Standortumfrage 2025 - Landkreis Gießen
Die Stimmungslage: Kontinuierlicher Rückgang
Die Gesamtzufriedenheit im Landkreis Gießen zeigt einen klaren Abwärtstrend: von 70 Prozent (2019) über 68 Prozent (2021) auf 63 Prozent (2025). In der Entwicklungseinschätzung sehen die Betriebe zwar überwiegend Stabilität bis leichte Verbesserung, doch die Identifikation mit klassischen Image-Ankern nimmt ab.
Die Verbundenheit mit „Heimat", Umweltqualität, Familienfreundlichkeit und Sicherheit liegt weiterhin vorn – verliert aber spürbar an Stärke. Das emotionale Band zur Region wird dünner.
Die Stärken: Wissen und Erreichbarkeit
Der Landkreis Gießen hat einige klare Vorteile zu bieten:
Marktnähe und Verkehrsanbindungen werden besonders positiv bewertet. Die Erreichbarkeit der Absatzmärkte und die Anbindung an das Fernstraßennetz sind echte Pluspunkte.
Hochschulnähe ist ein Alleinstellungsmerkmal: Die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen sticht hervor und unterscheidet den Landkreis Gießen von den anderen Kreisen im IHK-Bezirk.
Lebensqualität und Freizeitangebot runden das Bild ab. Im Bereich der weichen Standortfaktoren bleibt das Freizeitangebot ein Pluspunkt.
Schwächer bewertet werden hingegen die Anbindung an den Schienengüterverkehr und die Kostenfaktoren – hier liegt der Landkreis auf den hinteren Plätzen.
Die Schwächen: Die üblichen Verdächtigen
Auch im Landkreis Gießen dominieren bekannte Problemfelder:
Bürokratie an der Spitze - 66 Prozent der Unternehmen nennen sie als größte Herausforderung – der höchste Wert im Drei-Landkreise-Vergleich nach dem Vogelsberg. In der kommunalen Verwaltung werden lange Bearbeitungsdauern, geringe Transparenz und fehlende Verlässlichkeit als Bremsklötze wahrgenommen.
Fachkräftemangel auf Platz zwei - Mit 61 Prozent folgt der Fachkräftemangel dicht dahinter. Die Verfügbarkeit von Fachkräften sowie Berufseinsteigern und Azubis erzeugt hohen Handlungsdruck.
Kosten belasten - Energiekosten und Steuern bzw. Abgaben zählen zu den wichtigsten Kostentreibern. Regulatorische Anforderungen und Wettbewerb bleiben ebenfalls relevante Belastungsfaktoren.
Standortwechsel: Flächenverfügbarkeit entscheidet
Die Standorttreue ist solide: 73 Prozent der Betriebe planen keinen Wechsel. Das ist mehr als im Wetteraukreis, aber weniger als im Vogelsberg.
Wenn ein Umzug erwogen wird, dann überwiegend wegen besserer Flächenverfügbarkeit – 49 Prozent nennen diesen Grund. Kosteneinsparungen und leistungsfähigere Infrastruktur bzw. Verkehrsanbindung folgen. Steuerliche Vorteile und Kundennähe spielen eine vergleichsweise geringe Rolle.
Fazit
Der Landkreis Gießen bleibt aufgrund guter Erreichbarkeit, Hochschulnähe und Lebensqualität grundsätzlich attraktiv. Allerdings drücken Bürokratie, Fachkräfteknappheit und steigende Kosten die Zufriedenheit spürbar. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen bieten Potenzial – doch es braucht auch schnellere Verwaltungsprozesse und mehr verfügbare Flächen, um dieses Potenzial voll zu nutzen.
Stand: 26.02.2026