Unsere Botschafter:innen: Erfolgreich in der Region
Unsere Standortbotschafter:innen können aus erster Hand von den Stärken und Potenzialen des südlichen Oberrheins berichten. Ihre Erfolgsgeschichten zeigen, warum es sich lohnt, hier zu bleiben, hier zu investieren und hier zu arbeiten. Wir zeigen bekannte Gesichter aus der Wirtschaft, aber auch Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Sport, die den Standort Südlicher Oberrhein in besonderer Weise positiv repräsentieren.
Jeden Monat repräsentiert eine andere Persönlichkeit als IHK-Botschafter:in den Standort Südlicher Oberrhein.
Standortbotschafter September:
Karlkristian Dischinger, karldischinger group
Karlkristian Dischinger führt ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Dabei versteht er sich weniger als Besitzer, denn als Gestalter auf Zeit: verwurzelt in der Region, offen für Wandel und überzeugt davon, dass Zukunft nur gemeinsam entsteht.
Der Spiegel in seinem Büro gehörte einst einem ehemaligen Mitarbeiter. Beim Blick hinein sieht man nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen hinter einem. Es ist ein unscheinbares Detail mit Symbolkraft. Denn wer führt, muss nicht nur wissen, wohin er will. Er muss auch sehen, wer hinter ihm steht, wer mitgeht und für wen er Verantwortung trägt. Ein Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch Karlkristian Dischingers Leben zieht: Familie, Unternehmen, Ehrenamt und Zukunft lassen sich nur gemeinsam gestalten.
Tradition, Innovation und gemeinsam Zukunft gestalten: Die drei Nordsterne aus dem Leitbild der Unternehmensgruppe karldischinger beschreiben nicht nur die Ausrichtung des Familienunternehmens. Sie beschreiben auch den Menschen an seiner Spitze: Karlkristian Dischinger. Wer mit dem geschäftsführenden Gesellschafter spricht, begegnet keinem Unternehmer, der in erster Linie über Zahlen, Fahrzeuge oder Standorte spricht. Ihn beschäftigen Menschen, Verantwortung und die Frage, wie man heute die richtigen Entscheidungen trifft, damit auch morgen noch etwas bleibt.
Schon als Kind war das Unternehmen Teil seines Alltags. Während andere Taschengeld bekamen, galt bei Familie Dischinger ein anderer Grundsatz: „Ohne Leistung gibt es nichts." Im Lager mithelfen, Aufgaben übernehmen, Verantwortung übernehmen. Der Gedanke, dass Leistung und Verantwortung zusammengehören, hat ihn geprägt. Gleichzeitig erlebte er das Familienunternehmen nie als Belastung, sondern als etwas Positives. Zu Hause wurde nicht über Probleme geklagt, sondern über Chancen gesprochen und darüber, gemeinsam etwas zu bewegen.
Schon als Kind war das Unternehmen Teil seines Alltags. Während andere Taschengeld bekamen, galt bei Familie Dischinger ein anderer Grundsatz: „Ohne Leistung gibt es nichts." Im Lager mithelfen, Aufgaben übernehmen, Verantwortung übernehmen. Der Gedanke, dass Leistung und Verantwortung zusammengehören, hat ihn geprägt. Gleichzeitig erlebte er das Familienunternehmen nie als Belastung, sondern als etwas Positives. Zu Hause wurde nicht über Probleme geklagt, sondern über Chancen gesprochen und darüber, gemeinsam etwas zu bewegen.
Eigene Fußstapfen hinterlassen
„Eigentlich war das nie der große Plan, in die Nachfolge zu gehen“, erinnert er sich. „Es war dann zwar eine bewusste Entscheidung, aber ich bin reingerutscht.“ Eine praktische Aufgabe im Unternehmen änderte seine Perspektive. Für ein geplantes Studium im Bereich Restrukturierung und Sanierung bot ihm sein Vater eine Alternative an: Erst einen sanierungsbedürftigen Standort in der Praxis übernehmen, danach könne er immer noch seinen eigenen Weg gehen. Aus dem vorübergehenden Engagement wurde eine langfristige Entscheidung. Heute führt er die Unternehmensgruppe in fünfter Generation.
Über seinen Vater spricht der 42-Jährige mit Respekt, aber nicht mit Ehrfurcht. Die Fußstapfen einer bekannten Unternehmerpersönlichkeit seien groß. Dennoch habe er früh gelernt, dass Nachfolge nicht bedeute, in denselben Spuren zu gehen. Jeder müsse seinen eigenen Weg finden. Dabei half ihm ein Übergabeprozess, der von Vertrauen geprägt war. Diese Übergabe hatte er an drei Bedingungen geknüpft. „Ich mache das sehr gerne, aber nicht wie du.“ Er sehe sich nicht als Sonnenkönig, sondern wolle das Unternehmen breiter aufgestellt führen, sagte er seinem Vater. Auch das klassische Speditionsgeschäft wolle er ausbauen. Und als dritte Bedingung, die ihm heute noch sehr wichtig ist: „Ich mache das sehr gerne, aber du bist nicht sofort weg.“ Denn die Erfahrung, das Netzwerk und das Wissen seines Vaters waren und sind ihm extrem wichtig. Sein Vater habe ihn machen lassen und steht auch heute noch als Berater zur Seite, wenn er gebraucht werde. Der Übergang klingt harmonisch, wenngleich beide die größten Kritiker des jeweils anderen seien. Das allerdings stets im direkten Gespräch und mit dem gemeinsamen Anspruch, nach außen als Einheit aufzutreten.
