Digitalisierung am südlichen Oberrhein: Ergebnisse der IHK-Standortumfrage 2026
Digitalisierung ist in vielen Unternehmen am Südlichen Oberrhein längst Teil des betrieblichen Alltags. Die entscheidende Frage lautet heute weniger, ob digitalisiert werden soll, sondern wo digitale Lösungen den größten konkreten Nutzen bringen.
- Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- Wo wirkt Digitalisierung in Unternehmen bereits heute?
- Warum werden Daten für Digitalisierung und KI immer wichtiger?
- Wie nutzen Unternehmen am südlichen Oberrhein Künstliche Intelligenz?
- Was bremst die weitere Digitalisierung?
- Welche Rolle spielen Cybersicherheit und NIS-2?
- Was erwarten Unternehmen von der digitalen Verwaltung?
- Was bedeutet die Digitalisierungsumfrage für Unternehmen?
- Wie unterstützt die IHK Südlicher Oberrhein?
- Ergebnisse der Digitalisierungsumfrage
Die aktuelle Digitalisierungsumfrage der IHK Südlicher Oberrhein zeigt deutliche Fortschritte. Gleichzeitig wird sichtbar, dass der nächste Entwicklungsschritt anspruchsvoller wird. Neben der Technologie entscheiden zunehmend Zeit, personelle Kapazitäten, Datenqualität, Kompetenzen und geeignete Rahmenbedingungen darüber, wie erfolgreich Unternehmen ihre digitale Transformation vorantreiben können.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- 81 Prozent der Unternehmen berichten von Fortschritten bei ihrer Digitalisierung innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
- 88 Prozent bewerten Digitalisierung als wichtig oder sehr wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden drei Jahren.
- Rund 73 Prozent haben eine Digitalisierungsstrategie oder Roadmap zumindest teilweise definiert, geplant oder befinden sich in der Entwicklung.
- 46 Prozent nennen fehlende Zeit und Personalkapazitäten als größtes Hemmnis für weitere Digitalisierungsschritte.
- 41 Prozent nutzen Künstliche Intelligenz oder planen ihren Einsatz.
- Für 41 Prozent sind Datenqualität und Vollständigkeit eine zentrale Herausforderung.
Die Ergebnisse machen deutlich: Digitalisierung ist kein Zusatzprojekt mehr. Sie wird zunehmend zu einer Voraussetzung für effiziente Prozesse, belastbare Entscheidungen und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Wo wirkt Digitalisierung in Unternehmen bereits heute?
Digitalisierung beginnt häufig dort, wo im betrieblichen Alltag besonders viele wiederkehrende Prozesse stattfinden. 59 Prozent der befragten Unternehmen nennen Verwaltung und Backoffice als besonders stark von der Digitalisierung betroffen. Dahinter folgen Marketing und Vertrieb sowie die IT.
Das spiegelt sich auch in den Motiven wider. 59 Prozent nennen Kostenreduktion und Effizienzsteigerung als wichtigen Treiber der Digitalisierung, gefolgt von Qualitätsverbesserungen.
Gerade interne Abläufe bieten deshalb häufig einen sinnvollen Einstieg. Dokumente können digital verfügbar gemacht, Informationen zentral gebündelt, wiederkehrende Tätigkeiten automatisiert oder Abstimmungsprozesse beschleunigt werden.
Für Unternehmen lohnt sich dabei vor allem ein Blick auf konkrete Schwachstellen: Wo entstehen unnötige Wartezeiten? Wo werden Informationen mehrfach erfasst? Welche Routinen binden besonders viele personelle Ressourcen?
IHK-Impuls: Digitalisierung muss nicht mit einem Großprojekt beginnen. Ein klar abgegrenzter Prozess mit erkennbarem Nutzen kann der sinnvollere Einstieg sein.
Warum werden Daten für Digitalisierung und KI immer wichtiger?
