Land des Monats Oktober: Kanada
Eine nationale Ahornsirup-Reserve, sechs Zeitzonen und einige der weltweit führenden KI-Forschungszentren: Kanada vereint scheinbare Gegensätze wie kaum ein anderes Land. Hinter den bekannten Bildern von unberührter Natur und endlosen Weiten verbirgt sich ein hochinnovatives Land, das für deutsche Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Interview gibt Yvonne Denz, die Geschäftsführerin der AHK Kanada, Einblicke in aktuelle Entwicklungen, Chancen und Besonderheiten des kanadischen Marktes.
Yvonne Denz, Geschäftsführerin der AHK Kanada
Welche drei Fakten über Kanada würden deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer überraschen?
Mir fallen im Gespräch mit deutschen Unternehmen immer wieder drei Dinge auf. Erstens unterschätzen viele die Größe des Landes. Kanada ist 28-mal so groß wie Deutschland, hat aber mit gut 41 Millionen Menschen nur etwa die Hälfte der Einwohner, und erstreckt sich über sechs Zeitzonen. Zwischen St. John's und Vancouver liegen viereinhalb Stunden Zeitverschiebung. Verteilte Teams und digitale Zusammenarbeit über große Distanzen sind hier deshalb ganz selbstverständlich.
Zweitens ist Kanada kein einheitlicher Markt, sondern ein Land mit ausgeprägten regionalen Unterschieden. Das zeigt sich bei Sprache, Geschäftskultur und Kundengeschmack: Was in Québec gut ankommt, funktioniert in Alberta nicht unbedingt genauso. Hinzu kommen je nach Provinz eigene Vorschriften, die aber gerade Schritt für Schritt abgebaut werden. Wer erfolgreich sein will, denkt deshalb regional.
Und drittens: Kanada hat 15 Freihandelsabkommen mit 51 Ländern abgeschlossen und ist damit einer der am besten vernetzten Handelspartner der Welt – ein Sprungbrett, das viele deutsche Mittelständler noch gar nicht auf dem Schirm haben.
Wie entwickelt sich die kanadische Wirtschaft derzeit und welche Trends prägen das laufende Jahr?
Kanada befindet sich gerade in einer Phase der wirtschaftlichen Neuausrichtung – und die hat es 2026 in sich. Das reale BIP-Wachstum liegt bei etwas über 2 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr, bei einer Inflation von rund 3 Prozent, getrieben unter anderem durch höhere Ölpreise.
Prägend ist die Zollsituation mit den USA. Dabei ist vielen nicht bewusst, wie eng Kanada und die USA miteinander verflochten sind, und zwar in beide Richtungen. Rund drei Viertel der kanadischen Exporte gehen in die USA. Umgekehrt ist Kanada für 27 US-Bundesstaaten der wichtigste Exportmarkt und der größte Energielieferant der USA. Umso stärker wirken die aktuellen Maßnahmen: Seit dem 22. August gelten 50-Prozent-Zölle auf kanadische Waren im Wert von rund 27,6 Milliarden CAD. Kanada hat Anfang September mit Gegenzöllen im gleichen Umfang reagiert, Mitte September haben die USA weitere Maßnahmen nachgelegt. Für exportorientierte Branchen bedeutet das höhere Kosten und mehr Planungsunsicherheit. Wichtig ist aber: Das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA/CUSMA gilt weiterhin, und der Großteil des Handels läuft nach wie vor über diesen Rahmen. Die neuen Zölle betreffen allerdings auch Waren, die dessen Regeln erfüllen. Genau deshalb setzt Kanada jetzt so konsequent auf Diversifizierung.
Gleichzeitig tut sich einiges auf der Investitionsseite: Mitte September fand in Toronto der erste Canada Investment Summit statt, bei dem die Regierung fast 500 Milliarden CAD an neuen Investitionszusagen verkünden konnte.
Kurz gesagt: Solides Wachstum, spürbarer Gegenwind durch den Handelskonflikt mit den USA und gleichzeitig ein massiver Investitionsschub in Energie, kritische Mineralien, Häfen und digitale Infrastruktur. Für deutsche Unternehmen heißt das: Kanada sucht aktiv nach neuen, verlässlichen Partnern – ein Fenster, das man jetzt nutzen sollte und das Freihandelsabkommen CETA bietet den Rahmen dafür.
