EU-Indien: Gründe für ein Handelsabkommen
Besserer Marktzugang in Indien: Chancen für die deutsche Wirtschaft
Ein verbesserter Marktzugang in Indien bietet enormes Potential für die deutsche Wirtschaft. Deutschland ist bereits heute der wichtigste Handelspartner Indiens in der EU. Im Jahr 2024 erreichte das bilaterale Handelsvolumen 31 Milliarden Euro – mit einem deutlichen Exportüberschuss auf deutscher Seite. Zu den gefragtesten Exportgütern nach Indien zählen Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Flugzeuge, Schiffe und Züge.
Doch trotz dieser positiven Entwicklung bleibt der Zugang zum indischen Markt herausfordernd. Aktuell listet die Europäische Union 31 offizielle Handelshemmnisse auf, die europäische und insbesondere deutsche Unternehmen belasten. Dazu zählen hohe Importzölle, Exportrestriktionen, Lokalisierungsvorgaben und abgeschottete Dienstleistungssektoren. Hinzu kommen politische Initiativen wie Make in India und Self-reliant India, die lokale Produktion bevorzugen.
Laut einer Umfrage der AHK Indien (Juli 2024) werden 52 Prozent der Unternehmen durch Zollhürden belastet, 43 Prozent durch nicht-tarifäre Handelshemmnisse. Ganze 64 Prozent nennen Bürokratie als zentrale Hürde, 39 Prozent Korruption.
EU-Indien-Handelsabkommen: Schlüssel zu mehr Marktöffnung
Für die deutsche Exportwirtschaft ist es entscheidend, dass ein künftiges EU-Indien-Handelsabkommen den Markt umfassender öffnet als das kürzlich geschlossene Abkommen Indiens mit dem Vereinigten Königreich. In zentralen Industriezweigen – vor allem im Automobilsektor, Maschinenbau und Chemie – sollten indische Zölle vollständig abgebaut werden.
Ebenso wichtig ist, dass vereinfachte Ursprungsregeln und Dokumentationspflichten Unternehmen nicht übermäßig belasten. Nur dann kann das Abkommen seinen Nutzen für deutsche Exporteure und Investoren voll entfalten.
Investitionen, Dienstleistungen und technologische Kooperation
Neben dem Warenhandel spielen Dienstleistungen und Investitionen vor Ort eine immer wichtigere Rolle. Um das Potenzial deutscher Unternehmen in Indien zu stärken, braucht es auch hier umfassende Marktöffnung und den Abbau technischer Handelshemmnisse – etwa bei Zertifizierungen und Verwaltungsauflagen.
Zudem sollten regulatorische Kooperationsforen geschaffen werden, um neue Handelsbarrieren frühzeitig zu verhindern. Auch Vereinbarungen zu fairen Wettbewerbsbedingungen – etwa im Umgang mit Staatsbetrieben und Industriesubventionen – sind unerlässlich. Ein eigenes Mittelstandskapitel im Abkommen könnte insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang erleichtern. Wichtig ist auch, Fachkräfte und Geschäftsreisende vorübergehend leichter einreisen zu lassen.
Geopolitische Bedeutung des EU-Indien-Abkommens
Geopolitisch hat das geplante Abkommen große Tragweite. In Zeiten zunehmender geoökonomischer Spannungen kann eine engere wirtschaftliche Partnerschaft zwischen der EU und Indien helfen, Lieferketten resilienter zu gestalten und strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Parallel dazu verhandeln beide Seiten über ein Investitionsschutzabkommen sowie ein Abkommen zu geografischen Herkunftsangaben.
Der 2023 gegründete EU-Indien-Handels- und Technologierat bietet eine wertvolle Plattform, um in Schlüsselbereichen wie Digitalisierung, Energie oder nachhaltiger Produktion enger zu kooperieren.
Stärkeres Engagement in der WTO bleibt essenziell
Trotz wachsender bilateraler Beziehungen bleibt die Welthandelsorganisation (WTO) das Fundament des internationalen Handels. Deutschland und die EU sollten sich dafür einsetzen, dass Indien wieder konstruktiv an Reformen des multilateralen Handelssystems mitwirkt.
Gelingt es, beim kommenden EU-Indien-Gipfel am 27. Januar 2026 substanzielle Fortschritte zu erzielen, wäre das ein deutliches Signal für Wachstum, Investitionen und wirtschaftliche Stabilität – und ein wichtiger Erfolg für die deutsche Wirtschaft.