Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026
Das Jahr 2026 beginnt für die südbadische Wirtschaft mit einer konjunkturellen Belebung. Über alle Branchen hinweg bewerten die Unternehmen am Oberrhein ihre Geschäftslage besser als im vergangenen Herbst. So steigt der Index der Geschäftslage um 8 Punkte und befindet sich mit 13 Punkten nun immerhin auf seinem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. 31 Prozent der Unternehmen geben eine gute Geschäftslage an, 17 Prozent sind mit den aktuellen Geschäften unzufrieden.
Während bei den Dienstleistern die Lage wie schon zuletzt überdurchschnittlich gut ist, bildet das Schlusslicht in dieser Hinsicht weiterhin die Industrie. Zwar hat sich auch hier die Lage im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessert, noch immer aber halten sich Unternehmen mit guter bzw. schlechter Geschäftslage in der Industrie gerade einmal die Waage. Während sich Auftragseingang und Exporterwartungen etwas stabilisiert haben, bereiten das unsichere weltpolitische Umfeld den Unternehmen weiterhin große Sorgen. Das wiederholte Drohen der USA mit neuen Zöllen und der politische Schlingerkurs hinsichtlich einer Ratifizierung des Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur ist der Zuversicht der Branche nicht zuträglich. 60 Prozent der Industrieunternehmen sehen in geopolitischen Spannungen ein Risiko fürs eigene Geschäft – ein Wert, der im Frühjahr 2023 noch bei 23 Prozent lag.
Aber auch in anderen Branchen mangelt es nicht an Herausforderungen. So wurde zum 1. Januar der gesetzliche Mindestlohn für alle Wirtschaftszweige auf 13,90 Euro pro Stunde erhöht. Innerhalb von vier Jahren ist dieser nun um über 40 Prozent angewachsen – in Zeiten schwacher Konjunktur. Dies betrifft nicht nur jene, die diesen erhalten, sondern setzt alle Unternehmen unter Druck, qualifizierteren Kräften einen Lohn deutlich über diesem zu zahlen. Entsprechend wundert es nicht, dass 58 Prozent der Unternehmen in den Arbeitskosten ein Risiko für sich sehen – der zweithöchste Wert in den vergangenen fünfzehn Jahren. Aufgrund des demografischen Wandels werden zu den Lohnsteigerungen absehbar in den nächsten Jahren auch noch steigende Sozialbeiträge hinzukommen.
Trotz des konjunkturellen Impulses herrscht daher kaum Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft. Der Index der Geschäftserwartungen verliert sogar wieder an Boden. Lag er im Herbst immerhin noch bei -3 Punkten, rutscht er zum Jahresbeginn auf -7 Punkte tiefer in den negativen Bereich ab. Nur 15 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften im Jahr 2026, für 22 Prozent ist der Ausblick trübe – breiter Optimismus sieht anders aus. Die bisher weit hinter den Erwartungen gebliebenen Reformbemühungen der Regierung und die eher populistisch geführten Diskussionen um ebensolche, haben viele Unternehmer enttäuscht, die sich von einem Regierungswechsel eine echte „Wirtschaftswende“ erhofft hatten.
Tief im roten Bereich bleiben auch die Beschäftigungserwartungen. Im Vergleich zum Herbst verliert der Index nochmal drei Punkte und sinkt auf -14 Punkte ab. 24 Prozent der Unternehmen planen mit weniger Stellen, nur 10 Prozent denken an Beschäftigungsaufbau. Längst ist die konjunkturelle Flaute auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Kontinuierlich ist die Zahl der Arbeitssuchenden im Kammerbezirk von Jahr zu Jahr gestiegen. Auch der der Januar 2026 bildet hier keine Ausnahme. Insgesamt waren 28.297 Personen vergeblich auf der Suche nach einer Arbeit und damit 6.473 Personen mehr als vor vier Jahren.
Den detaillierten Konjunkturbericht mit Angaben zu einzelnen Branchen finden Sie als Download anbei.