Bildung

Schulische Bildung

Das kolumbianische Bildungssystem bildet die Grundlage für die spätere berufliche und akademische Qualifizierung von Fachkräften. Für Unternehmen kann ein grundlegendes Verständnis der Bildungsstruktur hilfreich sein, um Bildungsabschlüsse besser einordnen und Qualifikationswege nachvollziehen zu können. Das Schulsystem umfasst eine zehn jährige Schulpflicht, verschiedene Bildungswege im Sekundarbereich sowie Möglichkeiten der beruflichen Qualifizierung. Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick über die wichtigsten schulischen Abschlüsse und deren Stellung innerhalb des kolumbianischen Bildungssystems.

Grundstruktur des Bildungssystems

• Schulpflicht: 10 Jahre, beginnend mit dem letzten Vorschuljahr.
• Allgemeine Grundbildung: 9 Jahre, unterteilt in – Educación Básica Primaria– Educación Básica Secundaria
• Abschluss der Pflichtschulbildung: Bachillerato Básico, Voraussetzung für den Sekundarbereich

Sekundarbereich (schulisch)

• Zwei mögliche zweijährige Wege: – Educación Académica (wissenschaftlich, künstlerisch, geisteswissenschaftlich) und Educación Técnica (Produktion oder Dienstleistungen)
• Abschluss: Bachiller en ...
• Spezialfall: Primarschullehrerausbildung an Escuelas Normales Superiores – Dauer: 2 Jahre– Abschluss: Normalista Superior • Berufsausbildung im Rahmen der ETDH– Möglichkeit einer Ausbildung nach der Grundbildung– Teil der beruflichen Aus- und Weiterbildung („Educación para el Trabajo y el Desarrollo Humano“)
• Einordnung des Bildungssystems– Gilt als non-formale Bildung– Keine direkte Zuordnung zur Sekundarschul- oder Hochschulbildung
• Staatliche Regulierung – Bildungsanbieter müssen bei der Secretaría de Educación Certificada registriert sein – Bildungsgänge sind staatlich geregelt • Abschluss – Berufsbefähigungszertifikat („Certificado de Aptitud Ocupacional“) – Titel: „Técnico Laboral por Competencias“
• Rahmenbedingungen der Ausbildung – Dauer: ca. 6 Monate bis 2 Jahre – Umfang: 600 bis 1.800 Stunden – Mindestens 50 % Praxisanteil

Berufliche Bildung in Kolumbien

Neben den schulischen Bildungswegen verfügt Kolumbien über verschiedene Formen der beruflichen Qualifizierung. Diese reichen von praxisorientierten Ausbildungen außer halb des formalen Bildungssystems bis hin zu postsekundären und hochschulischen Berufsabschlüssen. Eine besondere Rolle nimmt dabei der staatliche Ausbildungsanbieter SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje) ein, der für viele Kolumbianerinnen und Kolumbianer eine zentrale Anlaufstelle für berufliche Aus- und Weiterbildung darstellt. Für deutsche Unternehmen ist es hilfreich, die wichtigsten Qualifizierungswege und Abschlussarten zu kennen, um die Kompetenzen kolumbianischer Fachkräfte besser einordnen zu können.

Berufsausbildung außerhalb des formalen Bildungssystems (ETDH)

Die „Educación para el Trabajo y el Desarrollo Humano“ (ETDH) bildet einen wichtigen Bereich der beruflichen Qualifizierung in Kolumbien. Sie gehört nicht zum formalen Schul- oder Hochschulsystem und wird daher als non-formale Bildung eingeordnet. Die Bildungsangebote werden von staatlich registrierten Bildungseinrichtungen durch geführt und sind staatlich reguliert. Die Ausbildung dauert in der Regel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, umfasst etwa 600 bis 1.800 Unterrichtsstunden und enthält mindestens 50 Prozent Praxisanteil. Absolventinnen und Absolventen erhalten ein Berufsbefähigungszertifikat („Certificado de Aptitud Ocupacional“) und führen den Titel „Técnico Laboral por Competencias“.

