EZB veröffentlicht Konzept für den digitalen Euro
Insbesondere letzteres wäre aufgrund der dadurch entstehenden monetären Souveränität ein wichtiger Beitrag, um Europa resilienter aufzustellen.
1. Bausteine des digitalen Euro
Das Konzept sieht ein Haltelimit vor, sodass es nicht zu einem Abzug von Geldern aus klassischen Spar- und Girokonten zu Gunsten des digitalen Euro kommen soll. Besonders in Krisenzeiten stünde ansonsten das Risiko eines digitalen Bankruns im Raum, wenn Millionen Menschen ihre Sichteinlagen in digitale Euros tauschen könnten. Das genaue Haltelimit wird zurzeit noch diskutiert, hier stehen Werte von 500 bis 3.000 Euro im Raum.
Um den Bargeld-Charakter des digitalen Euro zu erreichen, sollen Zahlungen neben der klassischen digitalen Onlineversion auch als Offline-Transaktion möglich sein, sodass am Ende nur Zahler und Empfänger die Informationen zur Transaktion kennen. Gleichzeitig betonen EZB und Bundesbank, dass das Bargeld nicht abgeschafft werden soll, sondern der digitale Euro als Ergänzung zu sehen ist.
Die EZB plant bei der Einführung eng mit Banken und Sparkassen zusammenzuarbeiten, um den digitalen Euro in allen Konten und Wallets anbieten zu können. Die Kreditwirtschaft kritisiert das bisherige Konzept, da sie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs als ihre Kernaufgabe sieht: Vor allem im Bereich Vergütung und Kosten besteht noch Diskussionsbedarf: Während die Kreditwirtschaft von einmaligen Kosten in Höhe von bis zu 30 Milliarden Euro ausgeht, schätzen Bundesbank und EZB die Implementationskosten deutlich geringer ein.
Im Bereich der laufenden jährlichen Kosten liegt die Schätzung ungefähr im Bereich der Kosten für das klassische Bargeld. Auch hier soll ein Vergütungsmechanismus gefunden werden, der den digitalen Euro für Handel und Finanzwirtschaft attraktiv macht, gleichzeitig jedoch deutlich unter den Kosten privater Zahlungsdienstleister liegt.
Auf europäischer Ebene hat der Berichterstatter des EU-Parlaments Fernando Navarrete vorgeschlagen, den digitalen Euro zunächst nur in seiner Offlineversion einzuführen. Privaten Angeboten, wie die von Banken und Sparkassen entwickelte Zahlungslösung Wero, solle mehr Zeit gegeben werden, ihr volles Potential zu entwickeln. Sollte der Privatsektor jedoch beim Angebot einer grenzübergreifenden Lösung scheitern, könnte die EZB zu einem späteren Zeitpunkt die Onlinefunktion des digitalen Euro aktivieren.
2. Wie geht es weiter?
Der Ball liegt jetzt bei der Politik. Auf europäischer Ebene möchte der Rat bis Jahresende zu einer Position kommen. Im EU-Parlament wird dieser Prozess noch länger dauern, sodass eine Einigung frühestens Mitte 2026 erwartet wird. Mit einem geeinten und verabschiedeten Legislativtext kann die EZB dann weitere Projekteschritte initiieren. Ziel ist die flächendeckende Einführung des digitalen Euro zum Jahr 2029.
Quelle: Aus dem Steuer-Newsletter der DIHK (Ausgabe Nr. 12/2025)