Daten bilden die Grundlage vieler digitaler Anwendungen. Das gilt für Kundenmanagement, Prozessautomatisierung und Business Intelligence ebenso wie für Künstliche Intelligenz.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage hier deutlichen Handlungsbedarf. 41 Prozent der Unternehmen nennen Datenqualität und Vollständigkeit als zentrale Herausforderung. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten, fehlendes Know-how in der Datenanalyse und Datensilos zwischen verschiedenen Systemen oder Unternehmensbereichen.
Bevor neue Anwendungen eingeführt werden, sollte deshalb geklärt werden, ob die benötigten Daten vollständig, aktuell und zugänglich sind. Ebenso wichtig ist die Frage, wer für ihre Qualität verantwortlich ist und wie Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammengeführt werden können.
IHK-Impuls: Datenqualität ist nicht nur eine technische Frage. Sie betrifft Prozesse, Zuständigkeiten und Unternehmensorganisation.
Wie nutzen Unternehmen am südlichen Oberrhein Künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz ist in den Unternehmen der Region angekommen. 41 Prozent nutzen KI oder maschinelles Lernen bereits beziehungsweise planen entsprechende Anwendungen.
Der Einsatz konzentriert sich bislang vor allem auf leicht zugängliche Anwendungsfelder. Besonders häufig werden Text- und Bildgenerierung sowie Wissensmanagement genannt. Auch Prozessautomatisierung und Kundenkommunikation gewinnen an Bedeutung. Komplexere Anwendungen in Produktion, Qualitätssicherung, Analytik oder Forschung und Entwicklung sind dagegen bislang weniger verbreitet.
Der Einstieg in KI ist damit vergleichsweise einfach geworden. Anspruchsvoller wird die produktive Integration in bestehende Geschäftsprozesse und Systeme.
Unternehmen sollten deshalb nicht mit der Frage beginnen, welches KI-Tool sie einsetzen möchten. Sinnvoller ist die Frage, welches konkrete betriebliche Problem gelöst werden soll, welche Daten dafür notwendig sind und wie sich der Nutzen messen lässt.
IHK-Impuls: KI sollte als Anwendungsfall und nicht zuerst als Tool-Frage betrachtet werden.
Was bremst die weitere Digitalisierung?
Die größten Hindernisse sind nicht primär technologischer Natur. 46 Prozent der Unternehmen nennen fehlende Zeit und Personalkapazitäten als wichtigstes Hemmnis. Dahinter folgen hohe Kosten beziehungsweise fehlende finanzielle Mittel sowie eine teilweise unklare Rentabilität digitaler Investitionen.
Damit verschiebt sich die Herausforderung. Viele Unternehmen kennen geeignete Technologien und sehen deren Potenzial. Schwieriger ist es, Projekte im laufenden Betrieb zu priorisieren, Kompetenzen aufzubauen und ausreichend Ressourcen für die Umsetzung bereitzustellen.
Digitalisierung wird deshalb zunehmend zu einer Managementaufgabe. Entscheidend ist, Projekte nach ihrem tatsächlichen Nutzen auszuwählen und schrittweise umzusetzen.
Welche Rolle spielen Cybersicherheit und NIS-2?
Je digitaler Unternehmen arbeiten, desto wichtiger werden IT-Sicherheit, Datenschutz und regulatorische Orientierung. Die Umfrage zeigt, dass Cyberangriffe auch für Unternehmen am südlichen Oberrhein ein reales Thema sind.
Gleichzeitig besteht bei NIS-2 weiterhin Informationsbedarf. Unternehmen sollten deshalb prüfen, ob sie unmittelbar oder über ihre Liefer- und Kundenbeziehungen von neuen Anforderungen betroffen sein könnten.
Cybersicherheit sollte dabei nicht erst nach einem Vorfall betrachtet werden. Klare Zuständigkeiten, geschützte Systeme, regelmäßige Sensibilisierung und ein grundlegendes Verständnis regulatorischer Anforderungen gehören zunehmend zur digitalen Unternehmensentwicklung.
Was erwarten Unternehmen von der digitalen Verwaltung?