Die Rolle des SENA

Eine Besonderheit des kolumbianischen Bildungssystems ist der „Servicio Nacional de Aprendizaje“ (SENA). Als zentrale öffentliche Berufsbildungseinrichtung bietet der SENA sowohl Ausbildungen im Rahmen der ETDH als auch weiterführende Qualifikationen zum Técnico Profesional und Tecnólogo an. Der SENA genießt in Kolumbien eine hohe Bekanntheit und spielt eine zentrale Rolle bei der Qualifizierung von Fachkräften in technischen, gewerblichen und dienstleistungsbezogenen Berufen. Für deutsche Unternehmen ist der SENA daher häufig eine wichtige Referenz bei der Einordnung beruflicher Qualifikationen kolumbianischer Bewerberinnen und Bewerber

Postsekundäre und hochschulische Berufsbildung

Nach dem Erwerb des Bachiller-Abschlusses und einer bestandenen staatlichen Abschlussprüfung können Absolventinnen und Absolventen verschiedene berufsorientierte Bildungsgänge an Einrichtungen der Hochschulbildung absolvieren. Diese reichen von praxisorientierten postsekundären Abschlüssen bis hin zu universitären Qualifikationen und darauf aufbauenden Spezialisierungen.
Die Ausbildungsdauer liegt je nach Bildungsweg in der Regel zwischen zwei und drei Jahren. Aufbauend auf diesen Abschlüssen können weitere Spezialisierungen absolviert werden.
Wichtiger Hinweis für Unternehmen: Anders als in Deutschland existiert in Kolumbien kein flächendeckendes duales Berufsausbildungssystem mit einer systematischen Verzahnung von Betrieb und Berufsschule. Berufliche Kompetenzen werden stattdessen über verschie dene schulische, postsekundäre und praxisorientierte Bildungswege vermittelt.
Dieser Unter schied sollte bei der Einordnung kolumbianischer Berufsabschlüsse berücksichtigt werden. Bildungsabschlüsse in Kolumbien Die folgenden Angaben geben einen Überblick über die Bildungsabschlüsse der kolumbianischen Bevölkerung und ermöglichen eine Einordnung des allgemeinen Qualifikationsniveaus im Land. Die Daten beziehen sich auf die Jahre 2018 bis 2025 und berücksichtigen überwiegend die Bevölkerung im Alter von über 25 Jahren.

Bildungsniveau der Bevölkerung

Von den über 25-Jährigen haben 83,1 % mindestens die Primarstufe (Grundschule) abgeschlossen. Für die Sekundarstufe I liegt die Abschlussquote bei 62,7 %, während 58,8 % die Sekundarstufe II erfolgreich beendet haben. Im Bereich der postsekundären und praxisorientierten Bildung verfügen jeweils 27,2 % der Bevölkerung über einen Abschluss auf ISCED-Level 4 beziehungsweise ISCED-Level 5.

Akademische Abschlüsse

Im internationalen Vergleich liegt der Anteil der Personen mit einem Bachelorabschluss in Kolumbien mit 17,7 % nahezu auf dem weltweiten Durchschnitt von 17,4 %. Der Anteil der Bevölkerung mit einem Masterabschluss beträgt 4,6 % und liegt damit unter dem weltweiten Durchschnitt von 6,5 %. Promotionen sind vergleichsweise selten: Lediglich 0,2 % der Bevölkerung verfügen über einen Doktortitel (Ph.D.), während der weltweite Durchschnitt bei 1,2 % liegt.

Beschäftigung nach Bildungsabschluss

Ein höherer Bildungsabschluss geht in der Regel mit besseren Beschäftigungschancen einher. Während die Beschäftigungsquote von Personen mit Abschluss der Sekundarstufe I bei 61,4 % liegt, steigt sie bei Absolventinnen und Absolventen der Sekundarstufe II auf 67,4 %. Personen mit einer beruflichen Ausbildung oder einer kurzen Weiterbildung erreichen eine Beschäftigungsquote von 72,2 %. Bei Personen mit Bachelorabschluss liegt sie bei 77,6 %, bei Personen mit Masterabschluss sogar bei 87,6 %. Die durchschnittliche Beschäftigungsquote aller 25- bis 64-Jährigen beträgt 68,2 %.

Bildungsinvestitionen

Im Jahr 2021 beliefen sich die staatlichen Ausgaben für Bildung in Kolumbien auf rund 11 Milliarden Euro. Dies entspricht 3,9 % des Bruttoinlandsprodukts und liegt damit leicht unter dem weltweiten Durchschnitt von 4,3 %.
Stand: 02.09.2026