Südwestfälische Wirtschaft
Nr. 7108846
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Planung

Für eine Transformation der Netze müssen Energiebedarfe frühzeitig ermittelt werden

Produktionsausbau, Ladeinfrastruktur oder Wasserstoffnutzung beeinflussen die Netzentwicklung. Unternehmen sollten ihre Planungen frühzeitig teilen. Für den Ausbau von Strom- und Gasnetzen sind verlässliche Informationen aus Industrie und Gewerbe entscheidend. Nur so lassen sich Kapazitäten rechtzeitig schaffen.
Die Energiewende und das Ziel der Klimaneutralität stellen die Energieversorgung in Deutschland vor eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. Unternehmen, Energieversorger und Netzbetreiber arbeiten bereits seit geraumer Zeit daran, ihre Prozesse und Infrastrukturen auf eine klimaneutrale Zukunft auszurichten. Dabei spielen sowohl Strom als auch gasförmige Energieträger wie Biomethan und Wasserstoff eine entscheidende Rolle.
Ein Blick auf die Energieerzeugung zeigt, wie dynamisch sich die Rahmenbedingungen verändern. Der Ausbau erneuerbarer Energien wurde in den vergangenen Jahren deutlich vorangetrieben und wird sich auch künftig fortsetzen. Die daraus resultierenden Veränderungen bei Einspeisung und Verbrauch müssen kontinuierlich in die Netzentwicklungsplanung einfließen. Dies betrifft sämtliche Spannungsebenen im Stromnetz ebenso wie die verschiedenen Druckstufen der heutigen Erdgasinfrastruktur, die schrittweise für Biomethan und Wasserstoff weiterentwickelt werden soll.
Während für die Transformation der Erdgasverteilnetze auf politischer Ebene noch an den notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen gearbeitet wird, erfolgt im Strombereich bereits heute ein kontinuierlicher Abgleich der tatsächlichen Entwicklungen mit den Anforderungen an die Netze.
Entscheidend für den Erfolg der Transformation sind jedoch nicht allein politische Vorgaben oder technische Entwicklungen. Von großer Bedeutung ist vielmehr die Frage, wie sich die Energiebedarfe der Industrie- und Gewerbebetriebe künftig entwickeln werden.
„Ganz entscheidend für eine Transformation der Netze ist aber auch, wie sich die zukünftigen Bedarfe der Industrie- und Gewerbebetriebe entwickeln“, sagt Volker Neumann, Vorstandsmitglied der ENERVIE Gruppe und Vorstand Netze, Personal und kommunales Netzwerkmanagement. Er betont: „Je früher sich die Unternehmen mit diesem Thema auseinandersetzen, je früher ist ein Weg bekannt, wohin er führen wird, und je früher können wir als Netzbetreiber die Netzentwicklungsplanung zielgerichtet konkretisieren. Wenn wir wissen, ob beispielsweise eine weitere Elektrifizierung das Ziel ist, so können wir im gemeinsamen Dialog die Ausbauplanung vorantreiben. Wenn Bedarf und Bedarfszeitpunkt bekannt sind, hilft dies auch gemeinsam zu planen und umzusetzen.“

Kompetente Beratungsangebote

Für die Netzbetreiber sind diese Informationen von zentraler Bedeutung. Investitionen in Strom- und Gasnetze benötigen lange Vorlaufzeiten. Transformatoren, Leitungen, Umspannwerke oder Wasserstoffinfrastrukturen können nicht kurzfristig bereitgestellt werden. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu wissen, welche Kapazitäten künftig benötigt werden und wann diese zur Verfügung stehen müssen.
Dies gilt gleichermaßen für die Transformation des Gasnetzes. Viele Unternehmen prüfen derzeit, ob ihre heutigen Erdgasanwendungen künftig mit Wasserstoff betrieben werden können oder ob eine Elektrifizierung wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist. „Ebenso sieht es auch bei der Transformation vom Erdgas hin zu einem grünen Gas, wie Biomethan oder Wasserstoff, aus. Je früher der Bedarf bekannt ist, desto eher ist eine Transformationsplanung erstellbar“, erklärt Neumann. Bei Fragen wie „Ist meine heutige Erdgasanwendung zum Wasserstoff transformierbar?“ oder „Ist die heutige Anwendung elektrifizierbar?“ könne ENERVIE Unternehmen unterstützen und entsprechende Fachkontakte vermitteln. „Die Branche verfügt über gastechnische Institute, die hier schnell und einfach beraten können, notwendige Kontakte können wir hier vermitteln“, so Neumann.
Für Unternehmen bedeutet dies, sich möglichst frühzeitig mit ihren zukünftigen Energiebedarfen auseinanderzusetzen. Geplante Produktionsausweitungen, neue elektrische Anlagen, Ladeinfrastruktur für Fahrzeuge, Prozessumstellungen oder der mögliche Einsatz von Wasserstoff sollten frühzeitig analysiert und mit den zuständigen Netzbetreibern besprochen werden.

Frühzeitiger Austausch gewünscht

Volker Neumann appelliert deshalb an die Unternehmen der Region: „Um unsere Netze vorausschauend und sicher weiterzuentwickeln, bitten wir alle Industrie- und Gewerbeunternehmen, ihre zukünftigen Leistungsbedarfe im Bereich Elektrifizierung und Wasserstoff zu ermitteln und mit den Netzbetreibern in den Dialog zu gehen. Nur wenn wir gemeinsam an dieser Stelle die Zukunft gestalten, können wir schnell und sicher eine klimaneutrale zukünftige Versorgung aufbauen. Nur wenn wir Ihre geplanten Entwicklungen kennen – etwa neue elektrische Anlagen, Ladeinfrastruktur, Prozessumstellungen oder den Einsatz von Wasserstoff – können wir als Netzbetreiber die notwendigen Kapazitäten rechtzeitig bereitstellen und Versorgungsengpässe vermeiden.“
Die Transformation der Energieinfrastruktur ist damit weit mehr als ein technisches Großprojekt. Sie lebt vom frühzeitigen Austausch zwischen Wirtschaft und Netzbetreibern. Je besser die zukünftigen Bedarfe bekannt sind, desto zielgerichteter können die notwendigen Netze geplant, ausgebaut und auf die Anforderungen einer klimaneutralen Wirtschaft ausgerichtet werden.