Prägend ist die Zollsituation mit den USA. Dabei ist vielen nicht bewusst, wie eng Kanada und die USA miteinander verflochten sind, und zwar in beide Richtungen. Rund drei Viertel der kanadischen Exporte gehen in die USA. Umgekehrt ist Kanada für 27 US-Bundesstaaten der wichtigste Exportmarkt und der größte Energielieferant der USA. Umso stärker wirken die aktuellen Maßnahmen: Seit dem 22. August gelten 50-Prozent-Zölle auf kanadische Waren im Wert von rund 27,6 Milliarden CAD. Kanada hat Anfang September mit Gegenzöllen im gleichen Umfang reagiert, Mitte September haben die USA weitere Maßnahmen nachgelegt. Für exportorientierte Branchen bedeutet das höhere Kosten und mehr Planungsunsicherheit. Wichtig ist aber: Das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA/CUSMA gilt weiterhin, und der Großteil des Handels läuft nach wie vor über diesen Rahmen. Die neuen Zölle betreffen allerdings auch Waren, die dessen Regeln erfüllen. Genau deshalb setzt Kanada jetzt so konsequent auf Diversifizierung.
Gleichzeitig tut sich einiges auf der Investitionsseite: Mitte September fand in Toronto der erste Canada Investment Summit statt, bei dem die Regierung fast 500 Milliarden CAD an neuen Investitionszusagen verkünden konnte.
Kurz gesagt: Solides Wachstum, spürbarer Gegenwind durch den Handelskonflikt mit den USA und gleichzeitig ein massiver Investitionsschub in Energie, kritische Mineralien, Häfen und digitale Infrastruktur. Für deutsche Unternehmen heißt das: Kanada sucht aktiv nach neuen, verlässlichen Partnern – ein Fenster, das man jetzt nutzen sollte und das Freihandelsabkommen CETA bietet den Rahmen dafür.
Kanada gilt als einer der weltweit führenden Standorte für Künstliche Intelligenz. Welche Chancen ergeben sich daraus für deutsche Unternehmen?
Kanada zählt zu den Geburtsstätten des modernen Deep Learning. Daraus ist ein einzigartiges KI-Ökosystem gewachsen, das heute internationale Partner geradezu magnetisch anzieht, mit Mila in Montréal, dem Vector Institute in Toronto und Amii in Edmonton als Ankern. Wir erleben das ganz konkret: Deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen suchen gezielt den Schulterschluss mit Kanada, um Zugang zu Talenten und Spitzenforschung zu bekommen.
Ein paar Beispiele zeigen, wie eng die Zusammenarbeit inzwischen ist. Cohere aus Toronto und der Heidelberger KI-Pionier Aleph Alpha schließen sich zusammen, das neue Unternehmen wird Hauptsitze in Toronto und Berlin haben. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Mila haben im September eine strategische Partnerschaft vereinbart. Im Mittelpunkt stehen vertrauenswürdige KI, KI-Sicherheit und KI für den Energiesektor. Das Vector Institute und das Computational Health Center von Helmholtz München arbeiten gemeinsam an Machine-Learning-Projekten in der Präzisionsmedizin und computergestützten Biologie. Und der Münchner Sicherheitstechnologie-Konzern Giesecke+Devrient hat bei Mila in Montréal einen KI-Hub eröffnet. Dort investiert er über fünf Jahre mehr als 80 Millionen CAD in KI für Cybersicherheit, Finanztechnologie und digitale Identität.
Für deutsche Unternehmen ist das die Chance, an einem der dichtesten KI-Ökosysteme der Welt teilzuhaben – über Forschungskooperationen, Talentgewinnung oder strategische Ansiedlungen. Die Canada-Germany Digital Alliance und Veranstaltungen wie die Tech-Messe ALL IN in Montréal, wo Deutschland dieses Jahr Partnerland war, zeigen, wie ernst beide Seiten dieses Potenzial nehmen.
Ein paar Beispiele zeigen, wie eng die Zusammenarbeit inzwischen ist. Cohere aus Toronto und der Heidelberger KI-Pionier Aleph Alpha schließen sich zusammen, das neue Unternehmen wird Hauptsitze in Toronto und Berlin haben. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Mila haben im September eine strategische Partnerschaft vereinbart. Im Mittelpunkt stehen vertrauenswürdige KI, KI-Sicherheit und KI für den Energiesektor. Das Vector Institute und das Computational Health Center von Helmholtz München arbeiten gemeinsam an Machine-Learning-Projekten in der Präzisionsmedizin und computergestützten Biologie. Und der Münchner Sicherheitstechnologie-Konzern Giesecke+Devrient hat bei Mila in Montréal einen KI-Hub eröffnet. Dort investiert er über fünf Jahre mehr als 80 Millionen CAD in KI für Cybersicherheit, Finanztechnologie und digitale Identität.
Für deutsche Unternehmen ist das die Chance, an einem der dichtesten KI-Ökosysteme der Welt teilzuhaben – über Forschungskooperationen, Talentgewinnung oder strategische Ansiedlungen. Die Canada-Germany Digital Alliance und Veranstaltungen wie die Tech-Messe ALL IN in Montréal, wo Deutschland dieses Jahr Partnerland war, zeigen, wie ernst beide Seiten dieses Potenzial nehmen.
Wie können deutsche Unternehmen von den Bemühungen Kanadas und der EU um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit profitieren?
