Standortumfrage 2025: Ergebnis nach Kategorie
Verkehr und Infrastruktur
Eine gut funktionierende Infrastruktur ist essenziell für Unternehmen. Dabei zählen zur Infrastruktur nicht nur Verkehrswege, sondern auch die Versorgung mit schnellem Internet und ein flächendeckendes Mobilfunknetz sowie die Erreichbarkeit für Kunden, Mitarbeitende und Lieferverkehr. Unter den zehn wichtigsten Standortfaktoren, die die Firmen bei der IHK-Standortumfrage als besonders relevant ansahen, rangierten demzufolge gleich drei Aspekte, welche die Infrastruktur betreffen. Spitzenreiter ist die Versorgung mit schnellem Internet – sie ist für die befragten Unternehmen der wichtigste Einzelfaktor mit einer Relevanz von 94 Prozent. Dicht gefolgt von einem schnellen Mobilfunk mit einer Relevanz von 90 Prozent.
Die Zufriedenheit der Betriebe mit diesen Faktoren ist allerdings nur gering ausgeprägt. Lediglich die Note 2,94 gibt es von den Firmen für die Versorgung mit schnellem Internet. Das Mobilfunknetz wird im Durchschnitt mit der Note 2,97 bewertet. Bei diesem Faktor gibt es teils beträchtliche Unterschiede zwischen den städtischen und ländlichen Standorten über den Kammerbezirk hinweg.
Die höchste Zufriedenheit in der Kategorie Verkehr und Infrastruktur wird bei der Stabilität des Stromnetzes (2,12) und der Anbindung an die Autobahn (2,17) erreicht. Beide Faktoren erzielen auch hohe Relevanzwerte mit 90 und 77 Prozent. Bei der Anbindung an die Autobahn gibt es, genauso wie bei der Anbindung an den Schienenfernverkehr (Note 2,65), Unterschiede in der Bewertung innerhalb des Kammerbezirks. Diese ist hauptsächlich mit der großen Ausdehnung und der damit einhergehenden Entfernung mancher Standorte von der Autobahn sowie der Haltepunkte im Schienenfernverkehr zu erklären. Die Werte bei der Anbindung an den Schienennahverkehr und ÖPNV (Note 2,70) bewertet die Mehrheit der Firmen eher mittelmäßig. Hier ergeben sich aufgrund der großen Fläche des Kammerbezirks insbesondere in den eher ländlich geprägten Ortenaukreis sowie im Landkreis Emmendingen schwächere Werte als in den übrigen Teilregionen des Kammerbezirks.
Die Note 2,99 gibt es für die Frage nach der Zufriedenheit bei der Anbindung an einen Flughafen, wobei dieser Faktor mit 22 Prozent mit eher geringer Relevanz eingestuft wird. Anders formuliert: Längst nicht jeder Betrieb ist auf einen (regelmäßigen) Flugverkehr angewiesen.
Weniger zufrieden sind die Unternehmen auch mit dem Zustand und der Leistungsfähigkeit der innerörtlichen Straßen, diesen Faktor bewerten sie mit 3,00 und wird damit nochmals schwächer bewertet als im Jahr 2023. Fazit: die Straßeninfrastruktur verliert an Substanz.
Kosten und Flächen
Kosten sind für die Unternehmen im IHK-Bezirk Südlicher Oberrhein ein wichtiges Thema, wenn es um den Standort geht. Gerade die Höhe der Energiekosten, aber auch Höhe der Gewerbesteuer, ebenso wie die Höhe der kommunalen Abgaben spielen eine bedeutende Rolle – dies zeigt der Blick auf die Bewertung der Relevanz, die bei 87, 81 und 75 Prozent liegt. Die Zufriedenheit ist bezüglich dieser Standortfaktoren naturgemäß nicht sehr groß, wenn auch je nach der Höhe der festgesetzten Hebesätze und Gebühren sehr unterschiedlich. So geben die Unternehmen der Höhe der Gewerbesteuer sowie der Höhe der Grundsteuer an ihrem Standort nur die Note 3,38, bzw. 3,40.
Mit der Höhe der Energiekosten sind die Unternehmen im Gesamtdurchschnitt am wenigsten zufrieden (Note 3,72). Gerade energieintensive Unternehmen sind auf konkurrenzfähige Strompreise angewiesen, die aufgrund der Unsicherheiten und Veränderungen am Energiemarkt deutlich angestiegen sind und sich von der Energiepreisen umliegender Industriestaaten stark abheben.
Ein unzufriedenes Bild zeichnen die Unternehmen mit den Standortfaktoren im Bereich Flächen und Wohnen, welche die schlechtesten Bewertungen erhalten. Dies drückt sich insbesondere im Faktor Verfügbarkeit von Wohnimmobilien(Miete/Kauf) aus, der mit der Note 4,00 am schlechtesten beurteilt wird. Auch die Verfügbarkeit von Gewerbeimmobilien/-flächen wird lediglich mit der Note 3,57 und die Miet-/Kaufpreise von Wohnimmobilien (3,91) und Miet-/Kaufpreise Gewerbeimmobilien/-flächen (3,59) werden nur schwach beurteilt. Eine deutlich angespanntere Lage im Bereich des Wohnens und der Gewerbe(büro)flächen zeigt der Süden des Kammerbezirks, hier insbesondere die Stadt Freiburg, im Gegensatz zu den Höhenlagen des Schwarzwaldes und der Ortenau. Zwischenzeitlich gibt es allerdings starke Ausstrahlungstendenzen in die umliegenden Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen.
