29.07.2022

Lieferketten zum Zerreißen angespannt

Es fehlt an fast allem: Rohstoffen, Bauteilen, Komponenten. Materialengpässe behindern immer stärker die Produktion und die Lieferfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Laut einer Umfrage der IHK Heilbronn-Franken leiden vier von fünf Unternehmen unter Preisexplosionen bei Rohstoffen und Vorprodukten. Fast zwei Drittel beklagen erheblich längere Lieferzeiten.
Unternehmen sind in Produktion und Vertrieb von kalkulierbaren, verlässlichen Zulieferungen abhängig. Doch spätestens seit dem Russland-Ukraine-Krieg nehmen Materialengpässe verschärft zu und explodieren die Kosten für Energie und Rohstoffe. „Die Lage in der regionalen Wirtschaft ist extrem angespannt. Rund 90 Prozent der Industriebetriebe klagen laut unserer Umfrage über einen erheblichen Preisanstieg bei Rohstoffen und Vorprodukten. Beinahe jeder zweite Industriebetrieb ist von gravierenden Ertragseinbußen und steigenden Kosten durch Lieferschwierigkeiten betroffen", sagt Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken.
Die regionale Industrie ist nicht nur mit ihren eigenen Produkten weltweit präsent. Sie greift auch auf ein globales Netz von Zulieferern zurück. „Die Liste der negativen Einflüsse ist lang: Russland-Ukraine-Krieg, Lockdowns in China, deutlich verlängerte Abfertigungszeiten von Containern sowie Personalengpässe bei der Auslieferung und in der eigenen Produktion", zählt Elke Döring auf.

Lieferschwierigkeiten seit dem Frühjahr nochmals verschärft

Die Sondererhebung der IHK im Rahmen der aktuellen Konjunkturumfrage basiert auf 270 Antworten von Betrieben aus Industrie, Bau und Handel. Im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung hat sich die Lage nochmals verschärft. „Am Jahresbeginn 2022, noch vor Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs, meldeten bereits 76 Prozent, also rund drei Viertel der befragten regionalen Unternehmen gravierende Preiserhöhungen. Nun sind es sogar mehr als vier von fünf Firmen“, ergänzt Dorothee Kienzle, Referentin Volkswirtschaft der IHK Heilbronn-Franken. Auch der Anteil der Unternehmen, die erheblich längere Lieferzeiten verzeichnen, hat sich von 58 Prozent am Jahresanfang 2022 auf jetzt rund zwei Drittel erhöht.

Wenig Aussicht auf Besserung

Mit einer Entschärfung der Lage innerhalb der nächsten drei Monate rechnet kaum noch jemand. „Die Engpässe zeigen sich besonders hartnäckig. Nur 28 Prozent der Befragten sehen eine bessere Versorgungslage ab dem ersten Halbjahr 2023. Ein Viertel rechnet sogar erst im zweiten Halbjahr 2023 oder später mit einer Entspannung", erläutert IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring. Zwischen den Branchen gibt es dabei wenig Unterschiede - mit Ausnahme des Baugewerbes und des Einzelhandels. Hier fällt es etwa jedem zweiten der befragten Unternehmen schwer, die voraussichtliche Dauer der Lieferengpässe zu beurteilen.