Kammer- und Verbandspartnerschaft Nigeria

Deutsch-Nigerianische Kammerpartnerschaft: Erfolgreiche erste Phase stärkt KMU, junge und weibliche Unternehmer und vertieft bilaterale Wirtschafts­zusammenarbeit

Das Kammerpartnerschaftsprojekt (KVP) zwischen der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg und ihren nigerianischen Partnern erzielt transformative und messbare Wirkungen im Privatsektor Nigerias, stärkt gezielt kleine und mittlere Unternehmen (KMU), fördert junge Unternehmerinnen und Unternehmer und trägt zur wirtschaftlichen Diversifizierung und zum BIP-Wachstum des Landes im Einklang mit der Entwicklungsagenda von Präsident Bola Ahmed Tinubu bei. Das Projekt ist eine Partnerschaft zwischen der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg (IHK Gießen-Friedberg) und drei nigerianischen Partnerorganisationen: der Nigerian Association of Chambers of Commerce, Industry, Mines, and Agriculture (NACCIMA), der Lagos Chamber of Commerce and Industry (LCCI) sowie der Ogun State Chambers of Commerce, Industry, Mines, and Agriculture (OGUNCCIMA). Im Mittelpunkt stehen der Aufbau institutioneller Kapazitäten, Service-Innovationen und ein vom Privatsektor getriebenes Wirtschaftswachstum. Das KVP Nigeria wird im Rahmen von „Partners in Transformation“ (PiT) vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und durch die sequa gGmbH umgesetzt.
Im Verlauf des Projekts haben die nigerianischen Kammern ihre Organisationsstrukturen, Governance-Systeme und Serviceleistungen deutlich gestärkt. Dadurch sind sie nun in der Lage, eigenständig wirkungsvolle Programme zu konzipieren und umzusetzen, die auf die spezifischen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zugeschnitten sind. Wichtige Initiativen umfassen zum Beispiel die Einführung des „Basic Business Management Trainings“ (BBMT) für über 160 Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (MSME), Exportqualifizierungsprogramme zur Erleichterung des Zugangs zu regionalen und europäischen Märkten sowie eine strukturierte Weiterbildungsarbeit in den städtischen Kammern.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Förderung von Unternehmerinnen und jungen Unternehmern. Über 140 frauengeführte Unternehmen profitierten von gezielten Capacity-Building-Programmen, Finanztrainings und dem HerFinance Accelerator Programm. Für junge Gründerinnen und Gründer ermöglichte das Projekt die Übertragung deutscher genossenschaftlicher Finanzierungsmodelle – in der Folge wurden innerhalb der von NACCIMA betreuten Geo-Business-Zonen 15 Jugendgenossenschaften gegründet, die bereits über 13 Millionen ₦ an gemeinschaftlichen Spareinlagen mobilisieren konnten, um den Zugang zu bezahlbarer Finanzierung zu erleichtern.
Die Kammern wurden auch in ihrer Rolle als Plattformen für Advocacy und politischen Dialog gestärkt. Die Entwicklung des NACCIMA Business Climate Survey beispielsweise hat dazu beigetragen, dass der Privatsektor auf fundierter, datenbasierter Grundlage Reformdiskussionen auf nationaler Ebene begleiten kann – unter anderem im strukturierten Austausch mit dem Präsidialen Rat zur Förderung eines unternehmensfreundlichen Umfelds (PEBEC). So konnten die Kammern ihre Glaubwürdigkeit als Schlüsselfiguren bei der Gestaltung des nigerianischen Geschäftsumfelds weiter ausbauen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Handelsförderung und regionaler Integration. Die nigerianischen Kammern entwickelten strukturierte Handelsmissionsdienste und ermöglichten Unternehmen so, Geschäftschancen in Westafrika und Europa gezielt wahrzunehmen. Teilnehmerunternehmen berichteten von verbessertem Marktwissen, neuen Partnerschaften und ersten Handelserfolgen – insbesondere nach Wirtschaftsreisen nach Deutschland sowie in die westafrikanischen Nachbarländer Benin, Togo und Ghana.
Parallel dazu unterstützte das Projekt Service-Innovationen und Infrastrukturentwicklung innerhalb der Kammern. Besonders erwähnenswert ist die Gründung des LCCI-BOI Innovation Hubs, der Coworking-Spaces, Privatbüros, Schulungsräume, Technikressourcen und ein Business Center bietet. Der Hub hat bereits Hunderte Unternehmen und Jungunternehmerinnen und -unternehmer betreut und stellt die LCCI als führenden Motor für Innovation und Unternehmensentwicklung heraus.
Diese vielfältigen Maßnahmen haben eine nachhaltige institutionelle Stärkung zur Folge. Die Partnerkammern verzeichnen spürbare Verbesserungen bei der Mitgliederbindung, der Einnahmengenerierung und der Sichtbarkeit und genießen dadurch mehr Vertrauen seitens der Wirtschaft und anderer Interessengruppen.
Zum Abschluss der ersten Projektphase betonen die Beteiligten die Notwendigkeit, diese Erfolge zu festigen und weiter auszubauen. Die erreichten Ergebnisse zeigen eindrücklich den Wert einer langfristigen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit der nigerianischen und deutschen Kammern zur Förderung eines inklusiven Wirtschaftswachstums, zur Stärkung von KMU sowie zur Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.
Für die zweite Phase des Projekts haben sich die Partner dazu verpflichtet, auf den gewonnenen Erkenntnissen aufzubauen, erfolgreiche Modelle zu erweitern und die Kammern verstärkt als Motoren einer nachhaltigen privaten Wirtschaftsentwicklung in Nigeria zu positionieren. Die zweite Projektphase beginnt ab Januar 2026.

