Mitten im demografischen Wandel

Demografischer Wandel – was passiert gerade?

In Deutschland schreitet der demografische Wandel seit Jahren spürbar voran. Es werden weniger Kinder geboren, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Die Bevölkerung wird insgesamt älter, und die Altersstruktur verschiebt sich deutlich.
Bereits heute ist etwa die Hälfte der Menschen in Deutschland mindestens um die Mitte 40, und rund ein Fünftel der Bevölkerung ist 65 Jahre oder älter. Die Zahl der Menschen über 65 ist seit Anfang der 1990er-Jahre stark gestiegen und macht inzwischen gut ein Fünftel der Gesamtbevölkerung aus – Tendenz weiter steigend.
Besonders dynamisch wachsen die sehr hohen Altersgruppen. Die Zahl der über 80-Jährigen wird in den kommenden Jahren noch einmal deutlich zunehmen. Das beschleunigt die Alterung der Gesellschaft zusätzlich und wirkt sich langfristig auf Arbeitsmarkt, Sozialsysteme, Gesundheitswirtschaft und kommunale Infrastrukturen aus.

Geburten, Lebenserwartung und Zuwanderung

Die Geburtenzahlen haben sich in den vergangenen Jahren leicht stabilisiert. Trotz Phasen mit etwas höheren Geburtenraten besteht jedoch weiterhin ein Geburtendefizit: Es sterben mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Alle Bevölkerungsprognosen gehen davon aus, dass die Lebenserwartung weiter steigt – und damit auch der Anteil älterer Menschen.
Gleichzeitig spielt Zuwanderung eine zentrale Rolle. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit deutlich gestiegen. Ein Großteil dieser Zugewanderten ist jünger als 40 Jahre. Damit wirkt Migration der Schrumpfung der Bevölkerung entgegen und verjüngt die Altersstruktur zumindest teilweise.
Auch zuletzt wurde durch einen sehr hohen Wanderungssaldo – insbesondere durch Schutzsuchende, etwa aus der Ukraine – die Bevölkerungszahl stabilisiert und zum Teil erhöht. Dennoch kann Zuwanderung die strukturelle Alterung der Gesellschaft langfristig nur abmildern, nicht vollständig ausgleichen.

Stadt, Land, Region – der Wandel verläuft unterschiedlich

Der demografische Wandel zeigt sich regional sehr verschieden. Während viele ländliche Räume mit einer überdurchschnittlich alten Bevölkerung und Abwanderung jüngerer Menschen zu kämpfen haben, profitieren zahlreiche Städte und Verdichtungsräume von Zuzug, Internationalisierung und einer jüngeren Bevölkerungsstruktur.
Auch in Mittelhessen gibt es sehr unterschiedliche Entwicklungen: Wachstums- und Zuzugsregionen stehen neben Kommunen, die eher vom Rückgang und einer Alterung der Bevölkerung geprägt sind. Für Kommunen, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung wird es immer wichtiger, diese Unterschiede zu kennen und in der Planung zu berücksichtigen.

Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Für die Wirtschaft ist eine Entwicklung besonders relevant: Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter nimmt in vielen Regionen ab. Die Altersgruppe der potenziellen Fachkräfte (20 bis 64 Jahre) wird in zahlreichen Regionen spürbar kleiner. In manchen Kreisen sinkt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von knapp 60 Prozent auf nur noch gut die Hälfte.
Die Folgen sind deutlich sichtbar:
Unternehmen finden immer schwerer ausreichend qualifizierte Fachkräfte, Stellen bleiben länger unbesetzt, und der Wettbewerb um Talente nimmt deutlich zu. Das betrifft nahezu alle Branchen – von Industrie und Handwerk über Dienstleistungen bis hin zum Tourismus.

Strategien für Unternehmen und Kommunen

Um den demografischen Wandel aktiv zu gestalten, braucht es langfristige Strategien – sowohl in Betrieben als auch in Kommunen und Regionen. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Personalpolitik an die veränderte Altersstruktur anzupassen, neue Zielgruppen für Ausbildung und Beschäftigung zu erschließen und ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.
Dazu gehören etwa eine gezielte Ansprache internationaler Fachkräfte, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Weiterbildung älterer Beschäftigter sowie eine demografiefeste Personalplanung. Kommunen sind gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Fachkräfte in der Region halten bzw. neu anziehen – zum Beispiel über attraktive Wohn-, Bildungs- und Freizeitangebote sowie eine gute Infrastruktur.

Was die IHK Gießen-Friedberg anbietet

Die IHK Gießen-Friedberg begleitet den demografischen Wandel in der Region seit vielen Jahren. Ziel ist es, gemeinsam mit Unternehmen, Kommunen und weiteren Partnern die regionalen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Betriebe auch künftig erfolgreich wirtschaften können.
Ein wichtiger Baustein ist dabei die Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung – insbesondere aus dem Ausland. Mit der Fachkräfte-Messe bietet die IHK seit 2025 eine Plattform, auf der sich Unternehmen mit Vermittlungsagenturen, Behörden, Bildungsträgern und weiteren Dienstleistern rund um internationale Fachkräfte vernetzen können. Informationen zur vergangenen Veranstaltung und zur geplanten Fachkräftemesse 2026 finden Sie auf unserer Seite zur Fachkräfte-Messe.
Darüber hinaus unterstützt die IHK Unternehmen mit dem Internationalen Fachkräfte Nexus. Diese hessenweite Plattform bringt Betriebe mit spezialisierten Dienstleistern zusammen, die Fachkräfte und Auszubildende aus Drittstaaten vermitteln und beim gesamten Prozess der Fachkräfteeinwanderung – von der Rekrutierung über Visa- und Anerkennungsverfahren bis hin zu Wohnungssuche, Behördengängen und Spracherwerb – begleiten. Weitere Informationen dazu finden Sie im Angebot der IHK unter Internationaler Fachkräfte Nexus.

Stand: 25.03.2026