Arbeitsmarkt und Qualifizierung
Die Erkenntnis ist nicht neu: Der Bedarf der Betriebe an qualifizierten Fachkräften und auch nicht-qualifizierten Arbeitskräften kann häufig vom Arbeitsmarkt nicht mehr gedeckt werden. Allerdings zeigen die Antworten der Standortumfrage, dass sich sowohl die Relevanz als auch die Bewertung in den arbeitsmarktbetreffenden Faktoren etwas entspannt hat, wenn auch der Handlungsbedarf hier mit Blick auf die Zukunft immer noch groß ist. Die Verfügbarkeit von qualifizierten kaufmännischenArbeitskräften ist mit einer Relevanz von 68 Prozent ein wichtiger Standortfaktor. Dicht gefolgt von der Verfügbarkeit von geeigneten Ausbildungsbewerber:innen.
Die Unternehmen zeigen sich mit diesen relevanten Faktoren allerdings eher unzufrieden am jeweiligen Standort. Die Zufriedenheit bei der Verfügbarkeit von geeigneten Ausbildungsbewerber:innen liegt nur bei schwachen 3,62. Für die Verfügbarkeit von qualifizierten technischen Fachkräften gibt es nur die Note 3,54. Die Vergleichswerte in dieser Kategorie zeigen im Vergleich mit den Vorjahren eine leichte Entspannung. Dass sich der Arbeitsmarkt verändert, ist auch am südlichen Oberrhein angekommen - weniger Betriebe sind derzeit auf der Suche nach Arbeitskräften.
Mit dem Schulangebot (2,45) sind die Betriebe in der Region zufrieden. Die Kooperation mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen (2,83) ist mittelmäßig bewertet und genießt mit einer Relevanz von 31 Prozent keinen sehr hohen Stellenwert für die Betriebe am südlichen Oberrhein. Die Auswertungen zeigen, dass vorrangig große Unternehmen die Nähe zu Schulen und Hochschulen schätzen.
Verwaltung und Wirtschaftsförderung
Im Bereich der Verwaltung und Wirtschaftsförderung sind den Unternehmen die Wirtschaftsfreundlichkeit der Gemeindeverwaltung, aber auch die Bearbeitungsdauer von Genehmigungs- und Antragsverfahren in der Gemeinde vergleichsweise wichtig. Hier werden Werte in der Relevanz von 83 und 70 Prozent erreicht.
Allerdings zeigen sich die Betriebe insbesondere mit der Bearbeitungsdauer von Genehmigungs- und Antragsverfahrenin der Gemeinde (Note 3,35) und dem Angebot digitaler Verwaltungsverfahren in der Gemeinde (Note 3,49) zwar immer noch unzufrieden – allerdings hat sich die Verschlechterung der Vorjahre leicht umgekehrt. Neu ist die dezidierte Abfrage nach den Werten in der Kommune und den Landkreise. Zweiteres wird bei etwas geringerer Relevanz noch schwächer bewertet.
Es besteht in den kommenden Jahren noch Luft an oben, um im Bereich E-Government mehr Dienstleistungen digital von den Verwaltungen für die Wirtschaft anzubieten. Auch die Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltungen ist verbesserungswürdig und mit 3,07 auf kommunaler Ebene und 3,18 auf Landkreisebene benotet.
Lebensqualität
Sie zählt zu den sogenannten weichen Standortfaktoren: die Lebensqualität. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels und der damit einhergehenden Notwendigkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, spielen Kriterien wie die Verfügbarkeit von Wohnraum und Kinderbetreuung, das regionale Kulturangebot und die generelle Aufenthaltsqualität eine immer wichtigere Rolle.
Wie die IHK-Standortumfrage 2025 zeigt, gehört die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Region Südlicher Oberrhein für die befragten Unternehmen zu den wichtigsten Standortfaktoren. Die abgefragten Faktoren Lebens- und Aufenthaltsqualität, das Kultur-, Sport- und Freizeitangebot, das Einzelhandelsangebot und Nahversorgung, die Medizinische Versorgung sowie die Gastronomische Versorgung sind allesamt mit Relevanz-Spitzenwerten von über 80 Prozent bewertet worden.
Die Unternehmen zeigen sich indes auch zufrieden mit den weichen Standortfaktoren in der Region. Insbesondere bei der Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie dem Kultur-, Sport- und Freizeitangebot werden Spitzenbewertungen mit Noten von 1,97 und 2,20 erreicht. Bei der Betrachtung der Teilregionen im Kammerbezirk sind insbesondere die Unternehmen in Freiburg mit dem Kultur-, Sport- und Freizeitangebot (2,03), aber auch mit der Gastronomischen Versorgung und Medizinischen Versorgung (beides 2,17) zufrieden. Die Zufriedenheit in Bezug auf die Lebens- und Aufenthaltsqualität ist über den gesamten Kammerbezirk sehr hoch.
Lediglich die Betreuungsangebote für (Klein-)Kinder sind mit 67 Prozent zwar nicht ganz so relevant, erreichen mit der Note 2,81 auch nur einen mittelmäßigen, aber etwas entspannteren Wert als in der Vorjahresbefragung.
Die hohe Relevanz im Bereich der Lebensqualität in Verbindung mit einer hohen Zufriedenheit der Unternehmen weist auf einen besonderen Standortvorteil hin, der für die gesamte Region von hoher Bedeutung ist.