Enttäuschte Hoffnung, zurück auf Null

Das IHK-Geschäftsklima sinkt auf die Nulllinie – ein klares Zeichen, dass sich die erhoffte Trendwende nicht eingestellt hat. Damit setzt sich die seit über zwei Jahren anhaltende Seitwärtsbewegung fort, in der Aufschwungimpulse – sofern überhaupt vorhanden – verpuffen.
Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verschlechtert sich spürbar, und auch die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben gedrückt. Die Unternehmen berichten von einer weiterhin schwachen Nachfrage, steigenden Kosten und zunehmender Unsicherheit. Schon seit 2019 überwiegen in den IHK-Befragungen die negativen Einschätzungen. Damals markierte ein regulärer Abschwung den Beginn einer Entwicklung, die sich über mehrere Krisen hinweg verfestigt hat. Heute prägen strukturelle Probleme die Stimmung.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, welche Faktoren die Wirtschaft bremsen: Fast zwei Drittel der Betriebe nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen – insbesondere Bürokratie, Regulierungs-dichte und mangelnde Planungssicherheit – als größtes Risiko für ihre Entwicklung. Dahinter erst folgen die Kostenbelastungen durch Energie- und Rohstoffpreise (59%) sowie steigende Arbeitskosten (58%). Klassische konjunkturelle Risiken wie etwa die Sorge vor einer womöglich schwächelnden Nachfrage aus dem In- oder Ausland spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.
Das Risiko steigender Arbeitskosten erreicht gleichwohl einen historischen Höchststand. Ausschlaggebend ist vor allem die beschlossene Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns. Viele Betriebe müssen nicht nur die niedrigsten Löhne anheben, sondern selbstverständlich auch die höheren Lohngruppen anpassen, um interne Lohnabstände zu wahren. Damit verstärken sich die Kostensteigerungen, die bereits jetzt an der Wettbewerbsfähigkeit zehren.
Insbesondere international tätige Unternehmen geraten dadurch zunehmend unter Druck. Sie verlieren preisliche Konkurrenzfähigkeit und können von Aufschwüngen im Welthandel kaum profitieren. Auch die binnenwirtschaftlichen Stützungsmaßnahmen – durch Schulden finanziert – haben bislang keine nachhaltige Verbesserung der Stimmung bewirkt. Statt kurzfristiger Konjunkturimpulse benötigen die Unternehmen grundlegende Strukturreformen, um die Standortbedingungen zu verbessern und Investitionen wieder zu erleichtern.