Südwestfälische Wirtschaft
Nr. 7109232
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Pilotprojekt

Energieeffizienz durch Digitalisierung

Steigende Energiekosten, strengere Klimaschutzvorgaben und der zunehmende Wettbewerbsdruck machen Energieeffizienz zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen. Wie Unternehmen vom Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) der dena profitieren.
Für Marc Escher, Projektmanager der Härtetechnik Hagen GmbH, war der Kontakt zum von der dena – Deutsche Energie-Agentur ins Leben gerufene und vom ‚Future Energy Lab‘ betreuten Pilotprojekt ‚klimakommune.digital’ wie ein „Sechser im Lotto“. Ziel dieses Projekts ist es, digitale Technologien für Klimaschutz und kommunale Energiewende nutzbar zu machen und daraus übertragbare Lösungen für andere Städte und Regionen zu entwickeln. Seit 2025 wird die Zusammenarbeit mit der dena von ihrem Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) unterstützt.
„Die Stadt war auf der Suche nach energieintensiven Unternehmen und hat uns gezielt angesprochen. Uns war schon immer klar, dass wir noch unentdeckte Potenziale haben, die es zu entdecken und zu heben gilt, aber im normalen Tagesgeschäft hat das eben nicht Priorität eins“, so Marc Escher, der zugleich betont: „Das systematische erfassen von Daten und die Digitalisierung bietet uns neue Möglichkeiten, Energieverbräuche transparent zu machen, Prozesse zu optimieren und Ressourcen gezielter einzusetzen.“ Und genau hier setzen die dena und das KEDi an.
Die dena versteht sich als „Agentur für angewandte Energiewende“ und unterstützt die Wirtschaft bei der Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung. Als öffentliches Unternehmen entwickelt sie praxisnahe Lösungen, vernetzt Akteure und begleitet Transformationsprozesse hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft. „Mit Hilfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom KEDi sowie unserem lokalen Energieversorger der ENERVIE Gruppe haben wir zahlreiche Sensoren zur Energiedatenermittlung verbaut und diese dann im Nachgang mit weiteren Parametern versehen, sodass wir nun datengestützt unsere Prozesse viel besser betrachten, auswerten und steuern können“, so Escher. Julian Folgner, Teamleiter IoT- und Datenmanagement bei ENERVIE Service, ergänzt: „Wir haben über 30 Datensensoren in Schaltschränken und Anlagen verbaut und können ganz gezielt den Strom- und Gasverbrauch digital übermitteln. Mittels der weiteren Parameter wie Material des Werkstücks, Temperatur, etc. ist nun eben eine viel genauere Analyse und Steuerung der Prozesse möglich.“

