Unternehmen brauchen Fachkräfte – Fachkräfte brauchen Wohnraum
Wohnraum als Standortfaktor für die hessische Wirtschaft
Hessische Unternehmen spüren den Fachkräftemangel immer deutlicher. Gleichzeitig wird Wohnraum – insbesondere in den größeren Städten – knapper und teurer. Für Betriebe bedeutet das: Offene Stellen lassen sich schwerer besetzen, qualifizierte Fachkräfte wandern ab oder kommen erst gar nicht in die Region.
Ohne ausreichend Wohnungen für unterschiedliche Einkommensgruppen kann die Wirtschaft nicht wachsen. Wohnraumversorgung ist damit längst kein reines Sozialthema mehr, sondern ein zentraler Standortfaktor.
Angespannter Wohnungsmarkt in vielen Regionen
Besonders angespannt ist die Lage in den großen hessischen Städten und Verdichtungsräumen. Im Planungsgebiet des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain ist der Wohnungsmangel besonders groß. Im Regionalen Entwicklungskonzept Südhessen wird bis zum Jahr 2030 ein Bedarf von rund 335.000 zusätzlichen Wohnungen prognostiziert.
Auch in Städten Nord- und Mittelhessens wie Kassel, Gießen, Marburg und Fulda wird ein weiter steigender Wohnungsbedarf erwartet. Das betrifft direkt die Unternehmen vor Ort, die auf Zuzug und Bindung von Fachkräften angewiesen sind.
Fachkräftemangel und Wohnraum – zwei Seiten einer Medaille
Die hessische Wirtschaft leidet schon heute unter einem erheblichen Fachkräftemangel. Laut IHK-Fachkräftereport fehlen den Betrieben in Hessen aktuell rund 184.000 Fachkräfte. Bis 2030 könnte sich diese Lücke um etwa 100.000 Personen vergrößern, sodass jede siebte von den Unternehmen nachgefragte Stelle unbesetzt bliebe.
Fehlender oder unbezahlbarer Wohnraum verschärft diese Entwicklung. Wer eine neue Stelle in Hessen antritt, braucht ein passendes Wohnungsangebot – vom Auszubildenden über die Facharbeiterin bis hin zur hochqualifizierten Spezialistin.
Unter Fachkräftemangel im Fokus werden die aktuelle Fachkräftesituation in der Region erläutert und zentrale Unterstützungsangebote der IHK dargestellt. Unternehmen finden dort unter anderem Informationen zu internationalen Fachkräften, rechtlichen Rahmenbedingungen, Qualifizierungs- und Veranstaltungsangeboten sowie Analysen und Prognosen zum regionalen Fachkräftebedarf.
Positionen der hessischen Wirtschaft: mehr Wohnraum ermöglichen
Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) hat ein Positionspapier vorgelegt, das konkrete Vorschläge zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum enthält. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass schneller, mehr und zugleich wirtschaftlich tragfähig gebaut werden kann.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Punkte: Flächen für Wohnen und Gewerbe sollen strategischer entwickelt und die Baudichte dort erhöht werden, wo Infrastruktur bereits vorhanden ist. Gleichzeitig sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden, um Projekte zügiger zu realisieren.
Kosten, Standards und kommunale Finanzierung
Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Bau- und Nebenkosten. Das Positionspapier regt an, kostenintensive Baustandards kritisch zu überprüfen und Prioritäten so zu setzen, dass Wohnungsbau bezahlbar bleibt. Zudem wird vorgeschlagen, die Grunderwerbsteuer auf 3,5 Prozent zu senken, um Investitionen in Wohnungsbau zu erleichtern.
Gleichzeitig sollen Kommunen bei den Erschließungs- und Folgekosten von Wohnbauflächen besser unterstützt werden. Denkbar sind gezielte Zuschüsse, Investitionsprogramme sowie eine Begünstigung baulandausweisender Kommunen im Rahmen des Kommunalen Finanzausgleichs. Die hessische Wirtschaft spricht sich in diesem Zusammenhang gegen Instrumente wie Mietpreisbremse und Mietendeckel aus, weil sie Investitionsanreize schwächen können.
Positionspapier zum Download
Das vollständige Positionspapier des Hessischen Industrie- und Handelskammertages zur Wohnraumpolitik und Fachkräftesicherung können Sie hier als PDF herunterladen: Positionspapier „Wohnraumpolitik gegen den Fachkräftemangel“
Stand: 23.06.2026