Land des Monats September: Mexiko

4.000 Kilometer neue Bahnstrecken, eine wachsende Nachfrage nach Medizintechnik und ambitionierte Infrastrukturprojekte: Mexiko befindet sich in vielen Bereichen im Aufbruch. Während das Land in Deutschland häufig vor allem als Automobilstandort wahrgenommen wird, eröffnet die wirtschaftliche Entwicklung inzwischen deutlich breitere Geschäftsperspektiven.
Im Gespräch berichtet Johannes Hauser, Geschäftsführer der AHK Mexiko, welche Branchen aktuell besonders dynamisch sind, warum kulturelles Verständnis für den Geschäftserfolg entscheidend sein kann und welche Impulse vom modernisierten Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Mexiko ausgehen.
Viele Unternehmen verbinden Mexiko zunächst mit der Automobilindustrie. Warum lohnt sich heute ein genauerer Blick auf den Wirtschaftsstandort Mexiko? In welchen Branchen sehen Sie aktuell die größten Geschäftschancen für deutsche KMU?
Die Automobilindustrie ist seit Jahren tatsächlich der Motor in den deutsch-mexikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Audi, BMW und Volkswagen haben Werke im Land, zudem gibt es eine große Zahl von Zulieferbetrieben. Aber natürlich bietet Mexiko mit 130 Millionen Konsumenten und einer seit Jahren wachsenden Mittelschicht auch darüber hinaus Marktchancen. Etwa für die Pharmabranche und die Medizintechnik, denn eine alternde Bevölkerung führt zu einer höheren Nachfrage nach diesen Produkten.

Wieder in den Fokus der Regierung rückt die Erzeugung von Elektrizität durch die erneuerbaren Energien, nachdem die Vorgängerregierung hier für Verunsicherung und den Stopp vieler Projekte gesorgt hatte.

Eine permanent hohe Nachfrage haben Maschinen, insbesondere Verpackungsmaschinen. Zudem positioniert sich Mexiko immer stärker als Standort für Firmen aus der Luft- und Raumfahrt. Und schließlich: Mexikos Regierung hat große Bahnprojekte angestoßen, 4.000 Kilometer Schienen für Passagierzüge sollen verlegt werden. Das bietet deutschen Technologieanbietern beispielsweise in der Signal- und Sicherheitstechnik Chancen. Unser Team von Trade and Invest steht für Anfragen gerne zur Verfügung.
Wie wichtig sind persönliche Kontakte und Netzwerke für den Geschäftserfolg in Mexiko?
Wie überall in Lateinamerika ist der persönliche Kontakt unverzichtbar. Es reicht nicht, dem Gegenüber ein Produkt oder eine Dienstleistung zu präsentieren sowie ein Preisangebot. Das ist im Normalfall erst der letzte Schritt, dem ein längeres Gespräch vorausgeht. Das findet häufig beim gemeinsamen Frühstück oder Mittagessen statt. Empfehlenswert ist es, wenn der deutsche Geschäftsmann die mexikanische Kultur oder auch die Gastronomie des Landes lobt, das kommt immer gut an. Thematisieren kann man auch Fußball und Familie, mit politischen Äußerungen sollte man hingegen vorsichtig sein.
Wie bewerten Sie die Modernisierung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Mexiko? Welche konkreten Vorteile können sich daraus für deutsche Unternehmen ergeben?
Die Modernisierung ist sinnvoll. Es sind jetzt Aspekte integriert, die bei der ersten Version im Jahr 2000 noch keine Rolle spielten, etwa der Onlinehandel oder Finanzdienstleistungen. Gut ist, dass es künftig bessere Möglichkeiten geben soll, gegen Produktpiraterie vorzugehen, das ist für einige unserer Kammermitglieder ein wichtiges Thema. Auch der stärkere Schutz von Herkunftsbezeichnungen ist ein positiver Aspekt.
Für die Industrieunternehmen, auf die ja unverändert ein Großteil der deutsch-mexikanischen Wirtschaftsaktivitäten entfallen, ändert sich hingegen kaum etwas. Deren Interessen waren schon in der Originalversion des Abkommens umfangreich berücksichtigt.
Neue Marktchancen bietet das aktualisierte Abkommen den Herstellern von Agrarprodukten und Lebensmitteln. Hier gelten aktuell noch Zollsätze von bis zu 100 Prozent, die dann fast gänzlich entfallen sollen.