Über seinen Vater spricht der 42-Jährige mit Respekt, aber nicht mit Ehrfurcht. Die Fußstapfen einer bekannten Unternehmerpersönlichkeit seien groß. Dennoch habe er früh gelernt, dass Nachfolge nicht bedeute, in denselben Spuren zu gehen. Jeder müsse seinen eigenen Weg finden. Dabei half ihm ein Übergabeprozess, der von Vertrauen geprägt war. Diese Übergabe hatte er an drei Bedingungen geknüpft. „Ich mache das sehr gerne, aber nicht wie du.“ Er sehe sich nicht als Sonnenkönig, sondern wolle das Unternehmen breiter aufgestellt führen, sagte er seinem Vater. Auch das klassische Speditionsgeschäft wolle er ausbauen. Und als dritte Bedingung, die ihm heute noch sehr wichtig ist: „Ich mache das sehr gerne, aber du bist nicht sofort weg.“ Denn die Erfahrung, das Netzwerk und das Wissen seines Vaters waren und sind ihm extrem wichtig. Sein Vater habe ihn machen lassen und steht auch heute noch als Berater zur Seite, wenn er gebraucht werde. Der Übergang klingt harmonisch, wenngleich beide die größten Kritiker des jeweils anderen seien. Das allerdings stets im direkten Gespräch und mit dem gemeinsamen Anspruch, nach außen als Einheit aufzutreten.
Tradition als Kompass
Die erste urkundliche Erwähnung als Fuhrunternehmung geht zurück auf das Jahr 1470. Wenngleich zwischendurch die weitere Dokumentation lückenhaft ist, so begründet dies eine lange Tradition. Diese bedeutet für Karlkristian Dischinger nicht Bewahren um jeden Preis. Sie ist für ihn vielmehr ein Kompass. Die Herkunft zu kennen, die Werte zu achten und gleichzeitig offen für Neues zu bleiben. „Tradition betrachte ich nicht als Hemmschuh, sondern eher als Guideline, als den Erfahrungsschatz, den man mitbekommt und die Werte, die es gilt, weiterzutragen“, erklärt der gebürtige Freiburger. Diese Haltung erklärt auch, weshalb er die Zukunft seiner Branche mit großer Offenheit betrachtet. Elektromobilität, künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren sind für ihn keine Schlagworte, sondern Entwicklungen, mit denen sich Unternehmen aktiv auseinandersetzen müssen. „Wir sind in einem konstanten Wandel, nicht nur wir als Unternehmen, sondern auch als Gesellschaft, als Land, als Region.“ Wer stehen bleibe, werde irgendwann überholt.
Dabei versteht er Innovation weniger als technologische Disziplin, denn als Haltung. Man spürt, wie Neues auszuprobieren, Dinge anders zu denken und Veränderungen als Chance zu begreifen ihn antreibt, ihn begeistert. "Immer das Gleiche machen ist doch langweilig." Dieser Satz wirkt wie eine kurze Zusammenfassung seines Verständnisses von Unternehmertum.
Dabei versteht er Innovation weniger als technologische Disziplin, denn als Haltung. Man spürt, wie Neues auszuprobieren, Dinge anders zu denken und Veränderungen als Chance zu begreifen ihn antreibt, ihn begeistert. "Immer das Gleiche machen ist doch langweilig." Dieser Satz wirkt wie eine kurze Zusammenfassung seines Verständnisses von Unternehmertum.
Treuhänder auf Zeit
Am deutlichsten wird seine Haltung jedoch beim Thema Verantwortung. Für Dischinger ist die jeweils führende Generation lediglich Treuhänder des Unternehmens. Die Aufgabe bestehe darin, ein Unternehmen so zu entwickeln, dass auch die nächste Generation Gestaltungsmöglichkeiten hat. Das gilt nicht nur für die eigene Familie. Seine beiden Söhne sollen später selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen möchten. Als Vater sieht er seine Aufgabe darin, Werte zu vermitteln, Orientierung zu geben und ein gutes Umfeld zu schaffen, nicht darin, Druck auszuüben.
Dinge bewegen
Der Gedanke des Treuhänders zieht sich auch durch sein Engagement außerhalb des Unternehmens. Seit vielen Jahren ist Karlkristian Dischinger ehrenamtlich aktiv. Beim Round Table hat er regional und bundesweit seine Spuren hinterlassen, ohne sich selbst je in den Vordergrund zu stellen. Das gemeinsame Gestalten ist auch hier der Antrieb. Sein Maß für Erfolg ist nicht das Tragen eines Titels. Wie auch im Unternehmen geht es ihm hier um die Sache. „Man kann immer viel nörgeln, aber man muss dann halt auch machen.“ Dinge bewegen, das ist sein Ding. Wenn er über Ehrenamt spricht, spricht er auch über Gesellschaft. Er beobachtet mit Sorge, dass viele Begegnungen heute digital stattfinden und der persönliche Austausch seltener wird. „Wir haben nicht ohne Grund ein Kneipen- und ein Diskothekensterben in den Städten.“ Früher, erzählt er, seien Menschen selbstverständlich zusammengekommen: im Verein, bei Veranstaltungen, am Stammtisch oder im Ehrenamt. Dort seien unterschiedliche Meinungen aufeinandergetroffen, diskutiert und eingeordnet worden. Heute verstärkten soziale Medien oft das, was Menschen ohnehin schon denken. Auch wenn er die Chancen sozialer Medien ausdrücklich anerkennt, so entstünden doch Algorithmen getriebene Echokammern statt echte Begegnungsräume.
Für Dischinger sind Ehrenamt und wirtschaftliches Engagement deshalb mehr als gesellschaftliche Pflichtübungen. Institutionen wie die IHK sind für ihn weit mehr als Interessenvertretungen der Wirtschaft. Sie sind Orte des Austauschs. Orte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen und gemeinsame Lösungen suchen. Wieder taucht jener Gedanke auf, der sich durch sein gesamtes Leben zieht: Zukunft entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Für Dischinger sind Ehrenamt und wirtschaftliches Engagement deshalb mehr als gesellschaftliche Pflichtübungen. Institutionen wie die IHK sind für ihn weit mehr als Interessenvertretungen der Wirtschaft. Sie sind Orte des Austauschs. Orte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen und gemeinsame Lösungen suchen. Wieder taucht jener Gedanke auf, der sich durch sein gesamtes Leben zieht: Zukunft entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Die Region im Blick
Als neuer stellvertretender Präsident der IHK Südlicher Oberrhein sieht er sich nicht als Repräsentant eines einzelnen Unternehmens, sondern als Mitgestalter der Region. „Wir haben das große Glück, in einer sehr, sehr wirtschaftsstarken Region zu sein.“ Besonders die Themen Bildung, Ausbildung und Unternehmensnachfolge liegen ihm am Herzen. Die wichtigste Ressource des Südlichen Oberrheins seien nicht Rohstoffe oder Flächen, sondern die Menschen. "Unsere Rohstoffe sind das, was zwischen den Schultern steht", formuliert er es. Auch deshalb setzt er sich für eine stärkere Wertschätzung der beruflichen Bildung ein. Nicht jeder müsse studieren, sagt er. „Die klassischen Ausbildungsberufe sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.“ Mit knapp 100 Auszubildenden übernimmt sein Unternehmen selbst Verantwortung für die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig wirbt er dafür, Nachfolge stärker als Zukunftschance zu begreifen. Während Start-ups oft große Aufmerksamkeit erhalten, würden viele etablierte Familienunternehmen händeringend nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern suchen. Diese beiden zusammenzubringen wäre für ihn ein spannendes Projekt, in dem er enormes Potenzial sieht.
