Unternehmen am südlichen Oberrhein stehen zur dualen Ausbildung

Die Unternehmen am südlichen Oberrhein stehen wirtschaftlich unter Druck. Dennoch halten viele Betriebe an ihrem Ausbildungsengagement fest und investieren weiterhin in die Fachkräfte von morgen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, offene Ausbildungsplätze mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen. Das zeigt die regionale Auswertung der bundesweiten Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an der sich 267 Ausbildungsbetriebe aus dem Bezirk der IHK Südlicher Oberrhein beteiligt haben.
Die Unternehmen halten trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage an der dualen Ausbildung fest. Rund sieben von zehn Betrieben aus der Region (72,1 Prozent) wollen 2026 mindestens genauso viele Ausbildungsplätze anbieten wie im Vorjahr, darunter 10,4 Prozent sogar mehr. 27,9 Prozent planen hingegen, ihr Ausbildungsangebot zu reduzieren.
„Unsere Unternehmen bilden mit großem Verantwortungsbewusstsein aus – auch dann, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig sind. Ausbildung ist und bleibt die wichtigste Investition in die Fachkräfte von morgen“, sagt Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Südlicher Oberrhein. „Umso problematischer ist es, dass viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Der Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern entwickelt sich zunehmend zum Engpass für die Fachkräftesicherung in unserer Region.“
Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (49,8 Prozent) konnte im vergangenen Ausbildungsjahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Besonders betroffen sind das Baugewerbe, die Industrie und der Handel. Als Hauptgrund nennen drei Viertel der betroffenen Betriebe (75,5 Prozent), dass zwar Bewerbungen eingingen, diese jedoch nicht den Anforderungen entsprachen. Mehr als jeder vierte Betrieb (27,7 Prozent) erhielt überhaupt keine Bewerbung.
Die Betriebe sind bereit, junge Menschen beim Einstieg in die Ausbildung zu unterstützen.
Die Gründe sind vielschichtig. Von Unternehmensseite werden Mängel in der Ausbildungsreife oder schlechte schulische Leistungen genannt. Schaut man auf die Seite der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, ist die duale Ausbildung derzeit hoch im Kurs, doch finden sich viele in der beruflichen Orientierung nicht zurecht. So zumindest erfasst es die repräsentative Befragung „Ausbildungsperspektiven“ der Bertelsmann Stiftung vom Juli 2026. Dort heißt es auch, dass Stellen und Bewerber:innen sich nicht immer in derselben Region befinden oder in berufsfachlicher Hinsicht nicht zusammenpassen. Hinzu kommen Auswahlverfahren, bei denen Schulnoten und formale Abschlüsse teilweise stärker gewichtet werden als Motivation, praktische Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale.
Die Betriebe sind bereit, junge Menschen beim Einstieg in die Ausbildung zu unterstützen. Gleichzeitig wünschen sie sich bessere Voraussetzungen aus Schule und Berufsorientierung. An erster Stelle stehen mehr anwendungsorientiertes Lernen in der Berufsschule, eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben sowie zusätzliche Qualifizierungsangebote während der Ausbildung. Auch eine stärkere Förderung lernschwächerer Auszubildender und moderne Prüfungsformate gehören zu den wichtigsten Anliegen.
Dass sich das Engagement der Betriebe lohnt, zeigt ihre hohe Übernahmebereitschaft: 68,7 Prozent der Unternehmen übernehmen alle erfolgreichen Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen. Das unterstreicht den hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Region.
Auch bei der Gewinnung internationaler Auszubildender sehen die Unternehmen Potenzial. Vier von zehn Betrieben haben bereits Erfahrungen mit Auszubildenden aus Drittstaaten gesammelt. Größte Herausforderungen bleiben mangelnde Deutschkenntnisse zu Ausbildungsbeginn, bürokratische Hürden sowie fehlender bezahlbarer Wohnraum.
„Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich: Die Unternehmen am Südlichen Oberrhein stehen zur dualen Ausbildung“, sagt Kaiser, "damit sie dieses Engagement auch künftig aufrechterhalten können, braucht es wirtschaftliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen, die Ausbildung erleichtern statt erschweren. Dazu gehören wettbewerbsfähige Standortbedingungen ebenso wie eine stärkere Berufsorientierung, eine bessere Verzahnung von Schule und Praxis sowie weniger Bürokratie."
Für Jugendliche, die sich jetzt für eine Ausbildung entscheiden, gilt immer noch, dass es sich lohnt aktiv zu werden. Viele Unternehmen suchen auch kurzfristig engagierte Nachwuchskräfte und sind offen für Bewerbungen.