Service & Info | 16.05.2022

Unternehmensberatung

Staatliche Zuschüsse für Unternehmen in Schwierigkeiten. 
Sollte ein Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sein, ist eine Unternehmensberatung mit das wichtigste Instrument, um die Leistungsfähigkeit des Betriebes wiederherzustellen. Oftmals ist der Druck solcher Schwierigkeiten so groß, dass dies der Betrieb nicht mehr allein bewältigten kann. Helfen hierbei kann ein Unternehmensberater, der den Betrieb genau unter die Lupe nimmt, feststellt worin die Ursachen der Schwierigkeiten liegen und diese gezielt mit dem Betrieb und wenn nötig anderen Beteiligten angeht. Doch eine professionelle Unternehmensberatung ist meist teuer. Was viele kleinere und mittlere Unternehmen nicht wissen: Beratungsleistungen können unter bestimmten Voraussetzungen stark gefördert werden.

Krisenberatung Corona

Viele Unternehmens sind durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das Land Baden-Württemberg hat daher bereits im Mai 2020 als weitere Unterstützungsmaßnahme für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) das Förderprogramm „Krisenberatung Corona“ aufgelegt, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten.
Ziel der „Krisenberatung Corona“ ist die unternehmerische Lage zu bewerten, Möglichkeiten der Liquiditätssicherung zu prüfen und eine Strategie zur Krisenüberwindung zu entwickeln. Die bis zu vier Beratungstage sind kostenlos! Die Antragsteller zahlen lediglich die Mehrwertsteuer im Voraus.
Das Programm richtet sich an Gewerbetreibende und Freiberufler aus Baden-Württemberg. Die Unternehmen müssen die KMU-Kriterien erfüllen (u. a. maximal 250 Mitarbeiter). Die Krisenberatung erfolgt durch das RKW Baden-Württemberg, die Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Mittelstand und Handwerk (BWHM), DEHOGA Baden-Württemberg und den Handelsverband Baden-Württemberg (HBW/UBH). Im Fokus stehen Industrie, Handwerk, Handel, Gastgewerbe sowie sonstige Dienstleistungen.
Die Unternehmen müssen über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen und dürfen nicht bereits vor März 2020 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein. Gleichzeitig müssen sie durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten gekommen sein.
Beratungsinhalte sind insbesondere die Erhebung der Ist-Situation, Erstellung von Krisenplänen für die operative Arbeit im Unternehmen, Finanz- und Kapitalplanung, Liquiditätsplanung, Beantragung von geeigneten Fördermitteln, Begleitung des Krisenmanagements sowie die Erstellung einer Strategie für potenzielle Auswirkungen nach der Krise.
Die Corona Krisenberatung wurde inzwischen mehrmals verlängert und läuft aktuell noch bis 30. Juni 2022. Sie sollte jedoch bis Ende 2022 verlängert werden, da bis dahin weiterhin noch Unternehmen von der Corona-Pandemie unmittelbar betroffen sein werden und eine Unterstützung in Form einer Beratungsförderung zur Sicherung des Unternehmens dringend bedürfen.
Am 6. Juli veranstaltet die IHK Heilbronn-Franken ein Webinar zum Thema “Indikatoren für eine Unternehmenskrise”. Die Referenten sprechen über Faktoren, die aus einem Problem eine Krise entstehen lassen können und erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen vor, während und nach einer Unternehmenskrise.

BAFA-Beratungsförderung „Unternehmen in Schwierigkeiten“

Mit dem vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) umgesetzten Bundesprogramm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ werden seit 2016 neben neu gegründeten und etablierten Unternehmen auch Unternehmen in Schwierigkeiten unterstützt. Unternehmen in Schwierigkeiten können eine Förderung für eine Unternehmenssicherungsberatung zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Im Rahmen einer Folgeberatung können dann einzelne Schritte der Unternehmenssicherungsberatung vertieft betrachtet werden.
Die Förderung beträgt 3.000 € bei einem Fördersatz von 90 Prozent sowohl für die Unternehmenssicherungsberatung als auch die Folgeberatung. Vor der Antragstellung ist ein kostenloses Informationsgespräch mit einem regionalen Ansprechpartner zu führen. Die IHK Heilbronn-Franken ist Regionalpartner und kompetenter Ansprechpartner für ihre Mitgliedsunternehmen. Das BAFA-Programm läuft derzeit noch bis Ende 2022. Wie es danach weitergeht ist noch nicht bekannt. Da jedoch mit dem Förderprogramm ein zentraler Beitrag für die Sicherung von Unternehmen im Mittelstand geleistet wird – und ein anderes allgemeines Programm für Unternehmen in Schwierigkeiten nicht existiert – sollte das Programm unbedingt weiter angeboten werden, wenngleich modifiziert.
Denn in der Praxis hat sich die Notwendigkeit von Programmanpassungen gezeigt. So sollte künftig sichergestellt sein, dass alle Unternehmen, welche sich tatsächlich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befinden, gefördert werden können. Dazu ist es notwendig, die bisherigen strengen Voraussetzungen zur Antragsstellung um qualitative Zugangskriterien zu erweitern. Auch gelten Unternehmen, die auch nur einen Euro Gewinn machen, per se nicht als Unternehmen in Schwierigkeiten. Dies ist praxis- und realitätsfremd. Außerdem wird bei Einzelunternehmen das Existenzminimum der Inhaber nicht berücksichtigt. Dadurch ist eine erhebliche Benachteiligung gegenüber Kapitalgesellschaften gegeben. Einzelunternehmer sollte deshalb die Berücksichtigung eines Existenzminimumbetrags gewährt werden. Dies sind nur einige Verbesserungsvorschläge, welche von der IHK-Organisation schon seit vielen Jahren eingefordert werden.
Sollte das BAFA-Programm für Unternehmen in Schwierigkeiten im Rahmen der neuen Förderperiode ab 2023 nicht um wesentliche Änderungen angepasst werden, ist das Land Baden-Württemberg aufgefordert sich Gedanken über eine „praxistaugliche Krisenberatung“ für Unternehmen zu machen. Mit der Corona-Hilfe „Krisenberatung Corona“ hat es dies bereits unter Beweis gestellt.