Wer Karlkristian Dischinger zuhört, begegnet einem überzeugten Optimisten, einem bekennenden Südbadener und Europäer. Nicht naiv, sondern pragmatisch. Er spricht offen über wirtschaftliche Unsicherheiten, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Veränderungen. Gleichzeitig richtet er den Blick stets auf das, was sich gestalten lässt. Er habe aufgehört, sich über Dinge aufzuregen, die er nicht beeinflussen könne, sagt er. Stattdessen konzentriere er sich auf das, was in seinem eigenen Verantwortungsbereich liegt.
Der Spiegel in seinem Büro zeigt nicht nur das eigene Spiegelbild, sondern auch die Menschen hinter einem. Vielleicht liegt genau darin Karlkristian Dischingers Verständnis von Führung: Verantwortung statt Besitzdenken, Wandel statt Stillstand, Orientierung geben und dabei nie zu vergessen, dass Zukunft dort entsteht, wo Menschen bereit sind, gemeinsam etwas zu bewegen.
Wer Karlkristian Dischinger zuhört, begegnet einem überzeugten Optimisten, einem bekennenden Südbadener und Europäer. Nicht naiv, sondern pragmatisch. Er spricht offen über wirtschaftliche Unsicherheiten, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Veränderungen. Gleichzeitig richtet er den Blick stets auf das, was sich gestalten lässt. Er habe aufgehört, sich über Dinge aufzuregen, die er nicht beeinflussen könne, sagt er. Stattdessen konzentriere er sich auf das, was in seinem eigenen Verantwortungsbereich liegt.
Der Spiegel in seinem Büro zeigt nicht nur das eigene Spiegelbild, sondern auch die Menschen hinter einem. Vielleicht liegt genau darin Karlkristian Dischingers Verständnis von Führung: Verantwortung statt Besitzdenken, Wandel statt Stillstand, Orientierung geben und dabei nie zu vergessen, dass Zukunft dort entsteht, wo Menschen bereit sind, gemeinsam etwas zu bewegen.
Übersicht aller Standortbotschafter:innen
- Standortbotschafterin August: Brigitta Schrempp
Brigitta Schrempp ist eine Macherin. Zusammen mit ihrem Mann Gustel Schrempp gründete sie ein Softwareunternehmen, als der Begriff „Digitalisierung“ noch gar nicht existierte und E-Mails noch Zukunftsmusik waren. Mit Weitblick und eisernem Optimismus führt sie seit 46 Jahren ihre Firma schrempp edv. „Ich habe immer nach vorne geschaut“, sagt die Ortenauerin, die heute zu den prägendsten Unternehmerpersönlichkeiten am südlichen Oberrhein zählt.Nach ihrer Ausbildung als Kauffrau im Groß- und Außenhandel startete die Offenburgerin beim Markant-Gründer Adolf Spinner ins Berufsleben. Dort kam sie erstmals mit der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in Berührung. Als aus dem Großhandel die Anfrage kam, ein Warenwirtschaftssystem für den Verkauf zu „dialogisieren“ – das heißt zu digitalisieren –, machten sie und ihr Mann sich selbstständig und gründeten 1980 in der gemeinsamen Einliegerwohnung die Firma schrempp edv: „Heute würde man sagen, wir waren ein Start-up, aber den Namen hat man damals noch nicht gekannt.“
Sie übernahm die Systemanalyse und das Kaufmännische, ihr Mann das Technische und die Programmierung. Nachdem ihr erstes EDV-Programm deutschlandweit im Handel zum Einsatz kam, folgte der nächste Meilenstein: der Schritt in die industrielle Anwendung. Dafür entwickelten sie ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) für den Mittelstand, mit dem alle Prozesse in der Fertigungsindustrie digital abwickelt werden können. Ihre Kunden aus Deutschland, der Schweiz und Österreich nutzen das Software-Paket noch heute.Mittlerweile ist Brigitta Schrempp seit 46 Jahren Geschäftsführerin von schrempp edv. Sie hat erlebt, wie ihre Branche die Welt und die Menschheit innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert hat – gipfelnd in der Künstlichen Intelligenz (KI): „Das wird Berufsfelder und Berufsbilder ändern, wie damals, als die Dampfmaschine erfunden wurde.“ In dieser schnelllebigen, sich ständig wandelnden IT-Branche setzte sie auf langsames, aber stetes Wachstum. In den ersten fünfzehn Jahren nach der Gründung wuchs ihr Unternehmen auf sieben Mitarbeitende heran, mit denen sie 1995 in das heutige Firmengebäude in Lahr zogen. Aktuell beschäftigt sie 85 Mitarbeitende, darunter sechs Auszubildende für Wirtschaftsinformatik.In der bis heute männerdominierten IT-Branche sah Schrempp sich immer wieder mit Vorbehalten konfrontiert. Doch davon ließ sie sich nicht beirren: „Die Bestätigung kommt dann, wenn man seine Sache gut macht.“ Jungen Unternehmerinnen rät sie, den Vorurteilen keinen Raum zu geben, „sein Ding durchzuziehen und zu beweisen, dass man es kann“. Optimismus ist für sie eine Frage der Haltung: „Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch. Mein Glas ist immer halbvoll. Ich bin eine Macherin.“ Diese radikal optimistische Grundhaltung trägt sie auch in Krisenzeiten. Als ihr Mann 2012 tödlich verunglückte, dachten viele, dass sie die Firma verkaufen würde. Doch nur zwei Tage nach dem Unfall war für sie klar: „Ich mach das.