SIHK-Pressemeldung

Brexit bereitet weiter Bauchschmerzen

„Seit dem 1. Januar sind viele einseitige Übergangsregeln für Wareneinfuhren aus der EU, die die Brexit-Folgen abmildern sollten, ausgelaufen. Vereinfachte Zollverfahren enden im neuen Jahr oder gelten nur mit einer besonderen Bewilligung. Unternehmen müssen nun mit verstärkten Zollkontrollen auf britischer Seite rechnen und das, obwohl viele Inlandszollstellen auf der Insel noch nicht an das elektronische Versandverfahren der EU angeschlossen sind“, sagt Frank Herrmann, Außenhandelsexperte der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) und erklärt: „Für südwestfälische Unternehmen ist Großbritannien auch knapp ein Jahr nach dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt immer noch der siebtwichtigste ausländische Markt. Das liegt vor allem an der Zulieferung von Autoteilen. Diese Position könnte sich allerdings ab 2022 weiter nach hinten verschieben.“
Sonderregelungen für Nordirland bleiben aber vorerst bestehen, da es vertraglich weiterhin zum Binnenmarkt und zum EU-Zollgebiet gehört. „Wir empfehlen Unternehmen, mit ihren britischen Kunden abzuklären, ob diese sich auf die neuen Formalitäten vorbereitet haben. Britische Umfragen haben gezeigt, dass das oft nicht der Fall ist. Gerade im Logistikbereich kann es deshalb gerade zu Beginn des neuen Jahres zu weiteren Problemen kommen, was die Lieferketten südwestfälischer Unternehmen zusätzlich belasten kann“, so Herrmann weiter.
Auch bei der Entsendung von Mitarbeitern und der Erbringung von Dienstleistun-gen im Vereinigten Königreich wird es weitere Verschärfungen geben. „Unter diesen erschwerten Rahmenbedingungen erwarten wir einen weiteren Rückgang des bilateralen Handels. Was agile Handelspolitik angeht, kann sich die EU allerdings einiges von Großbritannien abschauen, wenn man sieht, wie schnell die Regierung Boris Johnson neue Freihandelsabkommen abschließt“, so Frank Herrmann.
Etwa 450 Unternehmen aus dem SIHK-Bezirk Hagen exportieren nach Großbritannien, 150 importieren aus dem Vereinigten Königreich, ca. 200 Unternehmen haben eine Vertretung und 50 eine Niederlassung dort. Fünf Unternehmen haben eine Produktionsstätte auf der britischen Insel, zwei in Irland.
Weitere Informationen unter www.sihk.de/brexit
4. Januar 2022