Task Force soll Netzausbau beschleunigen
Baden-Württemberg will den Ausbau seiner Stromnetze deutlich beschleunigen und hat dazu eine ressortübergreifende Task Force ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Dauer von Planung, Genehmigung und Umsetzung neuer Netzinfrastruktur von derzeit häufig bis zu zehn Jahren auf etwa fünf Jahre zu reduzieren. Die Initiative reagiert auf die wachsenden Herausforderungen der Energiewende, den steigenden Strombedarf durch die Elektrifizierung von Industrie, Wärmeversorgung und Verkehr sowie auf zunehmende Engpässe in Teilen des Stromnetzes.
Stromnetze als Schlüssel für Energiewende und Wirtschaft
Leistungsfähige Stromnetze gelten als zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Transformation des Energiesystems und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg. Während der Ausbau erneuerbarer Energien in den vergangenen Jahren deutlich vorangekommen ist, halten viele Stromnetze mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Insbesondere in Regionen mit hohem Zubau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen sowie einer steigenden Nachfrage nach Netzanschlüssen stoßen Kapazitäten an ihre Grenzen.
An der Task Force sind Ministerien, Behörden, Netzbetreiber, Kommunen, Unternehmen und Verbände beteiligt. Über den baden-württembergischen Dachverband BWIHK bringt die IHK Südlicher Oberrhein die Anliegen und Erfahrungen ihrer Mitgliedsunternehmen aus dem Kammerbezirk in die Arbeit der Task Force ein.
Gemeinsam sollen bestehende Hemmnisse identifiziert und Maßnahmen entwickelt werden, um den Ausbau der Verteilnetze und den Anschluss neuer Anlagen und Verbraucher zu beschleunigen.
Gemeinsam sollen bestehende Hemmnisse identifiziert und Maßnahmen entwickelt werden, um den Ausbau der Verteilnetze und den Anschluss neuer Anlagen und Verbraucher zu beschleunigen.
Unternehmen benötigen mehr Netzkapazität
Der Handlungsbedarf wird vor allem durch den steigenden Strombedarf deutlich. Die fortschreitende Elektrifizierung von Produktionsprozessen, Wärmeerzeugung und Mobilität erfordert leistungsfähigere Verteilnetze und schnell verfügbare Netzanschlüsse. Gleichzeitig wächst die Einspeisung erneuerbarer Energien, die zuverlässig aufgenommen und verteilt werden muss.
In einigen Regionen erschweren bereits heute fehlende Netzkapazitäten die Erweiterung bestehender Unternehmen oder die Ansiedlung neuer Betriebe. Der Netzausbau entwickelt sich damit zunehmend zu einem wichtigen Standortfaktor.
Genehmigungen und Finanzierung als zentrale Herausforderungen
Das baden-württembergische Stromnetz umfasst mehr als 226.000 Kilometer Leitungen und zählt damit zu den größten Infrastrukturnetzen Deutschlands. Dennoch nehmen Kapazitätsengpässe zu. Als zentrale Herausforderungen gelten langwierige Genehmigungsverfahren, die Verfügbarkeit geeigneter Flächen für Netzinfrastruktur sowie die Finanzierung des erforderlichen Ausbaus.
Deshalb soll ein besonderer Schwerpunkt auf der Vereinfachung und Digitalisierung von Verwaltungsverfahren liegen. Darüber hinaus werden Möglichkeiten geprüft, bestehende Netze effizienter zu nutzen und Investitionen in die Infrastruktur zu erleichtern.
Ergebnisse sollen in Gesetz einfließen
Die Task Force ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. In diesem Zeitraum sollen konkrete Vorschläge erarbeitet werden, die anschließend in einem Landes-Netzausbaubeschleunigungsgesetz verankert werden könnten. Zudem sollen Empfehlungen für notwendige Änderungen auf Bundesebene formuliert werden.
Mit dem Ausbau von Wärmepumpen, Elektromobilität, Batteriespeichern, Rechenzentren und erneuerbaren Energieanlagen steigt der Strombedarf kontinuierlich. Ohne leistungsfähige Netze könnten Investitionen verzögert, wirtschaftliche Entwicklungen gebremst und Klimaschutzziele schwerer erreicht werden. Der beschleunigte Netzausbau zählt daher zu den zentralen Infrastrukturaufgaben der kommenden Jahre.