Russland-Krise als Schreckensszenario für Unternehmen

Obwohl schon vor der aktuellen Russland-Krise die wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland im Rückwärtsgang waren, sind die geopolitischen Auswirkungen für Unternehmen in Hessen gravierend. Auch im IHK-Bezirk exportieren Firmen nach Russland.
„Mit der aktuellen Entwicklung in Russland und der Ukraine wird es auch für etliche heimische Unternehmen zu Einschränkungen im Waren- und Dienstleistungsverkehr kommen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. Geschäftsbeziehungen zu russischen Unternehmen unterhalten rund 20 heimische Unternehmen. Vertreten sind darunter Maschinenbau, Kunststoff- und Metallverarbeitung sowie Holzbearbeitung. „Zudem sehen wir, dass die Unsicherheit, die sich ausbreitet, die Unternehmen deutlich ausbremst. Vertrauen auf die geltende Weltordnung ist zerstört worden“, erklärt IHK-Präsident Rainer Schwarz. Ebenso ruiniert seien die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland durch den menschenrechtsverachtenden und durch nichts zu rechtfertigenden Angriffskrieg des russischen Aggressors Wladimir Putin. Dieses Vertrauen zurückzugewinnen werde eine der schwierigsten Herausforderungen über Jahre hinweg sein.
Ein Effekt zeichnet sich bereits ab. Die hohe Abhängigkeit von russischen Importen bei fossilen Energieträgern wird die Preise für Öl, Gas und Strom weiter nach oben treiben. Rund 55 Prozent des Gasbedarfs, 35 Prozent der Ölversorgung und 50 Prozent der Kohle bezieht Deutschland aus russischen Quellen. „In Deutschland haben die Bundesregierungen vorschnell zu sehr auf noch nicht grundlastfähige, erneuerbare Energien gesetzt. Bei grundlastfähiger Energie wie Öl und Erdgas ist Deutschland in einem viel zu hohen Maße von Russland abhängig. Dafür zahlen die Unternehmen und die Konsumenten jetzt einen hohen Preis“, kritisiert Dr. Matthias Leder. Wichtig sei nunmehr, diese grundlastfähigen Energieträger stärker im hiesigen Wirtschaftskreislauf beizubehalten – zumindest bis erneuerbare Energien auch grundlastfähig gespeichert werden können.
Das Interesse an wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland ist aktuell auf einem Tiefstand. Die IHK-Umfrage „Going International“, ergab, dass in keinem Land der Welt die Geschäftsperspektive derzeit negativer beurteilt wird als in Russland. Befragt wurden bis zum 11. Februar 2.700 deutsche Unternehmen mit wirtschaftlichen Verbindungen nach Russland. Laut der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) haben zudem immer mehr Betriebe in den vergangenen Jahren Russland verlassen. So hat sich die Anzahl der Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung seit 2011 von ursprünglich 6.300 beinahe halbiert.
Um den Unternehmen hilfreich zur Seite zu stehen, stellt die IHK Informationen zu den aktuellen Entwicklungen über Website, Newsletter und soziale Medien bereit. Einzelberatungen zu den Themen Warenverkehr, Dienstleistungen, Finanztransaktionen, Ursprungszeugnisse und Carnet ATA sind, wie bisher auch, möglich. Gegenüber der Politik setzt sich die IHK gemeinsam mit dem DIHK für Lösungen ein, die die Folgen der Sanktionen für heimische Unternehmen abmildert.
Für fachliche Auskünfte nehmen Sie gerne Kontakt auf mit Marie-Theres Burzel, Selina Kipp oder Tim Müller.
Herausgegeben am 3. März 2022
Pressemeldung Nr. 14
Verantwortlich für den Inhalt: Doris Hülsbömer, Tel. 06031 / 609-1100
Pressestelle: Doris Hülsbömer, Tel. 06031 / 609-1100
Stand: 09.03.2022