“ Diese Entscheidung war rückblickend die größte Herausforderung ihrer Karriere – bereut hat sie diesen Schritt nie.Mit dem Erfolg als alleinige Geschäftsführerin kam auch die Anerkennung – und zwar in Form von Vertrauen: Immer öfter wurde sie gefragt, ob sie ehrenamtlich einen Posten im Vorstand übernehmen würde. „Die Leute haben Vertrauen in mich, dass ich das kann.“ Dieses Gefühl ist für sie der größte Erfolg ihrer Karriere. Schrempp übernahm von da an zahlreiche Posten als erste Frau, darunter auch das Amt der Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein. In ihre Ehrenämter investiert sie gerne Zeit: „Ich kann in den Sitzungen meine Impulse einbringen. Gleichzeitig nehme ich wieder neue Impulse mit und sehe die Welt auch mal mit anderen Augen.“Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland sagt die Unternehmerin: „Es gibt immer magere und fette Jahre. Da darf man sich nicht ins Boxhorn jagen lassen, wenn’s mal ein Jahr nicht gut geht.“ Sie ist überzeugt, dass es auch wieder bergauf gehen wird und sieht in den Phasen, in denen die Wirtschaft stagniert oder stillsteht, auch eine Chance: „Man muss die Zeit dafür nutzen, sich selbst zu reflektieren und die Prozesse im eigenen Haus zu durchleuchten.“ Den südlichen Oberrhein sieht sie für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Die Region sei durch ihre diversifizierte Wirtschaftsstruktur aus Großindustrie, Mittelstand und Familienunternehmen „gesegnet“: „Diese Struktur, die wir hier haben, bringt uns nach vorne.“Die Arbeit nimmt einen hohen Stellenwert in Schrempps Leben ein. Abschalten kann die 70-Jährige dennoch gut – am liebsten zusammen mit Freunden beim Grillen im Garten oder beim Golfspielen. Im Urlaub zieht es sie in die Fjorde nach Norwegen oder ins schottische Hochland: „Das Nordische, diese Urgewalten gefallen mir gut.“ Aber ihre Heimat ist und bleibt die Ortenau: „Wenn ich unterwegs bin und heimkomme, dann freue ich mich jedes Mal.“ Die hügelige Landschaft rund um Lahr ist für sie „die Toskana der Ortenau“. - Standortbotschafterin Juli: Evelyn Paul
Wenn das Telefon klingelt und Unternehmen aus aller Welt mit einem Problem anrufen, blüht Evelyn Paul auf. Egal, ob es um die Reklamation von Biounterwäsche oder den reibungslosen Transport von Herzklappen und menschlichem Gewebe über den Atlantik geht – sie findet eine Lösung. Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Die Geschäftsleiterin von Office & Phone ist keine Office-Managerin im klassischen Sinne. In der über 25-jährigen Erfolgsgeschichte ihres Unternehmens hat sie die Grenzen dessen, was unter Büromanagement vorstellbar ist, immer weiter verschoben.Evelyn Paul beschreibt sich selbst als „tiefbadisches Kind“. Nach ihrem Abschluss am kaufmännischen Berufskolleg absolviert die gebürtige Kippenheimerin eine Ausbildung als Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Ins Berufsleben startet sie bei der Sparkasse in der Immobilienabteilung, gründet mit 24 Jahren eine Familie und kauft mit ihrem Mann ein Haus in Lahr. Nach der Geburt des zweiten Kindes arbeitet sie zunächst in einer Versicherungsagentur und dann in einem Bauunternehmen – sie liebt ihren Job.Im Jahr 2000 nahm ihr Leben eine spontane Wende: Die fünfköpfige Bürogemeinschaft ihres Mannes in Freiburg suchte jemanden für Verwaltungsaufgaben – ohne Erfolg: „Keiner wollte eine eigene Sekretärin, aber jeder wollte die Vorzüge einer Sekretärin“, erinnert sich Paul. Der Gedanke, für viele Chefs gleichzeitig zu arbeiten und den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, reizte sie – „da war das Samenkörnchen gesetzt“. Sie gründete Office & Phone und machte sich selbstständig. Schnell kamen Aufträge auch von extern, der Kundenkreis wuchs und mit ihm ihr Team.Heute leitet Evelyn Paul das Unternehmen gemeinsam mit ihrer Tochter. Rund 140 Kunden betreut das neunköpfige Team am Standort in Freiburg und seit 2020 auch in Lahr. Sie selbst pendelte zwanzig Jahre lang aus Lahr nach Freiburg. Um ihrer Tochter dies zu ersparen, und um die mentale Grenze zwischen dem Breisgau und der Ortenau zu überwinden, eröffnete sie mitten in Corona das zweite Büro in Lahr: „Solange wir in Lahr keinen Standort hatten, hatten wir keine Kunden aus der Ortenau.“
