Umfrage bestätigt Bedenken gegen die Freiburger Verpackungssteuer
Rund 100 Tage nach Einführung der Verpackungssteuer zum 1. Januar 2026 in Freiburg zieht die IHK Südlicher Oberrhein eine erste Zwischenbilanz. Grundlage ist eine Umfrage unter 107 Mitgliedsunternehmen, überwiegend aus Gastronomie und Einzelhandel. Die Ergebnisse zeigen: Für einen Großteil der Betriebe ist die Steuer mit spürbaren wirtschaftlichen und organisatorischen Belastungen verbunden.
Die Umfrage zeigt deutliche Auswirkungen auf das To-go-Geschäft. Je nach Produktbereich berichten zwischen 48,4 % und 66,3 % der Betriebe von Umsatzrückgängen. Im Detail:
- 66,3 % der Betriebe verzeichnen rückläufige Umsätze bei Kaffee und Heißgetränken to go
- 63,2 % bei warmen Speisen to go
- 48,4 % bei einwegverpackten Mitnahmeartikeln
Besonders betroffen ist damit der klassische Unterwegs-Konsum von Getränken und Speisen. Ein Teilnehmer berichtet: „Viele Kunden verzichten inzwischen ganz auf To-go oder überlegen sich den Kauf zweimal.“
Arbeitsaufwand steigt deutlich
Neben den wirtschaftlichen Effekten zeigt sich vor allem eine erhöhte Belastung im Betriebsalltag: 83 % der Betriebe beklagen einen zusätzlichen Arbeitsaufwand. 30 Prozent berichten von einem Zeitaufwand von einer bis drei Stunden täglich.
Als Hauptgründe nennen die Unternehmen:
- zusätzlichen Erklärungsbedarf gegenüber Kundinnen und Kunden
- komplexere Abläufe an der Verkaufstheke
- administrativen Mehraufwand
Ein Betrieb schildert: „Der Erklärungsaufwand ist enorm gestiegen – gerade zu Stoßzeiten bringt uns das regelmäßig an unsere Grenzen.“ Ein weiterer Teilnehmer ergänzt: „Die Prozesse sind komplizierter geworden, das kostet Zeit, die uns im Tagesgeschäft fehlt.“
Konflikte im Kundenkontakt weit verbreitet
Auch im direkten Kundenkontakt zeigen sich deutliche Auswirkungen der Verpackungssteuer. Nur 14 % der Betriebe geben an, keine Konflikte im Zusammenhang mit der Regelung zu haben. Zugleich berichten 53 % der Unternehmen, dass Konflikte täglich oder mehrmals pro Woche auftreten. Damit ist ein erheblicher Teil der Betriebe regelmäßig mit angespannten Situationen im Kundenkontakt konfrontiert.
Ein Teilnehmer berichtet: „Wir haben deutlich mehr Diskussionen an der Kasse – das war früher kein Thema.“ Ein weiterer schreibt: „Einige Kunden reagieren verärgert oder fühlen sich unfair behandelt.“ Ein Betrieb schildert zudem konkrete Konsequenzen: „Wir haben bestimmte Produkte aus dem Sortiment genommen, weil es ständig Diskussionen mit den Kunden gab.“
Wenig Effekt auf Mehrweg-Nachfrage
Ein zentrales Ziel der Verpackungssteuer ist, die Konsumierenden zum Umstieg auf Mehrweg-Produkte zu bewegen. Dieser Effekt fällt laut Umfrage noch verhalten aus. 78 % gaben an, dass Einweg nach wie vor bevorzugt werde. Einen Anstieg der Nachfrage nach Mehrweg-Verpackungen verzeichnen 22 Prozent.
Praxisrückmeldungen bestätigen Bedenken
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Verpackungssteuer aus Sicht vieler Unternehmen zu spürbaren Veränderungen im Betriebsalltag geführt hat – wirtschaftlich, organisatorisch und im Kundenkontakt. „Die Ergebnisse unserer Umfrage sind sehr eindeutig“, sagt Christina Gehri, Leiterin des Fachbereichs Standort und Branchen der IHK Südlicher Oberrhein.
„In zentralen To-go-Bereichen berichten bis zu zwei Drittel der Betriebe von Umsatzrückgängen. Gleichzeitig sehen sich mehr als 80 Prozent mit zusätzlichem Arbeitsaufwand konfrontiert, und in vielen Betrieben gehören Konflikte mit Kundinnen und Kunden inzwischen zum Alltag. Das bestätigt unsere Bedenken, dass die Verpackungssteuer die Unternehmen erheblich belastet.“
Christina Gehri verweist auf einen weiteren Nebeneffekt der Verpackungssteuer: „Laut Umfrage kommt es nicht selten vor, dass die Kunden an der Kasse die Waren unbezahlt stehen lassen, weil sie nicht bereit sind, Verpackungssteuer zu bezahlen. Das bedeutet im Kern: Es wird sinnlos Verpackungsmüll produziert, die Ware muss entsorgt werden und auch hier entstehen zum einen Konflikte und natürlich Umsatzrückgänge - und zwar ganz am Schluss der Verkaufskette.“
Zum Hintergrund
Die Umfrage wurde im April 2026 unter Mitgliedsunternehmen der IHK Südlicher Oberrhein durchgeführt. Insgesamt wurden 107 vollständig ausgefüllte Fragebögen ausgewertet.
Die Umfrage wurde im April 2026 unter Mitgliedsunternehmen der IHK Südlicher Oberrhein durchgeführt. Insgesamt wurden 107 vollständig ausgefüllte Fragebögen ausgewertet.