„Ohne eigene Energie drohen massive Risiken“

Geopolitische Spannungen und volatile Energiemärkte treffen den industriellen Mittelstand am Südlichen Oberrhein zunehmend – mit konkreten Folgen für Kosten, Planungssicherheit und Investitionsentscheidungen. Das zeigt die aktuelle Folge des Podcasts BOSS STORYS der IHK Südlicher Oberrhein mit der Doppelspitze der August Weckermann KG aus Eisenbach.
Das familiengeführte Unternehmen ist Weltmarktführer in einer hochspezialisierten Nische der Oberflächenbearbeitung und steht exemplarisch für viele Industriebetriebe in der Region. Geschäftsführer David Duttlinger macht deutlich: „Die letzten Jahre haben uns gezeigt, wie schnell es gehen kann, dass man mit enormen Preissteigerungen konfrontiert ist.“ Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen würden diese Unsicherheit weiter verschärfen.

Energie als strategischer Risikofaktor

Besonders kritisch sehen die Unternehmer die Abhängigkeit von externen Energiequellen. „Sich an der Stelle unabhängiger zu machen, ist heute noch wichtiger, als wir es vor fünf oder sechs Jahren erahnt haben“, so Duttlinger. Energie sei längst nicht mehr nur ein Kostenfaktor, sondern eine zentrale Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Die August Weckermann KG hat darauf reagiert und ein nahezu energieautarkes Werk aufgebaut. Die Investition sei jedoch kein Selbstläufer gewesen: „Es steckt ein großes wirtschaftliches Risiko drin“, sagt Seniorchef Karl Josef Duttlinger. Amortisationszeiträume ließen sich angesichts schwankender Energiepreise nur schwer kalkulieren.

Preisdruck und Strukturwandel nehmen zu

Neben Energie belastet auch der internationale Wettbewerb die Unternehmen in der Region. Vor allem aus Asien wachse der Preisdruck deutlich. „Einfachere Teile in großen Stückzahlen wandern tendenziell ab“, beschreibt David Duttlinger die Entwicklung. Für viele Betriebe bedeute das einen strukturellen Wandel hin zu kleineren Serien und komplexeren Produkten. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel: „Qualifiziertes Personal zu bekommen, wird zunehmend schwerer.“ Erste Unternehmen reagieren bereits mit neuen Wegen bei der Rekrutierung, etwa durch internationale Auszubildende.

Standorttreue trotz Herausforderungen

Trotz dieser Rahmenbedingungen bekennt sich das Unternehmen klar zum Standort im Hochschwarzwald. Entscheidender Faktor seien die Mitarbeiter, sagt Karl Josef Duttlinger: „Das größte Kapital der Firma sind unsere klugen Köpfe – und die leben hier am Standort.“ Die gewachsene Struktur, geringe Fluktuation und hohe Identifikation der Beschäftigten seien zentrale Wettbewerbsvorteile.

Appell an Politik und Wirtschaft

Aus Sicht der Unternehmer braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, um den industriellen Kern der Region zu sichern. Dazu zählen eine stabile Energieversorgung, Planbarkeit bei Investitionen sowie stärkere Unterstützung für Innovation und Fachkräftesicherung. Zugleich sehen die Unternehmer in der aktuellen Lage auch eine Chance: Die Kombination aus Energiekrise und geopolitischen Risiken könne Investitionen in Effizienz, Eigenversorgung und neue Technologien beschleunigen – und damit langfristig die Resilienz der regionalen Wirtschaft stärken.