Innovationsstandort in Südbaden soll an Schlagkraft gewinnen
Angesichts der deutlich höheren Forschungs- und Entwicklungsgeschwindigkeit in Ländern wie China ist klar: Südbadens Innovationsakteure wollen Tempo machen. Beim zweiten Präsenztreffen des Regionalboards für das regionale Innovationssystem (RIS) am Südlichen Oberrhein und Hochrhein in Freiburg haben Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Netzwerken konkrete Schritte beschlossen, um den Innovationsstandort Südbaden schlagkräftiger aufzustellen. Ziel ist es, vorhandene Stärken besser zu bündeln, den Transfer von Wissen in die Praxis zu beschleunigen und die Region strategisch weiterzuentwickeln.
Das Regionalboard hatte sich im September vergangenen Jahres erstmals konstituiert. Seitdem arbeiteten die Beteiligten in mehreren Online‑Sitzungen an Inhalten, Maßnahmen und Zeitplänen auf Basis eines gemeinsamen Arbeitsplans. Dazu zählten unter anderem eine zielgruppenorientierte Institutsbesuchsreihe, wissenschaftliche angebotene Technologieprojekte für kleine und mittlere Unternehmen sowie eine Übersicht aktueller Förderprogramme. „Beim aktuellen Treffen zeigte sich, dass das Netzwerk an Dynamik gewinnt und nun stärker in die Umsetzung geht“, sagt Michael Löffler, Fachbereichsleiter Innovation und Digitalisierung sowie Koordinator des regionalen Innovationssystems bei der IHK Südlicher Oberrhein.
Im Mittelpunkt der Beratungen standen drei zentrale Hebel für ein leistungsfähigeres Innovationsökosystem. Erstens soll die Sichtbarkeit der Innovationsdienstleistungen in der Region deutlich erhöht werden. Geplant ist unter anderem eine gemeinsame Broschüre, die Angebote für Unternehmen übersichtlich darstellt und den Zugang erleichtert. Zweitens wollen die Akteure den Technologietransfer sowie Forschungs‑ und Entwicklungskooperationen beschleunigen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Drittens soll mittel- bis langfristig eine Innovations‑Zukunftsstrategie für die Region Südlicher Oberrhein und Hochrhein erarbeitet werden, die bestehende Initiativen zusammenführt und strategisch ausrichtet.
Innovationsangebote: „Einfacher zugänglich und besser auffindbar“
Südbaden verfügt über eine starke Forschungsbasis mit der Universität Freiburg, mehreren Hochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen wie Fraunhofer‑Instituten und Hahn‑Schickard. Auf engem Raum treffen hier Kompetenzen in Feldern wie Life Sciences, Künstliche Intelligenz oder nachhaltige Energiesysteme auf eine vielfältige mittelständische Wirtschaftsstruktur sowie enge Verflechtungen mit der Schweiz und Frankreich. Gleichzeitig sehen die Beteiligten weiterhin Handlungsbedarf: Förderlandschaften gelten als unübersichtlich, und Innovationsangebote erreichen Unternehmen nicht immer. „Gerade für kleine und mittlere Unternehmen müssen Innovationsangebote einfacher zugänglich und besser auffindbar werden. Daran arbeiten wir jetzt ganz konkret“, sagt Michael Löffler.
Einen internationalen Impuls hat bei dem RIS-Treffen Magnus Persson geliefert. Der Entwicklungsstratege aus der schwedischen Region Värmland stellte Ansätze der sogenannten „Smart Specialization“ vor, einer EU‑Strategie, bei der Regionen gezielt in ihre größten Stärken investieren, und regte die Diskussion an, wie regionale Schwerpunkte klarer profiliert und nach außen kommuniziert werden können. Das Projekt wird vom Land Baden‑Württemberg und der Europäischen Union gefördert. „Für die IHK Südlicher Oberrhein hat das regionale Innovationssystem jedoch langfristige strategische Bedeutung“, so Löffler. Ziel sei es, die Innovationskraft Südbadens sichtbarer zu machen und die Zusammenarbeit der zahlreichen Akteure in der Region dauerhaft enger zu verzahnen.