15.07.2022

Die Wirtschaftslage, Neues zu Rechenzentren und eine Vizepräsidentin

Karl-Friedrich Rudolf legte nach 16 Jahren sein Ehrenamt als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern nieder, um Platz für Jüngere zu schaf­fen. Dem in und um Schlüchtern herum bestens vernetzten Geschäftsführer der Möbel­fabrik Fr. Rudolf & Sohn GmbH + Co.KG folgt Franziska Lösel aus Bad Soden-Salmüster nach. Das beschloss die IHK-Versammlung auf ihrer Sitzung am 12. Juli.
„Franziska Lösel verkörpert die junge Wirtschaft, sie ist seit längerem Geschäftsführerin der Kin­zigtal-Maklergesell­schaft mbH, und sie ist in ihrer Region bestens bekannt. Sie wird die Gesamtwirtschaft im Osten des Landkreises sehr überzeugend vertreten“, lobte IHK-Präsident Oliver Naumann die langjährige Wirtschaftsjuniorin.
Als Dank für seine herausragende ehrenamtliche Arbeit erhielt Karl-Friedrich Rudolf die Eh­ren­plakette der IHK. Es ist die höchste Auszeichnung, welche die IHK zu vergeben hat. In den vergangenen 28 Jahren hatte Rudolf als Mitglied der Vollversammlung wichtige Weichenstel­lun­gen für die heimische Wirtschaft mit entwickelt und getragen. Als alternierender Vorsitzen­der des IHK-Berufsbildungsaus­schusses leitete er diesen souverän, freundlich und klar in der Sache. Der Aus­schuss wird abwechselnd von der IHK und vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) geleitet und stellt wichtige Weichen rund um die Aus- und Weiterbildung in der Region.
Die Krise wird noch andauern
Die Aussprache zur wirtschaftlichen Lage zeigte schmerzlich auf, wie abhängig die ein­heimi­sche Wirtschaft von Zulieferungen aus aller Welt ist. Viele Folgen der Pande­mie, des Krieges in der Ukraine, der Energiekrise und der Inflation sind noch nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Fest steht nur, dass es in vielen Branchen sehr schwierig wird. Denn die private Nachfrage wird massiv beein­träch­tigt und den Unternehmen fehlt die Kalkulationsgrundlage. „Die Party ist vorbei“, kommentierte ein
Mitglied der Vollversammlung unter Zustimmung das Geschehen. Nur sehr wenige Bran­chen sehen sich derzeit im Aufwind: Immerhin wird über deutlich steigende Nachfrage zu Automa­ti­sierung und interner Logistik berichtet.
Erneut diskutiert wurde, wie die IHK zwischen Kommunen, ihren alteingesessenen Unternehmen und ansiedlungswilligen Rechenzentren vermitteln kann. Viele Re­chenzentren-Betreiber suchen nach neuen Standorten im weiteren Umkreis von Frankfurt. Sie sind sehr potente Flächenkäufer mit hohem Strombedarf. Das kann zu einem Verdrängungswettbewerb mit ortsansässigen Unternehmen führen – auch in der Energieversorgung. Für bereits ansässige Unternehmen mit Erweiterungsabsicht empfiehlt es sich, sich sehr frühzeitig an ihren Strom­versorger zu wenden.
Die Diskussion im „Parlament der Wirtschaft“ zeigte dann aber auch, dass schon heute die stabile Energieversorgung eine Herausforderung darstellt. Die Beseitigung von Missständen kann aktuell Jahre in An­spruch nehmen. Präsident Naumann bat die Unternehmen um „möglichst präzise Hin­weise an die IHK, ob es Stromaus­fälle ge­ge­ben hat, ob Notstromag­gregate ange­sprungen sind und ob die betrieb­lichen Abläufe gestört wurden. Sollten das keine Einzelfälle sein, wird sich die IHK für Verbesserungen einsetzen.“
Neben diversen Formalia behandelte die IHK die Zwischenergebnisse ihrer Arbeitsgruppe Klima­wan­del. Zum Jahreswechsel will die IHK einen Handlungsleitfaden für kleine und mittlere Unter­nehmen vorlegen.