Südwestfälische Wirtschaft
Nr. 7045722
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SIHK-Ausbilderdialog 2026

Zwischen KI und Beziehungsarbeit

Rund 140 Unternehmensvertreter aus der Region sind am 21. April in Hagen zum SIHK-Ausbilderdialog 2026 zusammengekommen, um über die Zukunft der beruflichen Bildung zu diskutieren.
Unter dem Titel „Ausbildung 2030: Zukunftsberufe, KI und die neuen Anforderungen an Ausbildung“ stand vor allem eine Frage im Fokus: Wie lassen sich technologische Entwicklungen und pädagogische Anforderungen sinnvoll in der Ausbildung verzahnen?

Stimmen aus der Praxis

Den Auftakt bildete ein Impuls-Café, in dem die erfahrenen Ausbilderinnen Sabrina Klöckner (Enervie Gruppe), Susanne Schmidt (BARMER) und Sarah Rudzki-Roden (Schlüter Systems KG) Einblicke in ihren Ausbildungsalltag gaben. Schnell wurde deutlich: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Ausbildung spürbar – über ihre Qualität entscheiden sie jedoch nicht allein.
Der zentrale Lernort bleibt der Betrieb – geprägt von verlässlicher Begleitung, klarer Kommunikation und einer konsequenten Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz. Als entscheidende Grundlagen nannten die Gesprächspartnerinnen Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Gleichzeitig wurde betont, dass Ausbildung heute mehr individuelle Orientierung und persönliche Begleitung erfordert.

Fachliche Impulse

Vertieft wurden diese Eindrücke durch Impulse aus Wissenschaft und Praxis. Dr. Lutz Goertz (mmb Institut) zeigte, wie KI Lernprozesse strukturieren und individualisieren kann, zugleich aber neue Kompetenzen erfordert. „Der Faktor Mensch bleibt auch beim Einsatz von KI zentral“, betonte er und verwies auf die notwendige Verbindung von technologischen Möglichkeiten und pädagogischer Begleitung. Gleichzeitig machte er auf Herausforderungen wie mögliche Kompetenzverluste aufmerksam und unterstrich die Bedeutung von KI-Kompetenz auf Seiten der Ausbildenden und Auszubildenden.
Einen ergänzenden Blick auf die zwischenmenschliche Dimension warfen Laura Steinkopf und Laura Paul (GROW TOGETHER). Sie zeigten, wie sich die Erwartungen junger Generationen verändert haben und welche Rolle ein neues Führungsverständnis spielt. „Führung bedeutet heute, Beziehung bewusst zu gestalten“, machten sie deutlich – insbesondere vor dem Hintergrund eines wachsenden Bedürfnisses nach Orientierung und Sicherheit.

Lernen aus der Praxis für die Praxis

Ergänzt wurden diese Perspektiven durch praxisnahe Werkstätten: So wurde unter anderem mit „ThinkUp“ (HAIT GmbH) eine Plattform vorgestellt, die individuelle Lernpfade mit Gamification und digitale Ausbildungsnachweise ermöglicht. Weitere Beispiele reichten von KI-gestützten Systemen zur Unterstützung bei Prüfungen über unternehmensspezifische GPT-Anwendungen bis hin zu digitalen Zwillingen und konkreten Einsatzszenarien im Ausbildungsalltag. Der Workshop „Generationen verbinden in der Ausbildung“ machte deutlich: Vertrauensvolle Beziehungen sind ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Ausbildungsarbeit.

Beziehungsarbeit bleibt der Schlüssel

Neben aller Technologie blieb eine zentrale Erkenntnis des Ausbilderdialogs bestehen: Gute Ausbildung ist und bleibt Beziehungsarbeit. Gerade im Umgang mit einer neuen Generation von Auszubildenden kommt es darauf an, Orientierung zu geben, Vertrauen aufzubauen und individuelle Entwicklung zu begleiten. Unternehmen, die technologische Möglichkeiten mit einer starken pädagogischen Praxis verbinden, sichern nicht nur die Qualität ihrer Ausbildung, sondern stärken auch langfristig ihre Fachkräftebasis.(He)