Bodo Janssen

Bodo Janssen ist Geschäftsführer der Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH und Mitglied des Team Benedikt. In seinem Vortrag dreht sich alles um das Führen mit Sinn und Menschlichkeit. Hier lesen ein das Interview, welches wir in Vorbereitung seines Vortrags auf dem Fuldaer Wirtschaftstag mit ihm geführt haben:

Herr Janssen, was bedeutet New Work für Sie?

New Work wird volkstümlich häufig mit modernen Arbeitsmethoden in Verbindung gebracht. Frithjof Bergmann*, der Begründer der New Work-Bewegung, hat die neue Arbeit als etwas beschrieben, was dazu dient, die Unkenntnis über sich selbst zu überwinden. Für mich ist New Work in allererster Linie eine Haltung. Konkret geht es darum eine Arbeit zu leben, die der eigenen Persönlichkeit entspricht. Beim neuen Führen ist es die Fähigkeit, Menschen dazu zu bewegen, sich selbst besser kennenzulernen.
*Der österreichisch-amerikanische Philosoph Frithjof Bergmann ist am 24. Mai 2021 im Alter von 91 Jahren gestorben. Er prägte das Konzept der "Neuen Arbeit".

Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit als Führungskraft aus?

Heute geht es nicht mehr um den „alten“ Zweck, dass die Menschen der Wirtschaft dienen, sondern dass die Wirtschaft den Menschen dient. Diese Philosophie haben wir in unserer Hotelkette manifestiert. Als Führungskraft setze ich mich täglich dafür ein, Menschen darauf vorzubereiten, schwierige Aufgaben und Situationen lösen zu können. Letztendlich verstehe ich Führung als Dienstleistung. Ich möchte Menschen darauf vorbereiten, die an sie herangetragenen Aufgaben optimal lösen zu können und sie dabei zu unterstützen.

Gab es einen Schlüsselmoment, der Sie zur Umstrukturierung Ihres Unternehmens geführt hat?

Ja. Im Jahr 2010 hatten wir eine Mitarbeiterbefragung im Unternehmen. Damals hat mir mein Team nahegelegt, dass es – um besser arbeiten zu können – einen anderen Chef brauche als mich. Ab diesem Zeitpunkt habe ich darüber nachgedacht, ob das, was ich bis-her getan habe, wirklich sinnvoll war.

Welche ersten Schritte haben Sie auf Ihrem neuen Weg unternommen?

Im Unternehmen habe ich erst einmal gar nichts verändert. Ich habe zunächst geschaut, was ich an mir entwickeln kann, um die Menschen besser zu begleiten. Dafür bin ich ins Kloster gegangen und habe mich dort fast an-derthalb Jahre – nicht permanent, aber doch sehr regelmäßig – zurückgezogen, um das Thema Führung für mich neu zu beleuchten. Nachdem für mich ein klares Bild entstanden war, habe ich meine Mitarbeitenden auch ins Kloster eingeladen. So kam ein Prozess in Gang, der die Menschen dabei unterstützt hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Aussage dahinter war: Wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen. Eine Redakteurin hat mich mal gefragt, was die Führungskräfte im Kloster eigentlich suchen. Meine Antwort war: sich selbst, denn wenn sie sich selbst gefunden haben, sind sie auch gute Führungskräfte.

Was können Teilnehmende am Fuldaer Wirtschaftstag aus Ihrem Vortrag lernen?

Das wird unterschiedlich sein und hängt sehr davon ab, in welcher Situation die Menschen sich gerade befinden und wodurch sie sich angesprochen fühlen. Das, was ich mit auf den Weg gebe, sind im Grunde genommen 100 Prozent Praxisbeispiele, wie wir im Unternehmen mit teilweise sehr schwierigen Situationen umgegangen sind. Ich werde keine Theorie und kein Konzept an den Mann oder die Frau bringen. Ich bin der klassische Geschichtenerzähler und werde davon berichten, was wir erleben durften. Der Harvard Business Manager hat vor einiger Zeit geschrieben, dass bei Upstalsboom der beeindruckendste Wandel in der deutschen Management-Geschichte stattgefunden hat. Ich möchte weitergeben, wie das kam und was dazu geführt hat.