Ausbildungsprojekt: „Es war die richtige Entscheidung“

Der Fachkräftemangel bleibt trotz konjunktureller Unwägbarkeiten ein ernstzunehmendes Problem für die Unternehmen am südlichen Oberrhein. Wo Auszubildende fehlen, suchen Betriebe neue Wege, um an die Fachkräfte der Zukunft zu kommen. Beispielsweise über ein Projekt in Indien, das seit vergangenem Jahr von der IHK Südlicher Oberrhein begleitet wird. Jüngst trafen sich die beteiligten Unternehmen und die indischen Auszubildenden bei der IHK in Freiburg zum Erfahrungsaustausch.
Nach dem Abschluss des Pilotprojekts in Marokko hat die IHK Südlicher Oberrhein ein weiteres Kapitel bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Region aufgeschlagen. Anfang Oktober trafen sich zwölf Azubis, die ganz frisch bei den Unternehmen Herrenknecht (Schwanau), MSG Krandienst (Kehl), Dachser (Eschbach) und BAG (Kehl) in ihre Ausbildung zum Berufskraftfahrer beziehungsweise zur Fachkraft für Metalltechnik gestartet sind, mit den jeweiligen Ausbildungsverantwortlichen in den Betrieben bei der IHK Südlicher Oberrhein in Freiburg zum ersten Erfahrungsaustausch. „Der Prozess lief sehr gut ab, die Azubis sind gut auf die Sprache und das Leben in Deutschland vorbereitet, für uns war es die richtige Entscheidung“, sagt Herrenknecht-Ausbildungsleiter Sven Kirner. Das global tätige Unternehmen hat bereits einige Erfahrungen mit Rekrutierungsprozessen im Ausland gesammelt und profitiert von den unterschiedlichen Kulturen, die in Schwanau zusammentreffen: „Das hilft uns beim weltweiten Einsatz unserer Mitarbeitenden in unseren Niederlassungen.“

Intensives Vorbereitungsprogramm im Heimatland

Die indischen Azubis haben in den vergangenen Monaten ein intensives Vorbereitungsprogramm in ihrem Heimatland absolviert. Ziel war nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache. Sie wurden auch kulturell auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereitet. Das dies nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis funktioniert, zeigt Vashisth Ajay, der beim Schwertransport- und Kranspezialisten MSG ausgebildet wird. „Jeden Tag wird mein Deutsch besser“, sagt Ajay, der das Modell der dualen Ausbildung in Deutschland großartig findet. Und er hat auch schon einen konkreten Plan für seine Zukunft nach der Ausbildung: „Bei MSG berufliche Erfahrung sammeln und eine Weiterbildung bei der IHK machen.“
Den Rekrutierungsprozess in Indien hatte das Freiburger Unternehmen India Works in die Hand genommen und begleitete auch das Anerkennungsverfahren und den Visumsprozess. Und hier vor Ort kümmern sich Julia Gauerhof, Ricarda Dobler und Ibrahim Sarialtin (Fachberatung für Zugewanderte der IHK) intensiv darum, dass Projekte wie dieses nicht nur organisatorisch, sondern auch menschlich ein Erfolg werden. „Wir unterstützen sowohl die Auszubildenden als auch die Unternehmen beim ‚Ankommen‘ im Betrieb und nehmen hier eine Vermittlerrolle ein – auch in der Kommunikation mit Behörden“, sagen die drei.

Wichtiger Beitrag zur internationalen Rekrutierung

„Es ist ein großer Schritt von Indien nach Deutschland und keine einfache Entscheidung, Familie und Freunde zu verlassen, in der Hoffnung, dass alles gut wird“, sagt Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbild der IHK. Der Mut und die Bereitschaft der jungen Männer, ein völlig neues und ungewohntes Leben am südlichen Oberrhein zu starten, sei bewundernswert.
Kaiser sieht internationale Azubi-Projekte als wichtigen Beitrag, um bei der Rekrutierung von Fachkräftenachwuchs aus Nicht-EU-Ländern wertvolle Erfahrungen zu sammeln: „Wir wollen mit solchen Projekten nicht nur ein konkretes Angebt für unsere Mitgliedsunternehmen schaffen, sondern gerade auch kleinen und mittleren Betrieben Mut machen, die internationale Rekrutierung anzugehen. Wir als IHK sehen uns als Pfadfinder, probieren verschiedene Settings aus, lernen dabei und können dann die Betriebe noch besser beraten.“ Es sei wichtig, dass keine Eintagsfliegen entstünden. „Das hat viel mit einem gelungenen Onboarding zu tun. Die Auszubildenden sollen sich hier wohlfühlen und ihre Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, nicht bereuen.”

Wichtig für den heimischen Arbeitsmarkt

Wie wichtig Auszubildende mit Migrationshintergrund für den heimischen Arbeitsmarkt sind, zeigen aktuelle Zahlen. Jeder vierte Ausbildungsvertrag im Gebiet der IHK wird mittlerweile mit Nachwuchskräften mit Migrationshintergrund abgeschlossen. Allein im Ausbildungsjahr 2026 (Stichtag: 30. September) haben 46 indische Azubis ihre Ausbildung in einem IHK-Beruf gestartet, 85 Inder:innen sind insgesamt in der Region mit einem Ausbildungsvertrag ausgestattet.

Die IHK Südlicher Oberrhein: Stark machen für rund 75.000 Mitglieder

Vom Kleinunternehmer bis zum Weltmarktführer – die IHK Südlicher Oberrhein vertritt die Interessen der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Wir beraten sowohl Startups als auch etablierte Unternehmen, Fachkräfte und solche, die es werden wollen, organisieren Prüfungen und trommeln bei Kommunen und Verwaltungen für optimale Standortbedingungen. Für den Staat übernehmen wir ausgewählte Aufgaben, informieren über neue Zoll-Richtlinien, Wachstumschancen auf ausländischen Märkten oder organisieren zahlreiche Netzwerktreffen und Veranstaltungen.

Über die IHK-Kampagne „Hier geht was!“

Wir geben den erfolgreichen Unternehmen im Rahmen unserer Standortkampagne ein Gesicht: Durch ihre langjährige Erfahrung und Kenntnisse in den verschiedenen Branchen der Region bringen unsere Botschafterinnen und Botschafter jede Menge Expertise mit und können aus erster Hand von den Stärken und Potenzialen des südlichen Oberrheins berichten. Botschafter:innen sind unter anderem Robin Rombach, CEO des Freiburger Start-ups Black Forest Labs, Dr. Dorothea Helmer, Mitgründerin des Freiburger Start-ups Glassomer, oder Europa-Park-Mitgründer Roland Mack. Jeden Monat kommen weitere Standortbotschafter:innen dazu.

Über den IHK-Podcast „Boss Storys“

In unserem neuen Podcast Boss Storys sprechen wir mit Menschen, die die Region aktiv mitgestalten. Unternehmer:innen und Wissenschaftler:istandortkampagnennen, die im Hintergrund agieren, aber auch Menschen aus dem öffentlichen Leben wie Sportler:innen und Kulturschaffende. Sie alle prägen den südlichen Oberrhein auf ganz unterschiedliche Weise. Boss Storys: Erfolgsgeschichten, die Mut machen.