Standortbotschafterin Oktober: Monika Schäfer, DieSignAgentur
Mit fünf Jahren wusste Monika Schäfer: „Ich mache mich selbstständig.“ Gesagt, getan. Diese Zielstrebigkeit zeichnet die Grafikdesignerin bis heute aus – sie wartet nicht auf die Zukunft, sondern gestaltet sie aktiv mit. Schäfer gibt Unternehmen ein Gesicht, verleiht Einpersonen- und Kleinstunternehmen in der Region eine Stimme, und sie beherrscht die Kunst, Menschen miteinander zu vernetzen. Unsere Standortbotschafterin ist fest verwurzelt in der Region. Doch eine Insel fernab des südlichen Oberrheins ist für sie zur zweiten Heimat geworden.
Aufgewachsen in Ortenberg bei Offenburg, lernte Monika Schäfer früh, was es heißt, auf eigenen Beinen zu stehen. Beide Eltern waren voll berufstätig und ehrenamtlich engagiert: „Bei uns gab‘s kein klassisches Abendessen mit der ganzen Familie.“ Doch sie wusste sich zu beschäftigen – Langeweile kennt Schäfer bis heute nicht. Wenn sie als Kind nicht gerade mit Block und Stift unterwegs war, entwickelte sie mit Freundinnen erste Geschäftsideen. Unternehmertum war für sie keine abstrakte Vorstellung, sondern gelebter Alltag.
Nach dem Abitur entschied sie sich – bestärkt durch ihre Kunstlehrerin – Grafikdesign zu studieren. An einer Privatschule in Gaggenau erlernte sie den Beruf noch klassisch mit Ziehfeder. Erst im letzten Jahr ihres Studiums kam der Computer dazu. Noch vor Studienabschluss hatte sie ihren ersten Arbeitsvertrag in der Tasche und startete in Offenburg beim Spülmaschinenhersteller Hobart als erste Grafikerin im Unternehmen ins Berufsleben. Nach sieben Jahren im Angestelltenverhältnis erfüllte sie sich schließlich ihren Kindheitstraum und gründete 2006 in Offenburg ihre „DieSignAgentur“.
Neben Logos und Broschüren konzipiert sie heute auch Webseiten und digitale Kommunikationslösungen für ihre Kundschaft, die zwischen Hamburg und Bern verortet ist. Mit ihren Dienstleistungen verfolgt sie vor allem ein Ziel: „Wir haben so tolle Unternehmen und ich finde, die haben alle verdient, dass sie sichtbar sind und wahrgenommen werden.“ Jeder Auftrag beginnt mit einem Gespräch, denn im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Mensch hinter der Marke. Sie möchte verstehen, was ihre Kunden antreibt, wofür sie brennen und welche Geschichte hinter ihrem Produkt steckt.
Von Visitenkartenpartys zu LinkedIn
Schäfer hat sich bewusst für eine „One-Woman-Show“ entschieden. Sie schätzt die Unabhängigkeit als Selbstständige. Gleichzeitig weiß sie: „Freiheit und Flexibilität sind großartig. Aber es braucht auch Disziplin.“ Draußen warte niemand auf einen – man müsse raus zu den Leuten gehen: „Sich selbst ein eigenes Netzwerk aufzubauen, ist das A und O.“ Anfang der 2000er gab es noch kein LinkedIn oder andere soziale Plattformen, dafür aber Visitenkartenpartys. In Südbaden hat Schäfer kaum eine davon verpasst. Die Partys folgten dem Schema: Impulsvortrag, Blitzvorstellung des eigenen Unternehmens, Zeit zum Vernetzen und Visitenkarten austauschen. So baute sie sich ein eigenes Netzwerk auf, das noch heute Früchte trägt: Die meisten ihrer Kund:innen kommen auf Empfehlung zu ihr.