Fortschrittsbericht: Deutsch-Nigerianisches Kammerpartnerschaftsprojekt (KVP) -Erfolgreiche Zwischenbilanz

Das Kammerpartnerschaftsprojekt (KVP) zwischen der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg und ihren nigerianischen Partnern NACCIMA, LCCI und OGUNCCIMA hat sich als wichtiger Katalysator für die wirtschaftliche Entwicklung in Nigeria erwiesen. Nach zwei Jahren Laufzeit zeigt diese dreijährige Initiative (2023-2025) bereits bemerkenswerte Fortschritte bei der Stärkung nigerianischer Kammern und der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen im ganzen Land.
Im Mittelpunkt des Projekts steht eine klare Mission: NACCIMA und ausgewählte Mitgliedskammern nachhaltig als Dienstleister und Interessenvertreter für nigerianische KMUs zu stärken. Mit ambitionierten Leistungsindikatoren, darunter eine angestrebte Steigerung der zahlenden Mitglieder und Einnahmen um 15% bis 2025, legt das Projekt ein solides Fundament für langfristigen Erfolg.
Der umfassende Ansatz beinhaltet den Kapazitätsaufbau innerhalb der Kammern selbst bei gleichzeitiger Entwicklung marktorientierter Dienstleistungen, die nigerianischen Unternehmen direkt zugutekommen. Dieser doppelte Fokus hat sich als effektiv erwiesen, mit zahlreichen Erfolgsgeschichten in verschiedenen Sektoren.
Das Projekt begann mit gründlichen Bestandsaufnahmen der aktuellen Situation, darunter Mitglieder- und Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen, um zentrale Verbesserungsbereiche zu identifizieren. Diese Erkenntnisse führten zur Entwicklung der Chamber Academy, einem spezialisierten Schulungsprogramm, von dem bereits über 40 Kammermitarbeiter und Führungskräfte profitiert haben.
Ein Höhepunkt der Akademie war der direkte Wissenstransfer durch die deutsche Kammerführung, wobei der Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg spezialisierte Sitzungen im Oktober 2024 und Februar 2025 durchführte. Diese Interaktionen vermittelten nigerianischen Kammerführungskräften wertvolle Einblicke in erfolgreiche Kammermanagementpraktiken und Organisationsstrukturen.
Die positiven Auswirkungen des Projekts erstrecken sich auf zahlreiche Unternehmen, die das wirtschaftliche Fundament Nigerias bilden. Das Basic Business Management Training hat über 30 Unternehmer mit essentiellen Managementkompetenzen ausgestattet, wobei ein ausgewogenes Teilnehmerverhältnis von 47% Frauen und 53% Männern erreicht wurde.
Speziellere Dienstleistungen adressieren spezifische Herausforderungen nigerianischer Unternehmen:

