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Was ist lebensphasenorientierte Führung?
Angesichts von Fachkräftemangel und demografischer Entwicklung sind Unternehmen auf gesunde Arbeitnehmer*innen angewiesen. Wechseljahresbeschwerden werden jedoch bislang kaum berücksichtigt. Die Expertin für Frauengesundheit und Menopause, Nicole Dohrwardt, gibt Tipps.
Gendermedizin wurde lange belächelt. Mittlerweile ist bekannt, dass Frauen- und Männer-Körper unterschiedlich funktionieren, andere Risiken haben und bei vielen Erkrankungen nicht dieselben Symptome zeigen. Der Zyklus jedoch, der Frauen einen Großteil ihres Lebens begleitet, wird noch immer kaum mitgedacht. Oder?
Nicole Dohrwardt: Wir befinden uns diesbezüglich gerade in einer Zeitenwende. Im aktuellen Koalitionsvertrag wird das Thema Frauengesundheitsförderung und der Gender Health Gap dezidiert benannt. Es gibt diverse Initiativen. Zum Beispiel führt die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach für Bayern die W1 ein, eine extra Wechseljahresuntersuchung. Das hat einen Leuchtturmcharakter. Zudem werden viele Fördergelder ausgeschüttet, explizit zum Thema Frauengesundheitsförderung. Also: Es passiert was.
In der Berufswelt ist das Thema oft ein Tabu. Was müsste sich ändern und wie könnten auch Unternehmen von mehr Realitätsnähe profitieren?
Das Thema muss dringend im betrieblichen Gesundheitsmanagement verankert werden. Hormon- und Zyklusgesundheit und Wechseljahre sollten im Leitfaden für Prävention der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Weiterhin sind die Krankenkassen gefragt, dieses Thema voranzutreiben. Gut ist, dass Unternehmen finanziell von den Krankenkassen gefördert werden, wenn sie das Thema im Betrieblichen Gesundheitsmanagement implementieren und umsetzen.
Viele Branchen klagen über Fachkräftemangel. Einerseits kommt zu wenig Personal nach, gleichzeitig gehen zu viele in Rente: Etwa 60 Prozent der neuen Ruheständler*innen 2024 gingen laut Deutscher Rentenversicherung sogar vorzeitig, trotz finanzieller Abschläge. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts scheiden bis 2039 mit den Babyboomern knapp ein Drittel der heutigen Erwerbspersonen aus. Wie wichtig ist es da, auch die Wechseljahre im Berufsalltag zu berücksichtigen, um Frauen möglichst lange im Arbeitsmarkt zu halten?
Nach Zahlen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten von Wechseljahresbeschwerden hochgerechnet auf rund 9,4 Milliarden Euro pro Jahr beziehungsweise fast 40 Millionen Arbeitstage. Dementsprechend würden Unternehmen von Aufklärung und Sensibilisierung profitieren. Es gibt viele Frauen, die dieses Thema einfach nicht auf der Agenda haben und mit Symptomen wie Schlaflosigkeit, totaler Erschöpfung, Brainfog, Gelenkschmerzen hohe Ausfallzeiten haben. Die Hormonumstellung in den Wechseljahren muss man sich vorstellen wie den Besuch eines fremden Landes. Es passiert viel Unerwartetes.
Und bei dem Thema gibt es wenige Fachleute. Selbst bei Gynäkolog*innen sind diejenigen rar, die proaktiv über das Thema aufklären und geeignete Präventionsangebote und Therapien ansprechen…
Der Fokus liegt derzeit noch auf der fertilen Phase der Frau. Damit wird das meiste Geld verdient. Da wir aber alle immer länger arbeiten müssen, sind wir eine riesige Zielgruppe, auf die sich auch die Medizin einstellen muss. Das ist ein großer Markt, Frauen ab 50 gehören zu den Best Agers. Sie sind finanzstark, wollen teilhaben, gehen ihren Interessen nach. Und es waren noch nie so viele Frauen erwerbstätig wie jetzt. Wenn uns diese Frauen vorzeitig abhandenkommen, dann haben wir ein noch größeres volkswirtschaftliches Problem als ohnehin schon.
Schulen Sie nur Frauen, oder ist es nicht ebenso wichtig, Männer für das Thema zu sensibilisieren? Einerseits haben auch sie mit Hormonumstellungen zu tun. Andererseits sind die allermeisten Führungskräfte in Deutschland immer noch Männer.
Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements geht es um die Frage, wie im Unternehmen Strukturen aufgebaut werden können, die der Frauengesundheit dienlich sind. Aufklärung und Awareness sind die ersten Schritte. Auf dem Weg müssen wir natürlich auch die Männer mitnehmen. Bei meinen Vorträgen merke ich allerdings, dass sich Männer nicht interessieren, wenn im Titel etwas mit „Menopause“ vorkommt. Deshalb betitele ich meine Vorträge jetzt anders, beispielsweise als „lebensphasenorientierte Führung“, und spreche auch nicht ausschließlich über Frauen, sondern auch über die hormonellen Veränderungen bei Männern in der Lebensmitte. Dann fühlt sich auch niemand in die defizitäre Ecke abgeschoben. Die Wechseljahre bringen viele Chancen, eine Menge Erfahrung, eine neue Klarheit und Fokus mit sich. Und: Wir alle bringen die Wechseljahre mit zur Arbeit, also können wir sie nicht ignorieren.
Genderspezifische Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz
Expertin Nicole Dohrwardt spricht am Freitag, 8. Mai, ab 11 Uhr bei einer digitalen Veranstaltung über Genderspezifische Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Der Vortrag ist Teil der IHKN-Aktionstage „Gesundheit im Betrieb“ 2026, mit denen die IHK Niedersachsen (IHKN) Unternehmen mit Fachvorträgen und Praxisbeispielen die Möglichkeit bietet, sich über zentrale Fragen zum Thema zu informieren und auszutauschen. Die Veranstaltung mit Nicole Dorwardt organisiert unsere IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) gemeinsam mit der IHK Braunschweig und dem Arbeitgeberverband Lüneburg Nordostniedersachsen e.V..
Hintergrund: Gesundheitliche Bedürfnisse und Belastungen unterscheiden sich je nach Geschlecht und Altersphase. Passende betriebliche Angebote können helfen, allen die richtigen Anregungen zu geben und damit Krankentage zu minimieren. Je nach Geschlecht und Lebensphase unterscheiden sich die gesundheitlichen Bedürfnisse. Gleichzeitig sind Betriebe heute mehr denn je auch auf ihre älteren Angestellten angewiesen. Gesundheitsexpertin Nicole Dohrwardt informiert über Risiken und Präventionsmaßnahmen, und gibt praktische Tipps im Umgang mit physischen und mentalen Belastungen. IHKLW-Ansprechpartnerin für die Veranstaltung ist Kirstin Borgwardt, Beraterin Unternehmensnetzwerke, kirstin.borgwardt@ihklw.de, Tel. 04131 742-476.
Expertin Nicole Dohrwardt spricht am Freitag, 8. Mai, ab 11 Uhr bei einer digitalen Veranstaltung über Genderspezifische Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Der Vortrag ist Teil der IHKN-Aktionstage „Gesundheit im Betrieb“ 2026, mit denen die IHK Niedersachsen (IHKN) Unternehmen mit Fachvorträgen und Praxisbeispielen die Möglichkeit bietet, sich über zentrale Fragen zum Thema zu informieren und auszutauschen. Die Veranstaltung mit Nicole Dorwardt organisiert unsere IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) gemeinsam mit der IHK Braunschweig und dem Arbeitgeberverband Lüneburg Nordostniedersachsen e.V..
Hintergrund: Gesundheitliche Bedürfnisse und Belastungen unterscheiden sich je nach Geschlecht und Altersphase. Passende betriebliche Angebote können helfen, allen die richtigen Anregungen zu geben und damit Krankentage zu minimieren. Je nach Geschlecht und Lebensphase unterscheiden sich die gesundheitlichen Bedürfnisse. Gleichzeitig sind Betriebe heute mehr denn je auch auf ihre älteren Angestellten angewiesen. Gesundheitsexpertin Nicole Dohrwardt informiert über Risiken und Präventionsmaßnahmen, und gibt praktische Tipps im Umgang mit physischen und mentalen Belastungen. IHKLW-Ansprechpartnerin für die Veranstaltung ist Kirstin Borgwardt, Beraterin Unternehmensnetzwerke, kirstin.borgwardt@ihklw.de, Tel. 04131 742-476.
Seminare für Frauen
Eine Seminar-Reihe. Ein Ziel: Frauen stärken. Ob finanzielle Sicherheit, mentale Gesundheit oder souveräne Führung – ausgewählte IHKLW-Seminare unterstützen Frauen dabei, bewusst, klar und wirksam ihren eigenen Weg zu gehen: Seminare für Frauen
Eine Seminar-Reihe. Ein Ziel: Frauen stärken. Ob finanzielle Sicherheit, mentale Gesundheit oder souveräne Führung – ausgewählte IHKLW-Seminare unterstützen Frauen dabei, bewusst, klar und wirksam ihren eigenen Weg zu gehen: Seminare für Frauen
Kontakt
Kirstin Borgwardt