Quick-Wins im Rahmen des Projektes

Durch den umfassenden Einsatz von Sensorik und durch die Nutzung verschiedener Darstellungsformen zur Auswertung der gesammelten Daten, lassen sich Energieflüsse im Unternehmen optimal visualisieren. Neben wesentlichen Verbrauchern können hierdurch auch versteckte Stromfresser aufgespürt werden, die sonst unentdeckt geblieben wären.
„Wir konnten beispielsweise eine Anlage identifizieren, welche durch einen Defekt in der Anlagensteuerung einen extrem hohen Stromverbrauch aufwies. Da es sich bei dieser Anlage um eine periphere Einheit handelt, hätten wir eine energetische Betrachtung hier normalerweise vernachlässigt. Durch das Beheben des Defektes ergibt sich für uns eine Einsparung von ca. 60 MWh pro Jahr“, erzählt Marc Escher und führt zudem aus: „Durch den Vergleich und die energetische Betrachtung eines bestimmten Verfahrens auf zwei unterschiedlichen Anlagentypen, konnten wir feststellen, dass der für den Prozess benötigte Energieeinsatz bei einer der Anlagen signifikant geringer ist. Dies kann zukünftig bei der Produktionsplanung berücksichtigt werden. Bei ca. 300 Prozessen dieser Art, liegt die mögliche Gesamteinsparung hier bei bis zu 35 MWh pro Jahr.“
Mit Hilfe verschiedener Visualisierungen der zeitlich auftretenden Energiebedarfe konnte unter anderem der Betriebsdruck des Kompressors in bestimmten Zeiträumen reduziert werden. Allein die Reduktion von 7,2 auf 6,5 bar ermöglicht eine monatliche Einsparung in Höhe von 3,24 MWh.
Ein wichtiger Baustein im Gesamtprojekt ist das KEDi. 2023 wurde das Kompetenzzentrum mit Sitz in Halle (Saale) gegründet. Es unterstützt den Gebäudesektor insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Industrie dabei, Energieeffizienzpotenziale durch Digitalisierung zu erschließen. Hintergrund: Industrie und Gebäude verursachen rund zwei Drittel des deutschen Gesamtenergieverbrauchs. Mit dem Einsatz digitaler Lösungen – beispielsweise Sensorik (Datenerhebung), Energiemanagementsystem (Datenauswertung- und Analyse) bis KI-gestützte vorbeugende Wartung oder Lastspitzenverschiebung – lassen sich Energieflüsse sichtbar machen und Einsparpotenziale systematisch identifizieren. „Unsere Arbeit im KEDi bestand im Wesentlichen daraus, die bei der Härtetechnik bereits gesammelten Daten sinnvoll miteinander zu verknüpfen und nach detaillierten Analysen zu visualisieren“, führt Dr. Konrad Gillmeister, einer der beiden Teamleiter Industrie, aus und ergänzt: „So erschloss sich für die Härtetechnik ein klarer, datenbasierter Weg zur Steigerung ihrer Energieeffizienz. Durch diese Datengrundlage lassen sich in Zukunft notwendige Innovationen anhand ihrer Einsparpotenziale sehr gut abschätzen. Wir freuen uns , die Härtetechnik auf ihrem grundlegenden Weg dabei, weiter unterstützen zu dürfen.“
Marc Escher und Julian Folgner (v. l.).
Marc Escher und Julian Folgner (v. l.). © SIHK zu Hagen
Nach Angaben der dena sind bundesweit Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich. Das KEDi fungiert als nationale Anlaufstelle für Industrieunternehmen, die ihre Energieeffizienz steigern möchten. Es macht digitale Lösungen sichtbar, bietet Informations- und Weiterbildungsangebote, fördert den Erfahrungsaustausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und erläutert aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen verständlich und praxisnah. Darüber hinaus unterstützt das Kompetenzzentrum Unternehmen dabei, digitale Lösungen gezielt einzusetzen und vorhandene Fördermöglichkeiten besser zu nutzen.
Für Unternehmen bedeutet dies: Wer Digitalisierung und Energieeffizienz zusammendenkt, kann nicht nur Kosten senken, sondern auch seine Wettbewerbsfähigkeit stärken und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit der dena und dem KEDi stehen dafür kompetente Partner zur Verfügung, die Orientierung bieten, Wissen vermitteln und den Weg zu einer effizienteren und klimafreundlicheren Wirtschaft aktiv begleiten.
Vorteile im Überblick:
  • Transparenz der wesentlichen und versteckten Verbraucher
  • Aufdecken ungenutzter Einsparpotentiale
  • Bewertung von Energieeffizienzmaßnahmen
  • Dauerhafte und systematische Senkung der Energiekosten
  • Datenbasierte Kalkulationsgrundlagen
  • Reduktion von Emissionen (CO2)
  • wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Info: Die Härtetechnik Hagen GmbH ist eine mittelständische Lohnhärterei mit Sitz in Hagen, die sich auf die Wärmebehandlung und Oberflächenveredelung von Stahl- und Metallbauteilen spezialisiert hat. Das Unternehmen kombiniert klassische Härteverfahren mit modernen Diffusions- und Spezialverfahren wie Nitrieren, Nitrocarburieren und dem hauseigenen FER-N-OX-Prozess. Die Härtetechnik Hagen GmbH wurde 1968 gegründet und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und Durchführung industrieller Wärmebehandlungsverfahren. Zu den Kunden zählen insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Automobilzulieferindustrie und Metallverarbeitung.