Zukunft.Raum.Schwarzwald - Erfolgsgeschichten

Die IHK unterstützt mit dem Förderprojekt Zukunft.Raum.Schwarzwald Unternehmen im Kammerbezirk dabei, sich stark für die Zukunft zu machen.

St. Ferment: Gemeinsam wachsen

Im szenigen Freiburger Stadtteil Wiehre, neben dem alten Straßenbahndepot, befindet sich das Zuhause von St. Ferment. Regalreihen mit Flaschen, leise blubbernde Gärgefäße und ein Laborbereich: Hier hat sich die kleine Kombucha-Brauerei eine Insel geschaffen. St. Ferment wurde 2020 gegründet und steht für handwerklich hergestellten Kombucha - das ist fermentierter Tee -, regional bezogene Zutaten und wertebasiertes Wirtschaften. Gründerin Luna Tarnawiecki Waitkuwait legt Wert auf Transparenz, soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie faire Strukturen in der Produktion. Im hart umkämpften Getränkemarkt ringt die junge Marke mit begrenzten Ressourcen um mehr Marktanteile. Deshalb nahm Tarnawiecki Waitkuwait die Unterstützung des Förderprojekts Zukunft.Raum.Schwarzwald (ZRS) an. Im Rahmen eines durch das Projekt ZRS geförderten Vor-Ort-Coachings mit dem Freiburger Realisierungspartner Machn wurden der Status quo der Brauerei aufgenommen und der Vertriebsprozess systematisch durchleuchtet. Ziel war es, eine strategische Grundlage für den nächsten Wachstumsschritt zu erarbeiten.
Fokussiert in die nächste Wachstumsphase Das Coaching förderte drei zentrale Erkenntnisse für das weitere Vorgehen zutage: Fokus auf den Vertrieb; Gastronomie, regionale Einzelhändler und bewusst konsumierende Endkunden als Hauptabnehmer; externe Impulse gaben Sicherheit, beschleunigten Entscheidungsprozesse und lieferten konkrete Handlungsempfehlungen.
„Endlich ging es mal nur um St. Ferment – auf unsere Bedürfnisse abgestimmt, nicht belehrend, sondern wirklich hilfreich“, beschreibt Tarnawiecki Waitkuwait die Erfahrung mit dem Coaching.
Die geförderte Beratung hat ihr nach eigener Aussage geholfen, mit klarem Fokus und konkreten Handlungsansätzen in die nächste Wachstumsphase zu starten. Bereits umgesetzt hat sie erste operative Schritte: Sie stellte eine weitere Fachkraft ein, lagerte Teile der Produktion zur Skalierung aus und priorisierte vertriebliche Maßnahmen. In den kommenden Monaten stehen regionale Akquise-Aktionen, gezielte Kooperationen mit der Gastronomie und netzwerken im Vordergrund. Ziel ist es, die regionale Sichtbarkeit zu erhöhen, verlässliche Absatzkanäle zu etablieren und wiederkehrende Umsatzquellen aufzubauen. Mit dem neu geschärften Vertriebsfokus und einer klaren Zielgruppenausrichtung legt Tarnawiecki Waitkuwait die Basis, um den nächsten Wachstumsschritt erfolgreich zu gehen.

