu greifen, sollen im Jahr 2021 außerdem besonders pandemiebetroffene Betriebe mit Zuschüssen zu den Kosten für externe Prüfungsvorbereitungslehrgänge unterstützt werden, wenn sie ihren Auszubildenden Plätze in solchen - auch digitalen - Lehrgängen zur Verfügung stellen. Dafür können Ausbildungsbetriebe je Auszubildender/n einmalig 50 Prozent der Kosten für einen Vorbereitungslehrgang erhalten, maximal jedoch 500 Euro. Alle Informationen rund um die Antragstellung finden Sie auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See.

Wer kann die Förderung beantragen?

Alle Förderungen des Bundes können von kleinen und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern  (Vollzeitäquivalente zum 29. Februar 2020) in Anspruch genommen werden. Der Ausbildungsbetrieb muss seinen Sitz in Deutschland haben.
Ausnahmen gelten für die Übernahmeprämie und den Lockdown II-Sonderzuschuss (siehe dort). 

Welche Förderungen des Landes gibt es?

  • 1.000 Euro Prämie für jedes zusätzlich abgeschlossene Ausbildungsverhältnis mit Ausbildungsbeginn ab 1. Juni 2020. Die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge in 2020 muss höher sein als die Anzahl der Ausbildungsverträge im Durchschnitt der drei vorhergehenden Ausbildungsjahre. Stichtag für die zu zählenden Verträge ist der 31. Dezember. Auch Betriebe, die erstmalig ausbilden, können die Förderung bekommen. Anträge können bis zum 31. Oktober 2022 gestellt werden.
  • 500 Euro Prämie, wenn ein Ausbildungsverhältnis verlängert werden musste, weil die Abschlussprüfung pandemiebedingt verschoben oder nicht bestanden wurde.
  • Zuschuss zu den Ausbildungskosten bei der Übernahme von Azubis aus Insolvenzbetrieben in Höhe von maximal 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben im Gebiet „Stärker entwickelte Region (SER)“ und maximal 60 Prozent der förderfähigen Ausgaben im Gebiet „Übergangsregion (ÜR). Förderfähig sind Ausgaben des Unternehmens für die Ausbildungsvergütung einschließlich der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung.
  • 500 Euro Prämie für Auszubildende, wenn sie einen Ausbildungsplatz annehmen, der mehr als 45 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt liegt. Haben sie zum Ausbildungsantritt ihren (vorher mindestens 45 Kilometer weit entfernten) Wohnsitz gewechselt, können sie die Mobilitätshilfe ebenfalls erhalten. Sowohl Wohnung als auch Ausbildungsstätte müssen in Niedersachsen liegen.

Wie werden die Förderungen beantragt?

Fördermaßnahmen des Bundes
Die Abwicklung der meisten Auszahlungen für das Bundesprogramm übernehmen die regionalen Agenturen für Arbeit. Antragsunterlagen und Hilfestellungen finden Sie hier: Bundesprogramm “Ausbildungsplätze sichern”.
Der Antrag für die Prämie bei einer  Verbund- und Auftragsausbildung lässt sich bei der Knappschaft Bahn See stellen. 
Fördermaßnahmen des Landes Niedersachsen
Dies Fördermaßnahmen des Landes lassen sich seit dem 1. November 2020 bei der NBank beantragen. 

Wann wird die Förderung beantragt?

Ausbildungsprämien
Die Ausbildungsprämien  des Bundes können nach Vertragsabschluss beantragt werden, sobald dem Ausbildungsbetrieb alle Unterlagen vollständig vorliegen. Das kann auch vor Beginn der Ausbildung und dem Ablauf der Probezeit sein. Sie sind jedoch spätestens drei Monate nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit zu stellen (Ausschlussfrist).
Die Ausbildungsprämien  des Landes können seit dem 1. November 2020 beantragt werden.
Wichtig: Das Ausbildungsverhältnis muss zum Zeitpunkt der Antragstellung bestehen, darf nicht vor dem 1. Juni 2020 begonnen worden sein und die Probezeit muss – im Gegensatz zum Bundesprogramm – bereits abgelaufen sein.
Zuschuss zur Ausbildungsvergütung zur Vermeidung von Kurzarbeit 
Der Zuschuss zur Ausbildungsvergütung kann erstmals für August 2020, der Zuschuss zur Ausbildervergütung erstmals für März 2021 und beide können letztmals für Dezember 2021 gewährt werden. Stellen Sie den Antrag möglichst zeitnah zur Anzeige der Kurzarbeit.
Lockdown II-Sonderzuschuss
Der Antrag ist spätestens bis zum 31. Juli 2021 zu stellen.
Übernahmeprämie
Für das Bundesprogramm gilt: Der Antrag ist spätestens drei Monate nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit des jeweiligen neu begründeten Ausbildungsverhältnisses zu stellen.
Beim Landesprogramm jedoch muss der Antrag  vor Abschluss des Ausbildungsvertrag mit dem übernehmenden Unternehmen gestellt werden. Das Ausbildungsverhältnis muss mindestens noch 6 Monate bestehen.
Achtung: Hier lohnt sich ein Vergleich der beiden Programme, da die Förderhöhe, die Voraussetzungen und damit der Antragszeitpunkt unterschiedlich sind! 

Was sollten Sie noch wissen?

  • Doppelförderungen sind ausgeschlossen – Sie müssen sich für ein Programm entscheiden. Ein Ausbildungsverhältnis kann nur eine Art von Prämie bekommen.
  • Die höheren Ausbildungsprämien werden erst für Ausbildungsverhältnisse mit Ausbildungsbeginn ab 1. Juni 2021 gewährt. Für Ausbildungsverhältnisse, die davor beginnen, gelten die halben Beträge.
  • Über die Zuwendung wird nach der Reihenfolge des Antrageingangs mit allen Unterlagen entschieden. Die Mittel sind begrenzt.
  • Die Ausbildungsprämien werden nach Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit ausgezahlt.
  • Ausbildungsverhältnisse mit Ehegatten und Verwandten ersten Grades können nicht gefördert werden.
  • Zuwendungen an Arbeitgeber gelten als De-minimis-Beihilfen, die in der Förderhöhe begrenzt sind. Um diese Fördergrenzen überprüfen zu können,  müssen Antragsteller eine Erklärung abgeben, welche weiteren De-minimis-Beihilfen bereits bezogen wurden.

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