Service & Info | 14.02.2022

Mit Teilqualifikationen Beschäftigte zu Fachkräften weiterentwickeln

Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ist in den Betrieben größer denn je. Für Herausforderungen wie Digitalisierung und Transformation in der Arbeitswelt brauchen die Unternehmen vor allem gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind ein Schlüssel, um diese Aufgaben zu meistern. Vom DIHK

Die duale Erstausbildung sowie berufliche Weiterbildung bleiben für Unternehmen weiterhin zentrale Instrumente der Fachkräftegewinnung. Doch auch das berufliche Potenzial der weniger Qualifizierten, häufig ohne Berufsabschluss, sollte nicht unterschätzt werden. Zu dieser Zielgruppe zählen auch viele Beschäftigte in den Betrieben. Für sie kann der schrittweise, auch beschäftigungsbegleitende, Erwerb von Teilqualifikationen (TQ) ein passender Qualifizierungsweg sein, um noch einen Berufsabschluss zu erwerben und eine Perspektive auf eine qualifizierte Beschäftigung zu ermöglichen. Bei den TQ-Modellen spielen Betriebe eine wichtige Rolle, sie können selbst profitieren – und ihre Position mit der Entwicklung von Fachkräften stärken.

Win-win-Situation für Erwachsene und Betriebe

Teilqualifikationen sind aus staatlich anerkannten Ausbildungsberufen abgeleitet. Sie richten sich an an- und ungelernte Menschen über 25 Jahren, für die jedoch eine normale Berufsausbildung nicht (mehr) in Frage kommt. Dazu zählen vor allem Erwachsene ohne Berufsabschluss oder mit einem “veralteten” Beruf, aber mit durchaus viel beruflicher Praxis. Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen sowie Menschen mit Migrations- beziehungsweise Fluchthintergrund können diesen Weg ebenfalls wählen.
Und Teilqualifikationen nützen auch den Unternehmen, denn sie sind eine Antwort auf veränderte Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigten. Und sie ermöglichen es, über berufsspezifische Weiterbildung schrittweise passgenaue Fachkräfte aus den eigenen Reihen zu gewinnen. Dies gilt besonders dann, wenn über diesen Weg der Nachqualifizierung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter letztlich einen Berufsabschluss erwerben, der beiden – Betrieben und Mitarbeitenden – eine Perspektive auf eine qualifizierte und längerfristige Beschäftigung eröffnet.

Wie funktioniert die Qualifizierung?

Die Qualifizierung einer TQ dauert in der Regel vier bis sechs Monate. Ein auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer passendes Konzept wird von einem Bildungsdienstleister, gegebenenfalls gemeinsam mit einem Unternehmen, erstellt. Die finanzielle Förderung wird mit den regionalen Arbeitsagenturen ausgelotet.
Die Teilnehmenden schließen jede TQ-Maßnahme mit einer „Lernstandskontrolle“ in Form einer Kompetenzfeststellung ab. Bundesweit bieten sehr viele Industrie- und Handelskammern diese an und stellen bei Bestehen ein IHK-Zertifikat aus. Und mit dem Engagement aller Beteiligten besteht – in der Regel nach mehreren Teilqualifikationen – anschließend die Chance auf die Teilnahme an der IHK-Abschlussprüfung und den Erwerb des Berufsabschlusses.

Erfolge geben dem Modell Recht

„Das würde ich jederzeit wieder machen“, sagt Natalie Hofeditz. Die 37-Jährige musste vor 20 Jahren ihre Ausbildung abbrechen, arbeitete schließlich als Produktionshelferin bei der Schrichten GmbH (Region Sauerland). Dort bekam sie das Angebot, sich über Teilqualifikationen weiterzubilden bis hin zum Berufsabschluss Maschinen- und Anlagenführerin. Das Potenzial der TQs hat das Unternehmen schon länger erkannt: „Wir spüren schon seit einiger Zeit, dass es schwieriger wird, Fachkräfte zu gewinnen“, berichtet Florian Schauerte, Projektmanager bei Schrichten. „Und selbst wenn man neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rekrutieren könnte, müsste man sie doch im Betrieb für den eigenen Bedarf erst anlernen. Deshalb setzen wir lieber auf die Ausbildung eigener Fachkräfte beziehungsweise auf die Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Chancen Nutzen! Mit Teilqualifikationen Richtung Berufsabschluss

Seit Oktober 2017 arbeitet das bei der DIHK Service GmbH angesiedelte Projekt „Chancen Nutzen! Mit Teilqualifikationen Richtung Berufsabschluss“ daran, ein bundesweit einheitliches Unterstützungsangebot für Teilqualifikationen umzusetzen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es berät, begleitet und unterstützt als Koordinierungsstelle den Austausch und die Weiterentwicklung des IHK-Angebotes.

Kontakt

Yvonne Allgeier
Yvonne Allgeier
Referentin Online Redaktion & Mitgliederkommunikation