17.06.2026
In Deutschland gibt es mehr ungenutztes unternehmerisches Potenzial, als man denkt. Eine gemeinsame Befragung der Handelskammer Hamburg und der Bertelsmann Stiftung zeigt: Die Unterschiede zwischen Angestellten sowie Unternehmerinnen und Unternehmern sind deutlich geringer als oft behauptet. Unternehmertum ist keine Typfrage – sondern eine Frage der Rahmenbedingungen.
Unternehmertum ist keine Typfrage
Gemeinsames Impulspapier
(Fast) Jeder kann gründen: Gemeinsam haben die Bertelsmann Stiftung und die Handelskammer Hamburg das Impulspapier “Unternehmertum ist keine Typfrage” veröffentlicht. Die Analyse von über 5.400 Befragten zeigt ein überraschendes Ergebnis: Die Persönlichkeitsunterschiede zwischen Angestellten und Selbstständigen bzw. Gründerinnen und Gründern sind deutlich geringer, als häufig angenommen. Dies bietet Chancen für Gründung, Intrapreneurship und Unternehmensnachfolge.
Gleichzeitig bleibt die Gründungsdynamik in Deutschland seit Jahren hinter ihren Möglichkeiten zurück. Besonders bei jungen Menschen zeigt sich eine Lücke: Nur rund drei Prozent sind selbstständig – deutlich weniger als im EU-Durchschnitt von über fünf Prozent.
Gleichzeitig bleibt die Gründungsdynamik in Deutschland seit Jahren hinter ihren Möglichkeiten zurück. Besonders bei jungen Menschen zeigt sich eine Lücke: Nur rund drei Prozent sind selbstständig – deutlich weniger als im EU-Durchschnitt von über fünf Prozent.
Für die Untersuchung bewerteten über 5.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Ausprägung in acht zentralen unternehmerischen Eigenschaften – darunter Risikobereitschaft, Durchsetzungsfähigkeit und Leistungswille. Das Ergebnis ist eindeutig: Selbstständige liegen bei allen Merkmalen nur minimal über Angestellten. Lediglich beim Wunsch nach Unabhängigkeit zeigt sich ein etwas größerer Abstand. Mit anderen Worten: Der oft zitierte „Unternehmertyp“ ist ein Mythos.
Zentral Ergebnisse
Die Ergebnisse drehen die Perspektive: Nicht mangelnde Eignung bremst Gründungen in Deutschland, sondern unzureichende Bedingungen. Dabei ist klar: Mehr Unternehmertum entscheidet über Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung.
„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass der Weg zum Gründer oder zur Gründerin keiner kleinen Gruppe mit bestimmten, nur hier anzutreffenden Persönlichkeitsprofilen vorbehalten ist. Im Gegenteil: Viele Menschen, die angestellt beschäftigt sind, tragen wesentliche Merkmale des Gründungsgeistes bereits in sich. Damit gibt es in Deutschland viel mehr potenzielle Unternehmerinnen und Unternehmer, als oft angenommen wird. Hieraus bietet sich eine große Chance für die Gründungsdynamik und Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.”Ivo Andrade, Experte der Bertelsmann Stiftung für Jugend und Wirtschaft
Gerade mit Blick auf die Unternehmensnachfolge wird der Handlungsdruck größer: Bis Ende 2029 werden bundesweit jährlich rund 109.000 Nachfolger gesucht. Gleichzeitig steht ein erheblicher Teil der Unternehmen ohne Perspektive vor der Schließung. Hier liegt ein bislang unterschätztes Potenzial: Angestellte können deutlich stärker für die Nachfolge gewonnen werden – insbesondere aus den eigenen Belegschaften heraus.
Zum Impulspapier "Unternehmertum ist keine Typfrage"