Zu ihren Dienstleistungen gehören unter anderem der Telefonservice, die Sachbearbeitung, die Buchhaltung und die Vermietung von Workspaces mit „Rundum-Vollkasko-Versorgung“. Doch die Aufträge sind so vielfältig wie ihre Kunden, die ihre Services aus der ganzen Welt in Anspruch nehmen. Lediglich Australien und Afrika fehlen noch in der Liste. Englisch ist daher genau wie Deutsch Arbeitssprache. Sprachbarrieren, landesspezifische Gesetze und EU-Verordnungen hin oder her: „Wir stellen uns auf das ein, was unsere Kunden wollen.“Es gibt fast nichts, was Evelyn Paul und ihr Team nicht machen. Für einen dänischen Biounterwäsche-Produzenten wickelten sie von der Bestellannahme über die Reklamation bis hin zum Zahlungsverkehr alles ab. Dafür eignete sie sich Wissen über die biologische Herstellung und das ökologische Färben von Kleidungsstücken an. „Wenn jemand Merinowolle falsch wäscht, dann ist es halt keine Reklamation.“ Ihr Job ist es dann auch, den Endkunden „freundlich, aber bestimmt“ klarzumachen, warum es kein Geld zurückgibt.Einen Kunden wird Evelyn Paul nicht so schnell vergessen. Elf Jahre lang arbeitete sie im Auftrag eines amerikanischen Unternehmens, das menschliches Gewebe zur Transplantation aufbereitete; dabei handelte es sich um Herzklappen und Blutgefäße. Paul und ihr Team stellten sicher, dass bei einer Gewebespende alle im europäischen Transplantationsgesetz vorgeschriebenen Unterlagen rechtzeitig und vollständig vorhanden waren und dass das Spendergewebe dann innerhalb der Haltbarkeitsfrist sicher aus Amerika nach Deutschland in die Klinik kam: „Wenn dieses Gewebe nicht innerhalb von drei Tagen aus dem Tiefkühler in Amerika beim Empfänger eingesetzt wird, kann man es nicht mehr verwenden – dabei geht‘s tatsächlich um Leben und Tod.“ Da muss sehr schnell gehandelt werden, wenn z. B. die Box mit der tiefgefrorenen Herzklappe beim Zoll hängen bleibt.Was sie antreibt? „Wir haben wenig Tage, wo wir nicht irgendwas Neues dazulernen.“ Eine Kollegin sagte einmal zu ihr: „Das ist hier jeden Tag eine Bildungsreise.“ Evelyn Paul ist fest davon überzeugt: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Bei der Gründung von Office & Phone gab es natürlich schon PCs, jedoch war vieles noch Handarbeit. Das Unternehmen ist weit vorne bei der Digitalisierung und technisch immer auf einem aktuellen Stand. Selbstverständlich nutzt Evelyn Paul auch Künstliche Intelligenz. Sie ist überzeugt, dass sich ihre Arbeit dadurch in den kommenden Jahren weiter drastisch verändern wird. Doch ihr Erfolgsrezept ist das individuelle Eingehen auf die Bedürfnisse ihrer Kunden – so chaotisch sie auch sein mögen. Emotionen und Vertrauen spielen dabei eine entscheidende Rolle: „Das kann zumindest heute noch keine KI.“Offenheit und Flexibilität prägen auch ihre Unternehmenskultur. Als selbstständige Unternehmerin und zweifache Mutter weiß sie, wie schwierig der Spagat zwischen Familie und Beruf ist. Deshalb dürfen ihre Mitarbeitenden Kinder und Hunde ins Büro mitbringen oder auch mal von zuhause arbeiten: „Wenn ich damals diese Möglichkeit nicht gehabt hätte, wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, sagt Paul. Auf Veranstaltungen wurde sie von Männern oft süffisant belächelt. Doch derlei Vorbehalte prallten an ihr ab. Evelyn Paul ist selbstbewusst und weiß sich zu behaupten – ihr Motto: „Ich bin so emanzipiert, ich kann mir sogar die Tür aufhalten lassen.“Dieses Jahr hat Evelyn Paul ihren 60. Geburtstag gefeiert. Die Arbeit hat für sie nach wie vor einen großen Stellenwert im Leben: „Natürlich ist die Firma mein drittes Kind.“ Selbst im Urlaub fällt es ihr schwer, den Optimierungsmodus abzulegen – immerzu fragt sie sich: „Wie könnte man dieses oder jenes besser hinkriegen?“ An einem Ort gelingt es ihr dann doch: In ihrem großen Garten – „da kann ich total abschalten“. Gärtnern, Lesen, Schnitzen und Bildhauen – für ihre Hobbys nimmt sie sich Zeit. So sehr ihr die Arbeit auch Spaß macht, ist sie für Paul nicht alles im Leben: „Wir arbeiten, um zu leben und nicht umgekehrt.“ Mittlerweile arbeitet sie an vier Tagen die Woche „lange und viel“ und nimmt sich den Freitag frei. Dann ist sie als „Vollzeit-Oma“ voll und ganz für ihre Enkel da. - Standortbotschafter Juni: Matthias Rothacher
Auf dem Freiburger Mundenhof begann eine Erfolgsgeschichte, die heute weit über Südbaden hinausreicht. Dort legte Matthias Rothacher den Grundstein für Hofeis und später Black Forest Ice Cream – Marken, die inzwischen deutschlandweit erhältlich sind, unter anderem in den Bordbistros der Deutschen Bahn sowie bei verschiedenen Fluggesellschaften. Aus einer regionalen Idee entstand innerhalb weniger Jahre ein Unternehmen mit nationaler Reichweite.Die ersten Eisbecher entstanden noch direkt auf dem Freiburger Mundenhof, produziert in einer umgebauten Schreinerei auf dem Gelände des Tierparks. Dort experimentierte Rothacher mit Rezepturen, regionalen Zutaten und handwerklicher Herstellung. Besucher des Mundenhofs konnten das Eis direkt vor Ort probieren – ein Vorteil, der half, schnell eine treue Kundschaft aufzubauen. Mit wachsender Nachfrage reichten die Kapazitäten dort jedoch bald nicht mehr aus. Die Produktion wurde deshalb nach Schallstadt verlegt, wo die Schwarzwälder Eismanufaktur heute auf deutlich größerer Fläche Hofeis und Black Forest Ice Cream für den bundesweiten Vertrieb herstellt.