  • Das Export Readiness Program hat über 100 Mitgliedern geholfen, die Komplexität des internationalen Handels zu bewältigen, von der Einhaltung von Vorschriften bis hin zur Produktentwicklung und Markenbildung.
  • Die Lagos Women in Business Training Series hat über 100 Unternehmerinnen erreicht und sich auf digitales Marketing, Exportanforderungen und regulatorische Compliance konzentriert.
  • Die Women in Business Access to Finance Series hat mehr als 80 Unternehmerinnen mit wichtigem Wissen über Finanzierungsmöglichkeiten und Strategien zur Kapitalbeschaffung versorgt.
Internationale Vernetzung und Austausch
Das Projekt hat bedeutende Fortschritte dabei gemacht, nigerianische Unternehmen mit internationalen Märkten zu verbinden. Ein bemerkenswerter Erfolg war "The World Meets in Giessen", eine Wirtschaftsdelegation, die 12 nigerianische Unternehmen 2024 nach Deutschland brachte, mit mehr als 20 erwarteten Teilnehmern für die Ausgabe 2025.
Aufbauend auf diesem Erfolg wurden Workshops zum Thema "Delegationsreisen als Dienstleistung" mit der AHK Kenia im Dezember 2024 durchgeführt, bei denen Vertreter von LCCI und OGUNCCIMA in der Organisation effektiver Geschäftsreisen geschult wurden. Dieses Wissen wird nun angewendet, um nachhaltige Markterkundungsprogramme zu entwickeln, die die Kammern ihren Mitgliedern anbieten können.
Die internationale Dimension des Projekts wurde weiter gestärkt auf dem Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsgipfel in Nairobi, wo ein gesamtafrikanischer Austausch Kammern aus Mosambik, Äthiopien und Deutschland zusammenbrachte und wertvolle Möglichkeiten für kontinentübergreifendes Lernen und Zusammenarbeit schuf.
Innovative Finanzierungslösungen
In Anerkennung der Tatsache, dass der Zugang zu Finanzmitteln eine entscheidende Herausforderung für nigerianische Unternehmen darstellt, hat das Projekt innovative Lösungen erkundet, darunter genossenschaftliche Finanzierungsmodelle. Eine spezialisierte Studienreise gab 13 Teilnehmern Einblicke in verschiedene genossenschaftliche Finanzierungsstrukturen, während der Internationale Genossenschaftstag in Abeokuta (Oktober 2024) mit Beteiligung sowohl der IHK Gießen-Friedberg als auch der Volksbank Mittelhessen stattfand und deutsche genossenschaftliche Bankexpertise präsentierte.
Für Unternehmerinnen, die besonderen Finanzierungsherausforderungen gegenüberstehen, bietet das HerFinance Accelerator Program spezialisierte Schulungen und Möglichkeiten, ihre Geschäftsideen Investoren und Finanziers zu präsentieren.
Langfristige Perspektiven
In der letzten Projektphase liegt der Fokus weiterhin auf der Erzielung nachhaltiger Ergebnisse, die nigerianischen Kammern und Unternehmen auch nach dem formellen Abschluss der Partnerschaft zugutekommen werden. Mit den nun geschaffenen soliden Grundlagen und der positiven Entwicklungsdynamik, die sich in allen Ergebnisbereichen aufbaut, steht das Deutsch-Nigerianische Kammerpartnerschaftsprojekt als Modell für eine effektive internationale Zusammenarbeit zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Stand: 05.01.2026