Politik & Wirtschaft

Kolumbianische Geflüchtete

Im Jahr 2023 stellten rund 63.100 kolumbianische Staatsangehörige einen Asylantrag in der Europäischen Union. Die Anerkennungsquote lag jedoch lediglich bei etwa sieben Prozent, da die meisten Antragstellenden von den Behörden nicht als politisch verfolgt eingestuft wurden. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 3.337 Asylanträge von kolumbianischen Staatsangehörigen in Deutschland registriert. Im Januar 2024 kamen weitere 455 Anträge hinzu, wodurch Kolumbien in diesem Zeitraum bereits auf Platz zehn der wichtigsten Herkunftsländer lag. Trotz der weiterhin sehr geringen Erfolgsaussichten steigt die Zahl der Asylanträge aus Kolumbien.

Migrationspartnerschaft

Seit 2025 besteht zwischen Deutschland und Kolumbien eine Migrationspartnerschaft. Durch die gemeinsame Absichtserklärung soll die „Zusammenarbeit im Bereich der Migration zwischen Deutschland und Kolumbien noch mehr gestärkt werden.” Unterzeichnet wurde die Erklärung von der ehemaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Kolumbiens ehemaliger Außenministerin I. E. Laura Camilla Sarabia Torres. Das Ziel ist es, die bilaterale Kooperation in Migrationsfragen weiter auszubauen und zu vertiefen, insbesondere im Kontext regulärer Migration und Fachkräftezuwanderung. Darüber hinaus verfolgen beide Länder das Ziel, den gegenseitigen Austausch in den Bereichen Bildung und Wissenschaft weiter auszubauen und zu intensivieren. Die Migrationspartnerschaft ergab sich aus der Problematik von steigenden Zahlen aussichtsloser Asylanträge, denen eine Anerkennungsquote von 0,3% bei kolumbianischen Staatsangehörigen gegenüberlag. Weitere Migrationsabkommen bestehen bereits mit Georgien, Indien, Kenia und Usbekistan. Darüber hinaus wurde auch die Zusammenarbeit zwischen dem BIBB (Bundesinstitut für Berufsbildung) und dem kolumbianischen nationalen Dienst für Berufsbildung SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje) verlängert. Die Kooperation besteht seit 2011 – nun wurde die Kooperationsphase für 2025 bis 2028 besiegelt.
Kolumbien verfügt über vielfältige wirtschaftliche Potenziale und eine strategisch günstige Lage mit zahlreichen Handelswegen, die das Land zu einem attraktiven Partner im internationalen Handel machen. Es zeichnet sich durch ein hohes Arbeitskräftepotenzial sowie einen großen Reichtum an natürlichen Ressourcen aus. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Erdöl und Nahrungsmittel, die im Jahr 2024 rund 40 Prozent der Exporte ausmachten, sowie Kohle, Gold und chemische Erzeugnisse. Deutschland bezieht dabei einen Teil seiner Steinkohle aus Kolumbien, das zu den bedeutendsten Lieferländern zählt. Wichtigste Handelspartner Kolumbiens sind die USA und die Europäische Union, wobei China für den Export mittlerweile eine größere Rolle spielt als die EU. Gleichzeitig wächst die Mittelschicht im Land kontinuierlich und sorgt für eine steigende Binnen nachfrage. Besonders vielversprechend sind zudem die Entwicklungsperspektiven im Bereich der erneuerbaren Energien, die auch im Fokus der bilateralen Zusammenarbeit, beispielsweise mit der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), stehen. Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen stellt die unzureichend ausgebaute Infrastruktur nach wie vor eine der größten Herausforderungen für wirtschaftliche Aktivitäten und Investitionen dar.

Arbeitsmarktinformationen

Der Arbeitsmarkt in Kolumbien zeigt sich seit 2012 relativ stabil, wobei sich die Arbeitslosenquote auf einem Niveau zwischen acht und zehn Prozent eingependelt hat. Gleich zeitig ist die Jugenderwerbslosenquote gestiegen und erhöhte sich im Zeitraum von 2016 bis 2020 von 16,6 Prozent auf 20,3 Prozent. Auch bestehen deutliche Unterschiede in der Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern: Während im Jahr 2019 etwa 75 Prozent der Männer erwerbstätig waren, lag die Quote bei den Frauen lediglich bei rund 50 Prozent. Die Beschäftigten verteilten sich überwiegend auf drei Wirtschaftssektoren, wobei 63 Prozent im Dienstleistungssektor tätig waren, 20 Prozent in der Industrie und 17 Prozent in der Agrarwirtschaft. Der Arbeitsmarkt zeichnet sich zudem dadurch aus, dass Arbeitskräfte mit geringer Qualifikation vergleichsweise leicht verfügbar sind, während spezialisierte Fachkräfte seltener zu finden sind. Der durchschnittliche Bruttolohn lag laut Schätzungen zuletzt bei etwa 485 Euro pro Monat (2020). Für formelle Beschäftigungsverhältnisse existiert eine landesweite Mindestlohnregelung, die sich auf monatlich rund 270 Euro beläuft; im Jahr 2019 lag der gesetzliche Mindestlohn bei etwa 236 US-Dollar. Die Lohnstruktur weist zudem regionale Unterschiede auf: In Bogotá werden die höchsten Gehälter gezahlt, während das Gehaltsniveau in Städten wie Medellín, Cali und Barran quilla laut einer Personalvermittlungsagentur etwa 70 bis 80 Prozent des Niveaus der Hauptstadt erreicht.

(Arbeits-)Migration

Kolumbien ist historisch durch mehrere bedeutende Wellen von Bevölkerungsmobilität und Abwanderung ins Ausland geprägt. In den 1960er-Jahren wanderten viele Menschen in die USA aus, in den 1980er-Jahren lag der Fokus auf Venezuela und in den 1990er- Jahren auf Spanien. Die Migration zeichnet sich dabei durch ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau der Migrantinnen und Migranten aus. Häufig verfügen sie über gute Englischkenntnisse, zudem ist der Anteil von Frauen unter den Auswandernden erhöht und es besteht ein signifikanter Anteil von Personen aus der Mittel- und Oberschicht. Die Rekrutierung kolumbianischer Staatsangehöriger durch Vermittlungsagenturen unterliegt keiner einheitlichen gesetzlichen Regulierung, wobei der staatliche Arbeitsvermittlungsdienst (Servicio Público de Empleo) Rahmenvorgaben für eine Regulierung der Agenturen festlegt. Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die wirtschaftliche Rolle von Rücküberweisungen: Die von im Ausland lebenden Kolumbianerinnen und Kolumbianern gesendeten Geldtransfers stellen eine wichtige Einkommensquelle dar und beliefen sich im Jahr 2019 auf rund 7 Milliarden US-Dollar.
Stand: 02.09.2026