Rothacher erkannte früh, dass viele Verbraucher nach hochwertigen Produkten mit nachvollziehbarer Herkunft suchen. Statt auf reine Massenproduktion setzte er auf Qualität, regionale Identität und einen modernen Markenauftritt. Der Schwarzwald wurde dabei nicht nur Namensgeber, sondern zum zentralen Bestandteil der Unternehmensidee. Viele Sorten orientieren sich an klassischen Rezepturen, andere greifen internationale Trends auf – immer verbunden mit dem Anspruch, ein Premiumprodukt aus der Region anzubieten.Mit dem Wachstum professionalisierte sich das Unternehmen konsequent. Aus den kleinen handwerklichen Anfängen entwickelte sich ein moderner Produktionsbetrieb mit den logistischen Voraussetzungen, um große Partner zuverlässig zu beliefern. Gerade die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und internationalen Fluglinien gilt dabei als wichtiger Meilenstein. Solche Kooperationen setzen konstante Qualität, hohe Hygienestandards und stabile Lieferketten voraus – Anforderungen, denen sich die Schwarzwälder Eismanufaktur erfolgreich gestellt hat.Heute steht Matthias Rothacher beispielhaft für eine neue Generation mittelständischer Lebensmittelunternehmer: regional verwurzelt, zugleich aber mit nationalem Anspruch. Dass aus einer Idee auf dem Freiburger Mundenhof eine Marke entstanden ist, die in ganz Deutschland verkauft wird, zeigt, wie sich handwerkliche Qualität, klare Markenführung und unternehmerischer Mut verbinden lassen. Die Geschichte von Hofeis und Black Forest Ice Cream ist damit nicht nur die Geschichte eines erfolgreichen Produkts, sondern auch die eines Unternehmens, das den Schwarzwald als modernes Qualitätsversprechen neu interpretiert hat. - Standortbotschafter Mai: Fritz Keller
Fritz Keller gehört zu den prägenden Unternehmerpersönlichkeiten am Kaiserstuhl. Geboren wurde er 1957 in Freiburg im Breisgau, aufgewachsen ist er in Vogtsburg im Kaiserstuhl, einer vom Weinbau geprägten Region.Seine Herkunft ist eng mit Gastronomie und Wein verbunden. Der Vater entwickelte das Familienweingut weiter, die Mutter zählte zu den ersten Sterneköchinnen Deutschlands. Keller verbrachte Teile seiner Schulzeit im Internat und arbeitete früh im Betrieb mit. Nach seiner Ausbildung kehrte er in das Unternehmen zurück und baute es gemeinsam mit der Familie aus. Heute verbindet der Betrieb Weinbau, Gastronomie und Handel. Ein markantes Element ist der sogenannte „Weinbunker“, in dem zahlreiche Jahrgänge unter konstanten Bedingungen gelagert werden – ein Hinweis auf die langfristige Ausrichtung des Unternehmens.Zum Unternehmen gehört auch die Vermarktung von Weinen über den Lebensmitteleinzelhandel, unter anderem über Aldi. Damit erreicht der Betrieb neben der Gastronomie und dem Fachhandel auch ein breiteres Publikum und verbindet regionale Produktion mit überregionaler Distribution.
Eine besondere Rolle in seiner Biografie spielt Fritz Walter, der sein Patenonkel war. Die Begegnungen mit dem Weltmeister von 1954 brachten Keller früh in Kontakt mit dem Profifußball und seinen Persönlichkeiten.Sein eigenes Engagement im Fußball führte ihn zunächst zum SC Freiburg. 2010 wurde er zum Präsidenten gewählt und trat die Nachfolge von Achim Stocker an. Keller blieb bis 2019 im Amt und begleitete den Verein in einer Phase struktureller Weiterentwicklung. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Vorbereitung zentraler Zukunftsprojekte des Clubs.Im Herbst 2019 wurde Keller zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gewählt. Seine Amtszeit stand im Kontext umfassender Reformdebatten innerhalb des Verbands und endete im Mai 2021 mit seinem Rücktritt.Neben dem Kerngeschäft initiierte Keller Projekte wie das Festival Pinot and Rock, das seit 2017 in Breisach am Rhein stattfindet und Musik mit regionaler Weinkultur verbindet. - Standortbotschafter April: Karl und David Duttlinger
Die August Weckermann KG aus Eisenbach im Hochschwarzwald gehört zu den Hidden Champions des deutschen Mittelstands. Seit der Gründung im Jahr 1885 entwickelte sich das Unternehmen vom Uhrmacherbetrieb zu einem hochspezialisierten Industrieunternehmen. Im Zentrum steht bis heute eine besondere Kompetenz: die Diamantierung von Oberflächen.In diesem Bereich nimmt Weckermann eine weltweit führende Rolle ein. Die hochpräzisen, spiegelglatten Oberflächen kommen unter anderem in Premium-Armaturen, in der optischen Industrie oder in hochwertigen Schreibgeräten zum Einsatz. Die Kombination aus jahrzehntelanger Erfahrung und technologischer Weiterentwicklung bildet die Grundlage dieser Position.Geprägt wird das Unternehmen von der Unternehmerfamilie Duttlinger. Vater Karl Josef Duttlinger und Sohn David Duttlinger führen den Betrieb gemeinsam. Zwei Generationen, die unterschiedliche Perspektiven einbringen: Erfahrung, Kontinuität und ein tiefes Verständnis für gewachsene Strukturen auf der einen Seite – neue Impulse, technologische Offenheit und der Blick nach vorn auf der anderen. Gerade dieses Zusammenspiel erweist sich als tragfähig für die Weiterentwicklung des Unternehmens.Tief verwurzelt ist Weckermann im Hochschwarzwald. Der Standort Eisenbach, historisch geprägt durch die Uhrenindustrie, zählt heute zu den bedeutenden Zentren spezialisierter Fertigung. Für das Unternehmen ist dieser Ort mehr als ein Produktionsstandort. Er bildet die Grundlage für Identität, Fachkräfte und ein gewachsenes industrielles Umfeld. Trotz steigender Anforderungen und globaler Märkte fiel die Entscheidung bewusst zugunsten des Standorts.Ein sichtbares Zeichen dafür ist der neue Produktionsstandort im Ortsteil Oberbränd. Hier entstand eine hochmoderne Fertigung, die bereits heute nahezu energieautark betrieben wird. Photovoltaik, Energiespeicher und der Einsatz von Wasserstoff bilden die Basis dieses Konzepts. Effizienz und Nachhaltigkeit greifen dabei ineinander und machen den Standort zu einem Beispiel für zukunftsfähige Industrie im ländlichen Raum.Mit rund 150 Mitarbeitenden, spezialisiertem Know-how und kontinuierlichen Investitionen in Technologie und Ausbildung gelingt es Weckermann, seine Position langfristig zu sichern. Die Verbindung aus regionaler Verwurzelung, technischer Präzision und unternehmerischer Weitsicht zeigt, wie Weltmarktführerschaft auch außerhalb der großen Zentren entstehen und bestehen kann.
