Unsere Botschafter:innen: Erfolgreich in der Region

Unsere Standortbotschafter:innen können aus erster Hand von den Stärken und Potenzialen des südlichen Oberrheins berichten. Ihre Erfolgsgeschichten zeigen, warum es sich lohnt, hier zu bleiben, hier zu investieren und hier zu arbeiten. Wir zeigen bekannte Gesichter aus der Wirtschaft, aber auch Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Sport, die den Standort Südlicher Oberrhein in besonderer Weise positiv repräsentieren.
Jeden Monat repräsentiert eine andere Persönlichkeit als IHK-Botschafter:in den Standort Südlicher Oberrhein.

Standortbotschafter September:
Karlkristian Dischinger, karldischinger group

Karlkristian Dischinger führt ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Dabei versteht er sich weniger als Besitzer, denn als Gestalter auf Zeit: verwurzelt in der Region, offen für Wandel und überzeugt davon, dass Zukunft nur gemeinsam entsteht.
Der Spiegel in seinem Büro gehörte einst einem ehemaligen Mitarbeiter. Beim Blick hinein sieht man nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen hinter einem. Es ist ein unscheinbares Detail mit Symbolkraft. Denn wer führt, muss nicht nur wissen, wohin er will. Er muss auch sehen, wer hinter ihm steht, wer mitgeht und für wen er Verantwortung trägt. Ein Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch Karlkristian Dischingers Leben zieht: Familie, Unternehmen, Ehrenamt und Zukunft lassen sich nur gemeinsam gestalten.
Karlkristian Dischinger
Tradition, Innovation und gemeinsam Zukunft gestalten: Die drei Nordsterne aus dem Leitbild der Unternehmensgruppe karldischinger beschreiben nicht nur die Ausrichtung des Familienunternehmens. Sie beschreiben auch den Menschen an seiner Spitze: Karlkristian Dischinger. Wer mit dem geschäftsführenden Gesellschafter spricht, begegnet keinem Unternehmer, der in erster Linie über Zahlen, Fahrzeuge oder Standorte spricht. Ihn beschäftigen Menschen, Verantwortung und die Frage, wie man heute die richtigen Entscheidungen trifft, damit auch morgen noch etwas bleibt.

Schon als Kind war das Unternehmen Teil seines Alltags. Während andere Taschengeld bekamen, galt bei Familie Dischinger ein anderer Grundsatz: „Ohne Leistung gibt es nichts." Im Lager mithelfen, Aufgaben übernehmen, Verantwortung übernehmen. Der Gedanke, dass Leistung und Verantwortung zusammengehören, hat ihn geprägt. Gleichzeitig erlebte er das Familienunternehmen nie als Belastung, sondern als etwas Positives. Zu Hause wurde nicht über Probleme geklagt, sondern über Chancen gesprochen und darüber, gemeinsam etwas zu bewegen.
Eigene Fußstapfen hinterlassen
„Eigentlich war das nie der große Plan, in die Nachfolge zu gehen“, erinnert er sich. „Es war dann zwar eine bewusste Entscheidung, aber ich bin reingerutscht.“ Eine praktische Aufgabe im Unternehmen änderte seine Perspektive. Für ein geplantes Studium im Bereich Restrukturierung und Sanierung bot ihm sein Vater eine Alternative an: Erst einen sanierungsbedürftigen Standort in der Praxis übernehmen, danach könne er immer noch seinen eigenen Weg gehen. Aus dem vorübergehenden Engagement wurde eine langfristige Entscheidung. Heute führt er die Unternehmensgruppe in fünfter Generation.

Über seinen Vater spricht der 42-Jährige mit Respekt, aber nicht mit Ehrfurcht. Die Fußstapfen einer bekannten Unternehmerpersönlichkeit seien groß. Dennoch habe er früh gelernt, dass Nachfolge nicht bedeute, in denselben Spuren zu gehen. Jeder müsse seinen eigenen Weg finden. Dabei half ihm ein Übergabeprozess, der von Vertrauen geprägt war. Diese Übergabe hatte er an drei Bedingungen geknüpft. „Ich mache das sehr gerne, aber nicht wie du.“ Er sehe sich nicht als Sonnenkönig, sondern wolle das Unternehmen breiter aufgestellt führen, sagte er seinem Vater. Auch das klassische Speditionsgeschäft wolle er ausbauen. Und als dritte Bedingung, die ihm heute noch sehr wichtig ist: „Ich mache das sehr gerne, aber du bist nicht sofort weg.“ Denn die Erfahrung, das Netzwerk und das Wissen seines Vaters waren und sind ihm extrem wichtig. Sein Vater habe ihn machen lassen und steht auch heute noch als Berater zur Seite, wenn er gebraucht werde. Der Übergang klingt harmonisch, wenngleich beide die größten Kritiker des jeweils anderen seien. Das allerdings stets im direkten Gespräch und mit dem gemeinsamen Anspruch, nach außen als Einheit aufzutreten.
Tradition als Kompass
Die erste urkundliche Erwähnung als Fuhrunternehmung geht zurück auf das Jahr 1470. Wenngleich zwischendurch die weitere Dokumentation lückenhaft ist, so begründet dies eine lange Tradition. Diese bedeutet für Karlkristian Dischinger nicht Bewahren um jeden Preis. Sie ist für ihn vielmehr ein Kompass. Die Herkunft zu kennen, die Werte zu achten und gleichzeitig offen für Neues zu bleiben. „Tradition betrachte ich nicht als Hemmschuh, sondern eher als Guideline, als den Erfahrungsschatz, den man mitbekommt und die Werte, die es gilt, weiterzutragen“, erklärt der gebürtige Freiburger. Diese Haltung erklärt auch, weshalb er die Zukunft seiner Branche mit großer Offenheit betrachtet. Elektromobilität, künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren sind für ihn keine Schlagworte, sondern Entwicklungen, mit denen sich Unternehmen aktiv auseinandersetzen müssen. „Wir sind in einem konstanten Wandel, nicht nur wir als Unternehmen, sondern auch als Gesellschaft, als Land, als Region.“ Wer stehen bleibe, werde irgendwann überholt.