Black Forest Collective: Vom Projektgeschäft zur klaren Vertriebsstrategie

Das Black Forest Collective (BFC) ist ein Filmproduktions-Kollektiv mit Sitz in Freiburg. Das Unternehmen ist organisch gewachsen und realisiert Filmprojekte (oft mit Bezug zur Natur, Umweltschutz und Nachhaltigkeit) für unterschiedliche Auftraggeber. Um die eigene Zukunftsfähigkeit zu stärken, entschied sich das Team, die bisherige Arbeitsweise strategisch weiterzuentwickeln.
Die Auftragslage des Black Forest Collectives war lange Zeit stark von Einzelprojekten und persönlichen Weiterempfehlungen geprägt. Ein strukturierter Vertriebsansatz fehlte – insbesondere mit Blick auf die systematische Ansprache mittelständischer Unternehmen als neue Zielgruppe. Ziel war es, die Geschäftsgrundlage resilienter aufzustellen und Vertrieb, Ressourcenplanung und Geschäftsmodell planbarer zu gestalten.
Die Beratungsleistung wurde vom Z.R.S.-Realisierungspartner machn durchgeführt und umfasste drei Workshops, ergänzt durch Arbeitsphasen dazwischen. Für diese erhielt das Team konkrete To-dos, die eigenständig erarbeitet werden mussten. Die Ergebnisse konnten anschließend auf weitere Zielgruppen übertragen werden, begleitet durch Online-Sparring. Ein gemeinsames Recap-Meeting bildete den Abschluss und bereitete die Ergebnisse für das gesamte Team auf.
In den Workshops wurden theoretische Grundlagen zu Strategie, Sales-Funnel und Value Proposition vermittelt und direkt auf konkrete Fragestellungen von BFC angewendet. Methoden wie Design Thinking, Brainstormings und das Value Proposition Canvas halfen dabei, Kundenbedürfnisse systematisch zu analysieren und das eigene Leistungsangebot zu schärfen. Der strukturierte Ablauf bot Orientierung und ließ zugleich Raum für offene Diskussionen.
“Wir wollten einen frischen Blick von außen und konkrete Strategien – genau das haben wir bekommen. Der Transfer von der Theorie in die Praxis hat bestens funktioniert” so Janis Klinkenberg, Gründer & Geschäftsführer bei BFC
Ein zentraler Erfolg der Zusammenarbeit ist die neue Klarheit im Vertrieb. Durch die Analyse der verschiedenen Kundentypen versteht das Black Forest Collective (potenzielle) Kunden und deren Bedürfnisse nun wesentlich besser. Die Agentur verfügt nun über einen klar definierten Sales-Funnel, mit dem mittelständische Unternehmen systematisch angesprochen, begleitet und entwickelt werden können. Der Vertrieb folgt damit einem nachvollziehbaren Prozess mit mehreren Touchpoints und weniger dem Bauchgefühl.
Parallel dazu wurde das Leistungsportfolio geschärft und teilweise standardisiert. Klar umrissene Angebotspakete – etwa für Event-Dokumentationen oder Employer-Branding-Videos – ermöglichen es, den eigenen Nutzen schneller und präziser zu kommunizieren. Das vereinfacht sowohl die Kundengewinnung als auch interne Abläufe bei der Angebotserstellung.
Auch organisatorisch hat sich das Unternehmen weiterentwickelt. Rollen und Verantwortlichkeiten wurden bewusster verteilt, insbesondere in den Bereichen Vertrieb, Kommunikation und Netzwerkpflege. Aufgaben, die zuvor stark bei der Geschäftsführung lagen, sind nun auf mehrere Schultern verteilt. Das macht die Organisation insgesamt resilienter und weniger abhängig von einzelnen Personen. Nächste Schritte und Meilensteine sind klar definiert und mit Verantwortlichkeiten versehen; weiterer Entwicklungsbedarf, etwa beim Thema Pricing-Modelle, wurde identifiziert.
Geschäftfsfüher Janis Klinkenberg fasst die Beratung zusammen: "Vor der Beratung haben wir vieles intuitivgemacht, heute agieren wir deutlich planvoller und strategischer.