Digitalisierung endet nicht an der Unternehmensgrenze. Unternehmen sind auf funktionierende digitale Schnittstellen zu Behörden und öffentlichen Institutionen angewiesen.
Die Erwartungen der Befragten sind konkret. 59 Prozent wünschen sich vereinfachte Verfahren und weniger Medienbrüche. 57 Prozent nennen bessere Online-Dienste und Formulare, 54 Prozent schnellere Bearbeitungs- und Reaktionszeiten.
Damit wird deutlich: Die digitale Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts hängt nicht allein davon ab, wie digital Unternehmen selbst arbeiten. Auch Verwaltungsprozesse müssen mit der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft Schritt halten.
Die IHK Südlicher Oberrhein greift diese Rückmeldungen auf und bringt die Erfahrungen der regionalen Wirtschaft in den Dialog mit Politik und Verwaltung ein.
Was bedeutet die Digitalisierungsumfrage für Unternehmen?
Die Ergebnisse zeichnen insgesamt ein positives, aber differenziertes Bild. Unternehmen am südlichen Oberrhein treiben ihre Digitalisierung weiter voran. Gleichzeitig verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend von der Einführung einzelner Technologien hin zu ihrer erfolgreichen Integration.
Vier Faktoren werden dabei besonders wichtig:
Prozesse: Digitale Lösungen müssen konkrete Abläufe verbessern.
Daten: Verlässliche und zugängliche Informationen bilden die Grundlage für Automatisierung und KI.
Kompetenzen und Kapazitäten: Unternehmen benötigen Zeit und Wissen, um digitale Projekte konsequent umzusetzen.
Rahmenbedingungen: Sicherheit, Regulierung und leistungsfähige digitale Verwaltungsprozesse beeinflussen den Erfolg der Transformation.
Die zentrale Aufgabe besteht damit nicht darin, möglichst viele neue Technologien einzuführen. Entscheidend ist, diejenigen digitalen Lösungen auszuwählen, die einen konkreten Beitrag zu Effizienz, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit leisten.
Wie unterstützt die IHK Südlicher Oberrhein?
Die IHK Südlicher Oberrhein unterstützt Unternehmen dabei, digitale Herausforderungen einzuordnen und konkrete nächste Schritte zu entwickeln.
Digitalisierung strukturiert angehen
Unternehmen, die ihren Digitalisierungsstand einordnen oder konkrete Maßnahmen entwickeln möchten, können die Digitalisierungsberatung der IHK nutzen.
Digitale und innovative Vorhaben finanzieren
Für Unternehmen mit konkreten Investitions- oder Innovationsprojekten bietet die IHK Orientierung zu geeigneten Förderprogrammen.
Künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen
Informations- und Veranstaltungsangebote unterstützen Unternehmen dabei, geeignete KI-Anwendungsfälle zu identifizieren und den Einsatz im Betrieb einzuordnen.
Cybersicherheit und NIS-2 einordnen
Unternehmen können sich zu Risiken, Präventionsmaßnahmen und regulatorischen Anforderungen informieren.
Technologiepartner und Kooperationen finden
Die IHK unterstützt bei Technologietransfer, Vernetzung und der Suche nach geeigneten Partnern aus Wirtschaft und Forschung.
Ergebnisse der Digitalisierungsumfrage
Die IHK-Standortumfrage zur Digitalisierung wurde von November 2025 bis Januar 2026 durchgeführt. 80 Unternehmen beteiligten sich an der branchenübergreifenden Befragung, 61 Rückmeldungen konnten ausgewertet werden.
Untersucht wurden unter anderem Digitalisierungsstand, Hemmnisse, eingesetzte Technologien, Künstliche Intelligenz, Daten, Cybersicherheit, NIS-2, digitale Verwaltung und Unterstützungsbedarfe.
Weiterführender Beitrag: „Es bleibt viel zu tun“ – Wirtschaft im Südwesten
Quelle: IHK Südlicher Oberrhein, Standortumfrage Digitalisierung 2025/2026.
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