Kanada sucht aktiv nach verlässlichen Partnern, die seine Werte teilen. Deutschland ist als größter Handelspartner Kanadas in der EU dabei eine naheliegende erste Adresse. Kanada positioniert sich zunehmend als Rohstoff- und Energienation, Deutschland wiederum will seine Abhängigkeit von Ländern wie China verringern. Beide Länder verhandeln derzeit zudem ein Partnerschaftsabkommen, das unter anderem Energie, kritische Mineralien, Verteidigung und KI in den Mittelpunkt stellt.
Die größten Chancen sehe ich entlang der gesamten Rohstoffkette, vom Abbau über die Verarbeitung bis zur industriellen Anwendung. Kanada hat die Ressourcen, Deutschland bringt die Technologie mit, um daraus Wertschöpfung zu machen. Ein aktuelles Beispiel: Rock Tech Lithium und Siemens Canada haben gerade Vereinbarungen unterzeichnet, um deutsche Ingenieurs- und Digitalisierungskompetenz in einen geplanten Lithium-Konverter in Ontario einzubringen, unter anderem mit einem digitalen Zwilling der Anlage. Genau hier sind Maschinenbau und Automatisierung gefragt, ob in Minen, Verarbeitungsanlagen oder in der Produktion, wo US-amerikanische Komponenten zunehmend ersetzt werden sollen. Dass Kanada zehn der zwölf Rohstoffe produziert, die die NATO als verteidigungskritisch einstuft, macht die Rohstoffkette zugleich sicherheitspolitisch relevant.
Damit sind wir beim nächsten Feld: dem Verteidigungssektor. Kanada stellt mit seiner neuen Defence Industrial Strategy rund 6,6 Milliarden CAD über fünf Jahre bereit, davon über 900 Millionen CAD über den National Research Council. Auch Bau und Infrastruktur profitieren durch die „Nation Building"-Projekte des Major Projects Office. Wer sich jetzt positioniert, profitiert von politischem Rückenwind auf beiden Seiten des Atlantiks.
Die größten Chancen sehe ich entlang der gesamten Rohstoffkette, vom Abbau über die Verarbeitung bis zur industriellen Anwendung. Kanada hat die Ressourcen, Deutschland bringt die Technologie mit, um daraus Wertschöpfung zu machen. Ein aktuelles Beispiel: Rock Tech Lithium und Siemens Canada haben gerade Vereinbarungen unterzeichnet, um deutsche Ingenieurs- und Digitalisierungskompetenz in einen geplanten Lithium-Konverter in Ontario einzubringen, unter anderem mit einem digitalen Zwilling der Anlage. Genau hier sind Maschinenbau und Automatisierung gefragt, ob in Minen, Verarbeitungsanlagen oder in der Produktion, wo US-amerikanische Komponenten zunehmend ersetzt werden sollen. Dass Kanada zehn der zwölf Rohstoffe produziert, die die NATO als verteidigungskritisch einstuft, macht die Rohstoffkette zugleich sicherheitspolitisch relevant.
Damit sind wir beim nächsten Feld: dem Verteidigungssektor. Kanada stellt mit seiner neuen Defence Industrial Strategy rund 6,6 Milliarden CAD über fünf Jahre bereit, davon über 900 Millionen CAD über den National Research Council. Auch Bau und Infrastruktur profitieren durch die „Nation Building"-Projekte des Major Projects Office. Wer sich jetzt positioniert, profitiert von politischem Rückenwind auf beiden Seiten des Atlantiks.
Wenn Sie einem mittelständischen Unternehmen aus Baden-Württemberg Kanada in nur einem Satz schmackhaft machen müssten: Wie würde dieser lauten?
Kanada ist das Land, in dem Naturgewalt auf Wirtschaftskraft trifft und deutsche Ingenieurskunst auf kanadische Offenheit und Zukunftsorientierung stößt.
Als offizielle Vertretung von Baden-Württemberg in Kanada sind wir seit November 2025 erste Ansprechpartnerin vor Ort für baden-württembergische Unternehmen. Die Tür steht weit offen, jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln und gemeinsam durchstarten.
Als offizielle Vertretung von Baden-Württemberg in Kanada sind wir seit November 2025 erste Ansprechpartnerin vor Ort für baden-württembergische Unternehmen. Die Tür steht weit offen, jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln und gemeinsam durchstarten.
Die Abteilung International der IHK Südlicher Oberrhein hat im Rahmen der Reihe „Südbaden verbindet. Land des Monats" Interviews mit verschiedenen Auslandshandelskammern (AHKs) weltweit geführt. Die AHKs sind als Vertreter der deutschen Wirtschaft in den Ländern und beraten Unternehmen zu den Themen Markteintritt und -expansion sowie rechtlichen und kulturellen Fragen vor Ort. Das Netzwerk der AHKs erstreckt sich an 150 Standorten in über 90 Ländern.