- Standortbotschafter März: Robin Rombach
Robin Rombach gilt als einer der einflussreichsten Köpfe der europäischen KI-Szene. Als Co-Gründer und CEO des Freiburger Start-ups Black Forest Labs zeigt er, dass bahnbrechende Technologie nicht zwingend aus dem Silicon Valley kommen muss.Rombach ist in Freiburg geboren und studierte von 2013 bis 2020 Physik in Heidelberg. Dabei entdeckte er sein Interesse für KI-erzeugte Bilder: Wie können Bilder besser und effizienter generiert werden? Dieser Frage widmete er sich anschließend im Rahmen seiner Promotion an der LMU München. Am Computer Vision Lab von Professor Björn Ommer forschte Rombach zu KI-basierter Bildgenerierung und entwickelte mit seinem Forscher-Team das Text-zu-Bild-Modell Stable Diffusion, das weltweit zur Grundlage für die moderne KI-Bildgenerierung wurde. Das KI-Modell verbreitete sich in rasantem Tempo, inspirierte eine neue Welle kreativer Anwendungen und machte generative KI erstmals für breite Nutzergruppen anwendbar.Nach zwei Jahren als Forschungsleiter beim Londoner Start-up Stability AI gründete Rombach zusammen mit dem aus Elzach stammenden Andreas Blattmann und acht weiteren Forscher-Kollegen im März 2024 Black Forest Labs (BFL). Seine Mitgründer hatte Rombach bereits während des Studiums in Heidelberg, der Promotion in München und seiner Arbeit bei StabilityAI kennengelernt.
Ende August 2024 brachte BFL mit FLUX das erste eigene Text-zu-Bild-Modell heraus und erzeugte damit enorme Resonanz bei Investoren. Die drei großen Finanzierungsrunden im August und November 2024 sowie im November 2025 brachten BFL zusammen über 450 Millionen Dollar Kapital ein. Der wichtigste Partner war dabei die amerikanische Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz. Die KI-Bild-Modelle von BFL wurden seitdem weiterentwickelt, und Ende 2025 brachte BFL mit FLUX 2 ein KI-Bildmodell heraus, das in direkter Konkurrenz mit den Bildmodellen der größten Tech-Giganten steht. Rombach gibt sich im „Handelsblatt“ selbstbewusst: „Wir sind bei KI-Bildern inzwischen der größte Konkurrent von Google. Und das aus Freiburg heraus. Wir zeigen, was man von hier aus erreichen kann.“ Seine Expertise ist auch beim diesjährigen Käpsele Innovation Festival am 16 Juli gefragt, wo er als Speaker auftritt.Die FLUX-Modelle von BFL gelten durch ihre Schnelligkeit, Präzision und Kosteneffizienz zu den Marktführern in der Bildgenerierung. Sie wurden von namhaften Unternehmenskunden wie Adobe, Canva, Mercedes, Meta, Microsoft, Netflix, Nvidia, Samsung und Telekom integriert. Rombach arbeitet mit seinem Team derzeit an einem Modell zur KI-Generierung von Videos. Mit gerade einmal 50 Mitarbeitenden hat BFL unter der Führung von Robin Rombach einen Raketenstart hingelegt: Das Freiburger Start-up wurde im Dezember 2025 mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet und gehört damit zu den Einhörnern (Unternehmen ab über 1 Milliarde US-Dollar Marktwert). BFL ist in Deutschland Spitzenreiter und zählt in Europa zu den wertvollsten KI-Firmen.Der Name des Start-ups ist Programm: Rombach hat sich bewusst für den Standort Freiburg entschieden. Zwar ist durch den Zweitsitz in San Francisco die Nähe zu den Tech-Giganten im Silicon Valley gegeben; dennoch lässt Rombach seine Investoren zu Gesprächen nach Freiburg kommen: „Um denen zu zeigen, was Europa auszeichnet: die Qualität der Forschung – und wie offen man sich über Durchbrüche austauscht und diese weiterentwickelt. Das hat viele Entwicklungen möglich gemacht und sorgt dafür, dass Technologie aus Europa global Verbreitung findet. Die Amerikaner sind sehr gut darin, zu skalieren und Produkte zu entwickeln. Wir wollen die Stärken beider Kontinente verbinden.“ (Quelle Handelsblatt) Robin Rombach hat eine klare Vision: KI soll nicht in den Händen der amerikanischen Tech-Giganten liegen, sondern auch für den Rest der Welt zugänglich und transparent sein. Dazu müssen europäische KI-Firmen wettbewerbsfähig bleiben. - Standortbotschafterin Februar: Dorothea Helmer
Dorothea Helmer ist Wissenschaftlerin, Gründerin und Unternehmerin mit einer klaren Vision: Sie will die Glasindustrie revolutionieren. Helmer hat in Karlsruhe Chemie studiert und anschließend promoviert. Als Junior-Doktorandin arbeitete sie 2014 zunächst im NeptunLab in Freiburg, wo sie 2018 das Start-up Glassomer gründete.Zusammen mit ihren Forscherkollegen Bastian Rapp und Frederik Kotz entwickelt sie erstmals die gleichnamige Technologie, die es ermöglicht, Glas mit dem 3D-Drucker zu drucken. Dieses weltweit einzigartige Verfahren ist eine Revolution in der Glasherstellung, die eine lange Tradition hat.Seit über 4.000 Jahren wird der Werkstoff Glas aus Sand, Kalk und Natrium unter hohem Energieaufwand hergestellt. Es ist deshalb sehr aufwendig und teuer, Glas in Form zu bringen. Aus Zeit- und Kostengründen wird die Fotolinse im Smartphone deshalb aus Kunststoff hergestellt, dabei wäre Glas viel resistenter gegen Umwelteinflüsse. Die neue 3D-Druck-Technologie von Glassomer ermöglicht es, Glas so leicht zu formen wie Kunststoff. Mit ihrer Glassomer-Technologie haben Helmer und ihr Team es weltweit in die großen Medien geschafft – so berichteten unter anderem die New York Times und BBC über die Erfindung.
