Unsere Wirtschaft
Nr. 7044110
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Illustration zeigt Bogenschießen vor Publikum an der Hamburger Binnenalster.

Olympia als Chance für den Norden

Die Bemühungen Hamburgs um eine Olympiabewerbung sind – so sagen es Befürwortende – an sich schon ein relevanter Wirtschaftsfaktor im Sport, unabhängig davon, ob die Spiele tatsächlich hier stattfinden. Was die Bewerbung für die Metropolregion bedeutet, skizziert Dennis Krämer, Sprecher in der Hamburger Behörde für Inneres und Sport für das Vorprojekt Olympische und Paralympische Spiele, im Interview. Von Anne Klesse
Im Rahmen der geplanten Olympia-Bewerbung Hamburgs sind auch mehrere Standorte in Niedersachsen als Austragungsorte vorgesehen, zum Beispiel Luhmühlen bei Lüneburg für das Vielseitigkeitsreiten und die Volkswagen Arena in Wolfsburg für Fußballspiele…
Dennis Krämer: Das ist richtig. Das Hamburger Konzept umfasst bewusst auch Standorte im gesamten Norden und den benachbarten Bundesländern, weil wir auf gewachsene Infrastruktur setzen (etwa beim Olympischen Fußballturnier der Frauen und Männer) oder beim Vielseitigkeitsreiten in Luhmühlen.

Welche konkreten wirtschaftlichen Impulse erwarten Sie von einer Olympia-Bewerbung für die gesamte Metropolregion Hamburg – insbesondere für Nordostniedersachsen?
Krämer: Wir sehen die Bewerbung als eine des Nordens, kompakt mit kurzen Wegen und wir glauben auch, dass der gesamte Norden davon profitieren wird. Das Beispiel der Olympischen Spiele von Paris 2024 zeigt das wirtschaftliche Potenzial deutlich. Mit den Organisatorinnen und Organisatoren von Paris sind wir in engem Austausch: Der für die Spiele in Paris bilanzierte Netto-Wirtschaftseffekt beträgt 7,1 Milliarden Euro. Die Aufträge, die im Zusammenhang mit den Spielen – unter anderem bau- und sanierungsbedingte Maßnahmen – zu vergeben waren, gingen zu 90 Prozent an französische Unternehmen, davon 80 Prozent an kleine und mittlere Unternehmen. Die Auftragssumme von Paris belief sich auf 5 Milliarden Euro. 

Lässt sich das auf die Metropolregion Hamburg übertragen?
Krämer: Wir rechnen in Hamburg mit ähnlichen Größenordnungen. Auf dem Weg zu den Spielen soll es zusätzlich Investitionen in die Infrastruktur von 1,3 Milliarden Euro geben, etwa in Stadtentwicklung, Modernisierung von Sportstätten, Barrierefreiheit u.v.m., für die Aufträge ausgeschrieben werden, auch an lokale Betriebe. Darüber hinaus wird auch die Metropolregion von den Gästen profitieren, die die Spiele besuchen werden, insbesondere die Tourismus- und Hotelbranche, die Gastronomie, die Veranstaltungsbranche. Und das nicht nur auf Hamburger Stadtgebiet.

Kritiker*innen bemängeln, Olympia sei ein teures Prestigeprojekt. Wie stellen Sie sicher, dass die Menschen und Unternehmen in der Metropolregion tatsächlich profitieren?
Krämer: Hamburg befindet sich in einer sehr frühen Phase der Bewerbung und ist noch nicht als deutscher Bewerber für die Spiele 2040 oder 2044 im Rennen. Bereits in dieser frühen Phase, rund 14 bis 18 Jahre vor den eigentlichen Spielen, sieht das Konzept aber die Einbindung der Metropolregion und der regionalen Wirtschaft vor. Das Konzept sieht bewusst Sportstätten außerhalb Hamburgs vor. Kiel ist mit Rugby, Segeln und Handball ein großes Cluster im Konzept, Niedersachsen und Bremen sind ebenfalls eingebunden. Es wird öffentliche Ausschreibungen in diversen Bereichen geben, bei denen selbstverständlich die lokalen Unternehmen – wie in Paris auch – profitieren sollen. Das Mobilitätskonzept sieht explizit die Verbesserung der Anbindung der Metropolregion vor. Lokale Betriebe, Hotels, Restaurants und Fachbetriebe rund um die Spielstätten werden von den Gästen, der Nachfrage und der internationalen Bekanntheitssteigerung profitieren können.

Welche Branchen sehen Sie als größte Gewinner einer möglichen Bewerbung?
Krämer: Olympische und Paralympische Spiele betreffen nicht nur rein das sportliche Event, sondern tangieren vielfältige Branchen und Bereich. Neben der Modernisierung von Sportstätten, dem temporären Auf- und Abbau von Sport- und Trainingsstätten, der lokalen Gastronomie und Hotellerie, der Stadtentwicklung, dem Ausbau des ÖPNV bzw. der Infrastruktur können auch die Eventbranche, die Event- und Veranstaltungstechnik oder die Werbebranche von Spielen in der Region profitieren.

Wie nachhaltig sind die wirtschaftlichen Effekte über die Spiele hinaus – gerade für ländlichere Räume wie in Nordostniedersachsen? Gibt es bereits Effekte in der Bewerbungsphase?
Krämer: Bereits im Vorlauf der Spiele wird es Impulse für den Ausbau der Infrastruktur, des öffentlichen Raums und der Sport- und Trainingsstätten geben. Darüber hinaus plant Hamburg in seinem finanziellen Rahmenkonzept Investitionen von 1,3 Milliarden Euro in die Infrastruktur – in Barrierefreiheit, ÖPNV, Begrünung etc., die langfristigen Nutzen für Hamburg und die Metropolregion haben werden. Zusätzliche Investitionen ins Schnellbahnnetz und die Modernisierung von Zubringern und Brücken hätten auch einen Impact auf die Metropolregion über den Zeitraum der eigenen Spiele hinaus. Außerdem sorgen die Spiele für internationale Bekanntheit.

Hamburg wollte sich vor einem Jahrzehnt bereits einmal bewerben, scheiterte jedoch am Bürgerentscheid. Was ist Ihr wichtigstes Argument gegenüber denjenigen, die noch skeptisch sind?
Krämer: Die Rahmenbedingungen im Vergleich zur Bewerbung 2015 haben sich grundlegend verändert. Ein elementarer Unterschied: Es geht diesmal nicht mehr um die Frage, ob sich Deutschland überhaupt mit Hamburg um die Spiele bewirbt. Diese Frage ist bereits entschieden. Deutschland wird sich bewerben. Es geht nur noch um die Frage, mit welcher Stadt. München und auch Nordrhein-Westfalen stehen schon bereit. Mit der Entscheidung, wo die Spiele in Deutschland stattfinden, sind viele Investitionsfragen verbunden. Damit geht es also diesmal auch um die Frage: Fließen öffentliche Gelder und private Investitionen in den Süden bzw. Westen oder kommen sie nach Hamburg und den gesamten Norden? Damit sind enorme Chance für uns im Norden verbunden. Es geht insofern also auch um Chancen für norddeutsche Unternehmen und die Sicherheit von Arbeitsplätzen.