F. Morat: Kooperation mit der DHWB Lörrach für die KI-gestütze Prozessoptimierung

Die F. Morat & Co. GmbH aus Eisenbach im Hochschwarzwald entwickelt und fertigt präzise Verzahnungsteile, Getriebekomponenten sowie teilmontierte Baugruppen und komplette Antriebssysteme aus Hochleistungskunststoffen für die Automobilindustrie. Für diese Produkte werden komplexe Spritzgusswerkzeuge benötigt, die das Unternehmen selbst konstruiert und herstellt. Besonders die Korrekturphase zwischen ersten Mustern und dem finalen Spritzgussteil ist zeit- und kostenintensiv – mehrere Korrekturschleifen sind hier die Regel. Um Aufwand und Durchlaufzeiten zu reduzieren, suchte F. Morat nach innovativen Ansätzen und knüpfte den Kontakt zur DHBW Lörrach über das Projekt Zukunft.Raum.Schwarzwald (Z.R.S.).
Initiiert wurde die Kooperation durch ein Gespräch mit Patrick Bareiter, Community Manager des Projekts Zukunft.Raum.Schwarzwald (Z.R.S.), der rasch erkannte, dass es bei F. Morat um eine sehr individuelle Optimierung komplexer Fertigungsprozesse geht. Der Kontakt zur DHBW Lörrach wurde über die Kompetenzmanagerin Sandra Mercone hergestellt, um die Problemstellung aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln zu beleuchten. In einem Vor-Ort-Gespräch bei F. Morat wurde die Aufgabe in fachlicher Tiefe mit Prof. Dr. Klemens Schnattinger (Data Science und Künstliche Intelligenz) und Prof. Dr.-Ing. Vanja Spoo (Allgemeiner Maschinenbau) diskutiert. F. Morat bereitete in der Folge die internen Prozesse und vorhandenen Daten auf und visualisierte sie. In einem vertiefenden Meeting vor Ort analysierten alle Beteiligten die Daten und erarbeiteten mehrere Lösungsansätze. Das Ergebnis: Das größte Potenzial zur Reduktion der Korrekturschleifen liegt in einer KI-gestützten Prozessautomatisierung, die auf Basis historischer Korrekturdaten automatische Zuordnungen und Vorschläge liefern kann – und so Zeit und Kosten spart.
„Für uns war nach dem Zweitgespräch klar, dass wir eine Kooperation eingehen wollen. Die ganzheitliche Betrachtung unserer Herausforderungen und der offene und lösungsorientierte Austausch haben uns überzeugt“, so Benjamin Haberbosch, Leitung Technologie und Vertrieb.
Ziel ist ein individuelles KI-Modell, das nicht nur Korrekturschleifen verkürzt, sondern mittelfristig auch die Datenverarbeitung unterstützt und Erkenntnisse für den gesamten Prozess liefert.
Tobias Willmann, Teamleitung Konstruktion, beschreibt die Rolle der KI so: „Wir verstehen die KI in diesem Zusammenhang als unterstützendes Tool. Sie soll unsere Mitarbeitenden bei ihrer täglichen Arbeit eng begleiten und Hinweise und Vorschläge liefern, um zielgerichteter vorzugehen. Statt reiner Datenauswertung soll folglich wieder mehr Raum für qualitativ wertigere Tätigkeiten geschaffen werden.“ Willmann betont zugleich den Aufwand beim Aufbau einer belastbaren Datenbasis, sieht aber erste Vorteile: „Ein Quick-Win ist für uns auf jeden Fall schon jetzt die veränderte Datenaufbereitung. Das hat bereits kleinere Prozessverbesserungen gebracht.“
Die weitere Entwicklung des KI-Modells wird durch die DHBW Lörrach vorangetrieben und soll von einem Studierenden im Rahmen einer anwendungsbezogenen Abschlussarbeit mitbegleitet werden – ein Modell, das kontinuierliche Unterstützung und zugleich die Chance auf Nachwuchs für das Unternehmen bietet.
Prof. Dr. Klemens Schnattinger fasst den Nutzen zusammen: „Mit der KI-gestützten Prozessautomatisierung, insbesondere in den zeitintensiven Korrekturphasen, entsteht eine echte Win-Win-Situation: Unsere Studierenden an der DHBW Lörrach erhalten die Möglichkeit, an praxisnahen Fragestellungen zu arbeiten und ihr Wissen direkt anzuwenden, während F. Morat durch den gezielten Transfer von KI-Know-how ihre internen Abläufe nachhaltig optimiert.“
Prof. Dr.-Ing. Vanja Spoo ergänzt: „Aus maschinenbaulicher Sicht ist dieses Projekt besonders spannend, weil es uns ermöglicht, die komplexen Herausforderungen der Spritzgießtechnik direkt anzugehen. Die Digitalisierung und KI bieten hier enorme Potenziale, die wir gemeinsam mit F. Morat nicht nur theoretisch betrachten, sondern konkret in die Praxis umsetzen.“
Das Projekt ist zugleich Ausdruck der Stärken des Z.R.S.-Netzwerks, das Unternehmen, Hochschulen und Kommunen vernetzt und den Know-how-Transfer in ländlichen Regionen stärkt. Z.R.S. versteht sich als Netzwerk der Netzwerke: Community- und Competence-Manager bringen Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft zusammen, stoßen praxisnahe Projekte an und begleiten deren Umsetzung. So entsteht ein dynamisches Innovationsökosystem – regional verankert, überregional wirksam.