Standortumfrage 2025 - Vogelsbergkreis

Die Stimmungslage: Der Aufsteiger

Der Vogelsbergkreis schwimmt gegen den Strom: Die Gesamtzufriedenheit steigt im Zeitverlauf kontinuierlich an – von 59 Prozent (2019) über 61 Prozent (2021) auf nun 65 Prozent (2025). Damit liegt der Vogelsberg an der Spitze der drei Landkreise.
Die emotionale Bindung bleibt sehr hoch. Heimat, Umweltqualität, Sicherheit und Familienfreundlichkeit führen die Liste an und halten sich besser als in den anderen Regionen. Einzelne Werte geben gegenüber 2021 zwar leicht nach, doch insgesamt bleibt die Identifikation mit dem Standort stark ausgeprägt.
Besonders positiv hervorgehoben werden Lebensqualität, Schulangebot, Sicherheit sowie Sauberkeit – ein Quartett, das den Unterschied macht.

Die Stärken: Lebensqualität und solide Grundversorgung

Der Vogelsbergkreis punktet vor allem bei weichen Standortfaktoren:
Lebensqualität und Schulangebot sind die herausragenden Pluspunkte. Hinzu kommen Sauberkeit und ein ausgeprägtes Sicherheitsgefühl. Diese Faktoren tragen maßgeblich zur steigenden Zufriedenheit bei.
Erreichbarkeit der Absatzmärkte wird ebenfalls positiv bewertet – trotz der ländlichen Lage.
Strukturelle Pluspunkte sind die Anbindung an das Radverkehrsnetz sowie eine gute Verfügbarkeit von Parkplätzen. Beim Mobilfunk ist die Zufriedenheit ordentlich, und auch bei Breitband zeigt sich Fortschritt.
Schwächer bewertet werden dagegen die Anbindung an den Schienengüterverkehr und den Flugverkehr sowie der ÖPNV – typische Herausforderungen für ländliche Räume.

Die Schwächen: Bürokratie mit Spitzenwert

Trotz der positiven Grundstimmung kämpfen auch die Vogelsberger Betriebe mit bekannten Problemen:
Bürokratie – Rekordwert im IHK-Bezirk: 74 Prozent der Unternehmen nennen sie als größte Herausforderung. Das ist der höchste Wert aller drei Landkreise. In der Verwaltung werden Bearbeitungsdauern, Transparenz und Verlässlichkeit als ausbaufähig gesehen.
Fachkräftemangel bleibt akut: Mit 66 Prozent Nennung liegt auch der Fachkräftemangel auf hohem Niveau. Bei der Verfügbarkeit von Fachkräften und Berufseinsteigern bzw. Azubis klafft eine deutliche Lücke zwischen Relevanz und Zufriedenheit.
Kostendruck steigt: Energiekosten, Steuern und Abgaben sowie Personalkosten belasten die Betriebe. Regulatorische Anforderungen und Compliance setzen weitere Akzente, während Wettbewerb, Finanzen und technologischer Wandel nachgeordnet sind.

Standortwechsel: Rekord-Standorttreue

Die Standorttreue im Vogelsbergkreis ist beeindruckend: 87 Prozent der Betriebe planen keinen Wechsel – der mit Abstand höchste Wert im IHK-Bezirk.
Wenn ein Umzug erwogen wird, stehen Kosteneinsparungen an erster Stelle (65 Prozent). Es folgen bessere Infrastruktur und Flächenverfügbarkeit. Auch der Zugang zu Fachkräften und eine stärkere Verkehrsanbindung werden genannt. Steuerliche Vorteile und Kundennähe spielen hingegen eine geringere Rolle.
Das unterscheidet den Vogelsberg von den anderen Kreisen: Während in Wetterau und Landkreis Gießen die Flächenfrage dominiert, geht es hier vor allem um Kosten.

Entwicklung seit 2019: Was sich verändert hat

Ein Blick auf die Zeitreihe zeigt mehrere Trends:
Positive Entwicklung: Der Vogelsbergkreis legt bei der Gesamtzufriedenheit zu – getragen von Lebensqualität und Schulangebot.
Digitalisierung macht Fortschritte: Mobilfunk und Breitband entwickeln sich positiv.
Kostendruck wächst: Energiekosten und steuerliche Lasten steigen im Kostenblock deutlich.
Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Die Diskrepanz zwischen hoher Relevanz und geringer Zufriedenheit bei Fachkräften und Berufseinsteigern verschärft sich weiter.

Fazit

Der Vogelsbergkreis überzeugt mit hoher Lebensqualität, starker Heimatbindung und soliden Bildungs- und Versorgungsfaktoren. Diese weichen Standortfaktoren tragen die positive Entwicklung und sorgen für Rekord-Standorttreue.
Gleichzeitig bleiben Bürokratie, Fachkräfteknappheit und steigende Kosten die zentralen Bremsen. Die gute Nachricht: Die Basis ist stabil – wenn es gelingt, die Verwaltungsprozesse zu beschleunigen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, kann der Vogelsberg seinen positiven Trend fortsetzen.
Stand: 26.02.2026