Jungen Gründer:innen rät sie, früh den Austausch mit anderen Unternehmer:innen zu suchen – etwa bei den Wirtschaftsjunioren, einem weltweiten Netzwerk auf Augenhöhe. Gerade als Einzelkämpfer:in sei es wichtig, sich Feedback und punktuell auch Hilfe von außen zu holen. Man müsse nicht alles allein machen, aber: „Man muss sein ganzes Herzblut reinstecken, an die Idee glauben und letztlich alles darauf ausrichten.“
Ehrenamtliches Engagement
„Ich bin mit Ehrenamt groß geworden“, sagt Schäfer. Von ihren Eltern lernte sie früh, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Für die Grafikdesignerin gehört es zum Unternehmertum dazu, Erfahrung und Wissen weiterzugeben. Wie ihr Vater ging auch sie noch vor der Gründung ihrer Agentur zu den Wirtschaftsjunioren Ortenau, deren Vorsitzende sie drei Jahre lang war. 2011 kandidierte sie dann für die Vollversammlung der IHK Südlicher Oberrhein. Seitdem engagiert Schäfer sich ehrenamtlich für die Kammer und wurde 2026 erneut zur Vizepräsidentin gewählt.
Ihr Herzensthema sind die Belange der Einpersonen- und Kleinstunternehmen (EKU), zu denen 90 Prozent der rund 75.000 Unternehmen im Kammerbezirk zählen – rund 40.000 davon sind Einpersonen-Unternehmungen. Bürokratische Auflagen treffen EKU oft noch härter als größere Unternehmen – das weiß Schäfer aus eigener Erfahrung. Sie ist stolz darauf, dass die IHK Südlicher Oberrhein nach Reutlingen als zweite Kammer in Baden-Württemberg einen EKU-Ausschuss gegründet hat, um sich für deren Interessen einzusetzen.
Zweite Heimat
Homeoffice ist für Schäfer Alltag, denn sie arbeitet zuhause in ihrem Büro. Die besten Ideen kommen ihr manchmal nachts um drei. Dann steht sie auf und bringt sie zu Papier. Zuhause verschwimmen die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben. Doch Schäfer liebt, was sie tut, und schöpft schnell neue Energie – manchmal genügen dafür schon ein Gespräch oder ein paar Minuten in der Sonne.
So richtig abschalten kann sie nur in ihrer „zweiten Heimat“: Mallorca. Was 2009 mit einem Urlaub begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer echten Leidenschaft. Diesen Herbst reist sie zum 35. Mal auf die Insel. Mehr als 40.000 Kilometer hat sie dort inzwischen zurückgelegt – umgerechnet einmal rund um die Welt. Ihre Erlebnisse und Reisetipps teilt sie auf ihrem Mallorca-Reiseblog sowie in den sozialen Medien. Doch so groß die Verbundenheit zur Baleareninsel auch ist: Die Ortenau bleibt ihr Lebensmittelpunkt. „Ich bin im Herzen immer noch ein Ortenberger Kind“, sagt Schäfer.
Botschafterin für die Region
Der südliche Oberrhein bedeutet für Monika Schäfer Heimat. Sie schätzt das starke Netzwerk und das Miteinander in der Region sowie die internationale Offenheit: Frankreich und die Schweiz liegen vor der Haustür, drei Regionalflughäfen sorgen für kurze Wege in die Welt. Als Grafikdesignerin arbeitet sie für Unternehmen unterschiedlichster Branchen – diese Vielfalt sieht sie als eine große Stärke des Wirtschaftsstandorts: „Wir haben so viel Potenzial hier. Wir müssen uns nicht selbst klein reden.“
Gleichzeitig dürfe man sich auf den eigenen Stärken nicht ausruhen. Wichtig sei es, „die Scheuklappen aufzumachen“ und „über den Tellerrand hinaus zu blicken“, um offen für neue Ideen zu bleiben und Veränderungen aktiv mitzugestalten, statt sie nur über sich ergehen zu lassen. Schäfer plädiert dafür, positiver in die Zukunft zu schauen und als Botschafter:in für die Region aufzutreten. „Wir können auf das, was wir hier haben, stolz sein.“