Wasserstoff - Energieträger für die Zukunft
Deutschland verfolgt das Ziel, bis Mitte des Jahres 2050 treibhausgasneutral zu werden. Dieses Vorhaben erfordert in allen Sektoren eine nahezu vollständige Reduzierung der Emissionen. Damit verbunden ist ein tiefgreifender Wandel der Energieversorgung in Industrie, Verkehr und Gebäuden sowie umfangreiche Veränderungen zahlreicher Produktionsprozesse und der gesamten Wirtschaftsstruktur. Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sehen Wasserstoff dabei als eine Schlüsseltechnologie, um diese langfristigen Klimaziele zu erreichen.
Bislang nur eine untergeordnete Rolle im Energiesystem
Wasserstoff wird bereits heute vielfältig eingesetzt – beispielsweise als Raketentreibstoff, als Prozessgas in der Kraftstoffproduktion oder als Grundstoff für Düngemittel. Im Energiesystem spielte er jedoch bislang nur eine untergeordnete Rolle. Seine neue Bedeutung als Energieträger sowie die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen wurden erstmals 2020 in der Nationalen Wasserstoffstrategie festgelegt; 2023 erfolgte eine umfassende Aktualisierung.
Für das Jahr 2030 geht die Strategie von einem Wasserstoffbedarf in Deutschland zwischen 95 und 130 TWh aus, einschließlich Derivaten wie Ammoniak, Methanol oder synthetischen Kraftstoffen. Um diesen Bedarf zu decken, sollen bis 2030 bis zu zehn Gigawatt Elektrolysekapazität im Inland entstehen; der zusätzlich benötigte Wasserstoff soll importiert werden. Die Hauptanwendungsfelder liegen in Industrie und Verkehr. International treiben viele Staaten, darunter Frankreich, die Niederlande, Japan und China, ebenfalls ehrgeizige Wasserstoffstrategien voran. Gründe hierfür sind neben der Dekarbonisierung auch Versorgungssicherheit, Ressourceneffizienz sowie industriepolitische Interessen.
Auch für Unternehmen in Deutschland – und insbesondere in Baden-Württemberg – kann Wasserstoff eine zentrale Rolle auf dem Weg zur Klimaneutralität spielen. Die ambitionierten Klima- und Energieziele stellen die regionale Wirtschaft vor große Herausforderungen und machen eine tiefgreifende Transformation des Energiesystems notwendig. Neben erneuerbarem Strom und einer Steigerung der Energieeffizienz benötigen Unternehmen weitere Möglichkeiten, um ihre CO₂-Emissionen zu reduzieren.
Ausgezeichnete Voraussetzungen beim Wasserstoffhochlauf
Die CO₂-Bepreisung hat erhebliche Auswirkungen auf die Energiekosten und beeinflusst damit die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe. Besonders betroffen sind energieintensive Unternehmen, die zugleich im internationalen Wettbewerb stehen. Hier kann Wasserstoff einen wichtigen Beitrag leisten – sowohl für den Klimaschutz als auch zur Stärkung des Industriestandortes Baden-Württemberg.
Das Land verfügt mit seinen zahlreichen hoch spezialisierten Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, im Fahrzeugbau sowie mit seinen führenden Forschungsinstitutionen im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien über ausgezeichnete Voraussetzungen, um den nationalen und internationalen Wasserstoffhochlauf aktiv mitzugestalten. Zudem bietet sich die Chance, wirtschaftlich vom Export entsprechender Technologien und Anlagen zu profitieren.
Damit Unternehmen den Einstieg in die Wasserstofftechnologie erfolgreich bewältigen können, müssen frühzeitig geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen und eine leistungsfähige Infrastruktur aufgebaut werden. Gleichzeitig bleibt es eine zentrale Herausforderung, CO₂-freien Wasserstoff kostengünstiger und wettbewerbsfähig zu machen sowie bestehende rechtliche Hindernisse abzubauen – ebenso wie die technologisch bedingten Umwandlungsverluste bei der Herstellung.