Dabei versteht er Innovation weniger als technologische Disziplin, denn als Haltung. Man spürt, wie Neues auszuprobieren, Dinge anders zu denken und Veränderungen als Chance zu begreifen ihn antreibt, ihn begeistert. "Immer das Gleiche machen ist doch langweilig." Dieser Satz wirkt wie eine kurze Zusammenfassung seines Verständnisses von Unternehmertum.
Treuhänder auf Zeit
Am deutlichsten wird seine Haltung jedoch beim Thema Verantwortung. Für Dischinger ist die jeweils führende Generation lediglich Treuhänder des Unternehmens. Die Aufgabe bestehe darin, ein Unternehmen so zu entwickeln, dass auch die nächste Generation Gestaltungsmöglichkeiten hat. Das gilt nicht nur für die eigene Familie. Seine beiden Söhne sollen später selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen möchten. Als Vater sieht er seine Aufgabe darin, Werte zu vermitteln, Orientierung zu geben und ein gutes Umfeld zu schaffen, nicht darin, Druck auszuüben.
Dinge bewegen
Der Gedanke des Treuhänders zieht sich auch durch sein Engagement außerhalb des Unternehmens. Seit vielen Jahren ist Karlkristian Dischinger ehrenamtlich aktiv. Beim Round Table hat er regional und bundesweit seine Spuren hinterlassen, ohne sich selbst je in den Vordergrund zu stellen. Das gemeinsame Gestalten ist auch hier der Antrieb. Sein Maß für Erfolg ist nicht das Tragen eines Titels. Wie auch im Unternehmen geht es ihm hier um die Sache. „Man kann immer viel nörgeln, aber man muss dann halt auch machen.“ Dinge bewegen, das ist sein Ding. Wenn er über Ehrenamt spricht, spricht er auch über Gesellschaft. Er beobachtet mit Sorge, dass viele Begegnungen heute digital stattfinden und der persönliche Austausch seltener wird. „Wir haben nicht ohne Grund ein Kneipen- und ein Diskothekensterben in den Städten.“ Früher, erzählt er, seien Menschen selbstverständlich zusammengekommen: im Verein, bei Veranstaltungen, am Stammtisch oder im Ehrenamt. Dort seien unterschiedliche Meinungen aufeinandergetroffen, diskutiert und eingeordnet worden. Heute verstärkten soziale Medien oft das, was Menschen ohnehin schon denken. Auch wenn er die Chancen sozialer Medien ausdrücklich anerkennt, so entstünden doch Algorithmen getriebene Echokammern statt echte Begegnungsräume.

Für Dischinger sind Ehrenamt und wirtschaftliches Engagement deshalb mehr als gesellschaftliche Pflichtübungen. Institutionen wie die IHK sind für ihn weit mehr als Interessenvertretungen der Wirtschaft. Sie sind Orte des Austauschs. Orte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen und gemeinsame Lösungen suchen. Wieder taucht jener Gedanke auf, der sich durch sein gesamtes Leben zieht: Zukunft entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Die Region im Blick
Als neuer stellvertretender Präsident der IHK Südlicher Oberrhein sieht er sich nicht als Repräsentant eines einzelnen Unternehmens, sondern als Mitgestalter der Region. „Wir haben das große Glück, in einer sehr, sehr wirtschaftsstarken Region zu sein.“ Besonders die Themen Bildung, Ausbildung und Unternehmensnachfolge liegen ihm am Herzen. Die wichtigste Ressource des Südlichen Oberrheins seien nicht Rohstoffe oder Flächen, sondern die Menschen. "Unsere Rohstoffe sind das, was zwischen den Schultern steht", formuliert er es. Auch deshalb setzt er sich für eine stärkere Wertschätzung der beruflichen Bildung ein. Nicht jeder müsse studieren, sagt er. „Die klassischen Ausbildungsberufe sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.“ Mit knapp 100 Auszubildenden übernimmt sein Unternehmen selbst Verantwortung für die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig wirbt er dafür, Nachfolge stärker als Zukunftschance zu begreifen. Während Start-ups oft große Aufmerksamkeit erhalten, würden viele etablierte Familienunternehmen händeringend nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern suchen. Diese beiden zusammenzubringen wäre für ihn ein spannendes Projekt, in dem er enormes Potenzial sieht.

Wer Karlkristian Dischinger zuhört, begegnet einem überzeugten Optimisten, einem bekennenden Südbadener und Europäer. Nicht naiv, sondern pragmatisch. Er spricht offen über wirtschaftliche Unsicherheiten, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Veränderungen. Gleichzeitig richtet er den Blick stets auf das, was sich gestalten lässt. Er habe aufgehört, sich über Dinge aufzuregen, die er nicht beeinflussen könne, sagt er. Stattdessen konzentriere er sich auf das, was in seinem eigenen Verantwortungsbereich liegt.

Der Spiegel in seinem Büro zeigt nicht nur das eigene Spiegelbild, sondern auch die Menschen hinter einem. Vielleicht liegt genau darin Karlkristian Dischingers Verständnis von Führung: Verantwortung statt Besitzdenken, Wandel statt Stillstand, Orientierung geben und dabei nie zu vergessen, dass Zukunft dort entsteht, wo Menschen bereit sind, gemeinsam etwas zu bewegen.

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