Hauptberuflich ist Dorothea Helmer als Wissenschaftlerin am Freiburger Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) tätig. Dort leitet sie ihr eigenes Labor, das HelmerLab, in dem sie mit ihrem Team zu 3D-Druck, Oberflächen und Materialien forscht. Mit ihrer Firma Glassomer ist Helmer noch am Anfang einer großen Reise. Noch findet die Produktion im Labor in kleinen Serien statt. Ziel ist es jedoch, die industrielle Glasproduktion zu revolutionieren. „Wir hatten hier noch vor drei Jahren absolut leere Hallen und jetzt sind wir eine richtig gut laufende Firma mit tollem Equipment, tollen Leuten, darauf sind wir sehr, sehr stolz“, beschreibt Helmer den Aufstieg ihres Start-ups.Dorothea Helmer forscht jedoch nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern trägt ihr Wissen und ihre Erkenntnisse in die Öffentlichkeit. Die Forscherin und Unternehmerin versteht es, innerhalb weniger Minuten chemische Zusammenhänge und komplexe Fragen einem breiten Publikum in einfacher Sprache mit Witz und Humor zu vermitteln. Dieses Talent für Wissenschaftskommunikation stellte sie bereits bei zahlreichen Pitches und Science Slams unter Beweis.Hören Sie hier unsere zweite Folge „BOSS STORYS | Erfolgsgeschichten, die Mut machen" mit Dorothea Helmer. - Standortbotschafter Januar: Roland Mack
Roland Mack wurde 1949 in Waldkirch geboren. Er wuchs in der traditionsreichen Schausteller- und Unternehmerfamilie Mack auf, die seit dem 18. Jahrhundert im Südschwarzwald tätig ist. Was mit dem Bau von Holz- und Leiterwagen im kleinen Handwerksbetrieb begann, avancierte im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung und Produktion von Fahrgeschäften zu einem Weltmarktführer in der Freizeitbranche.Bereits während seines Maschinenbaustudiums in Karlsruhe arbeitete Roland Mack zusammen mit seinem Vater Franz Mack an der Realisierung eines eigenen Freizeitparks. Er entwickelte erste Ideen und hielt sie zeichnerisch auf Papier fest. Im Jahr 1975 stieg der erst 25-jährige Diplomingenieur in siebter Generation in das Unternehmen seines Vaters ein. Im selben Jahr öffnete der Europa-Park in Rust seine Pforten.Die erste Investition zum Bau des Europa-Parks und weitere Schritte zur Verbesserung des Parks wie etwa die Gründung des ersten Hotels erforderten immer wieder Mut. Die Risikobereitschaft und die Investitionen zahlten sich aus: Heute gehört der Europa-Park zu den erfolgreichsten Freizeitparks der Welt. Im November 2025, 50 Jahre nach der Gründung des Parks, begrüßte Roland Mack den 150-millionsten Besucher des Europa-Parks.
Der Europa-Park fungiert nicht nur als Schaufenster für die Fahrattraktionen des Waldkircher Herstellungsunternehmens Mack Rides. Für die Besucher:innen aus aller Welt ist der Park ein Fenster zur geografischen und kulturellen Vielfalt Europas, die als Inspirationsquelle für über 100 Attraktionen und 20 Themenbereiche dient. Für den internationalen Erfolg des Europa-Parks in der Freizeitparkbranche spielen die zentrale Lage in Europa sowie die Grenznähe zu Frankreich und zur Schweiz als Alleinstellungsmerkmal eine entscheidende Rolle. Der Park bringt Menschen aus Europa und der Welt zusammen und versteht sich als Brückenbauer zwischen den unterschiedlichen Ländern und Kulturen des europäischen Kontinents.Schrittweise übergibt Roland Mack die Geschäftsführung in die Hände seiner drei Kinder. Doch er lenkt noch immer die Geschicke des Parks, der für ihn immer mehr war als ein Unternehmen: „Ich habe die Arbeit nie als Arbeit empfunden. Es war mein Leben.“ Für sein Lebenswerk erhielt Roland Mack zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.Hören Sie hier unsere erste Folge „BOSS STORYS | Erfolgsgeschichten, die Mut machen" mit Roland Mack. - Standortbotschafterin Dezember: Birte Hackenjos
Birte Hackenjos ist Chief Executive Officer (CEO) und zusammen mit Harald Wagner geschäftsführende Direktorin und Mitglied des Verwaltungsrates der Haufe Group SE. Die Haufe Group ist ein führender B2B-Anbieter für integrierte Unternehmens- und Arbeitsplatzlösungen. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Freiburg unterstützt Menschen und Unternehmen in ihrer unternehmerischen Entwicklung und bei der erfolgreichen Gestaltung von Transformationsprozessen – mit Content, Software und Weiterbildung. Zu den bekanntesten Marken der Unternehmensgruppe gehören Haufe, Lexware und Haufe Akademie.Birte Hackenjos ist studierte Volljuristin und bereits seit 1997 für die Haufe Group tätig, damals als eine der ersten Digitalredakteur:innen. Seitdem gestaltete sie in verschiedenen Verantwortlichkeiten innerhalb der Unternehmensgruppe die Transformation der Haufe Group entscheidend mit. Unter anderem arbeitete sie intensiv an der Digitalisierung des klassischen Verlagsgeschäfts und trieb den strategischen Umbau des Portfolios aktiv voran. Zuletzt war sie von 2013 bis 2020 Chief Operating Officer (COO), bevor sie 2020 als geschäftsführende Direktorin der Haufe Group SE berufen wurde.
Als CEO gestaltet Birte Hackenjos jeden Tag Veränderung und ist überzeugt, dass Wandel unternehmerisch wie gesellschaftlich zahlreiche Chancen bietet. Getrieben von einem tiefen Verständnis für Marktdynamiken und einer klaren Vision für die Zukunft bringt sie Wachstum und Verantwortung in Einklang. Ihr Ziel ist es, die Haufe Group als Organisation zukunftsfähig aufzustellen und nachhaltig zu führen.Sie engagiert sich in verschiedenen Ehrenämtern und branchenübergreifenden Gremien, unter anderem als Vorstandsmitglied von Baden-Württemberg: Connected e.V. (bwcon) sowie als Vorsitzende des Hochschulrates der Freiburger Hochschule für Musik. Sie ist ambitionierte Cellistin und spielt unter anderem regelmäßig bei „The Management Symphony“. Als Ausdauersportlerin fährt sie Rennrad und Mountainbike.