Unionszollkodex

Der Unionszollkodex (UZK) & Die EU-Zollreform

Der Unionszollkodex (UZK) bildet zusammen mit seinen Durchführungsvorschriften das Fundament des europäischen Zollrechts. Um den modernen globalen Handel zu bewältigen, wurde am 26.03.2026 eine umfassende EU-Zollreform beschlossen.

Der aktuelle Rechtsrahmen

Mit Wirkung zum 01. Mai 2016 ersetzte der UZK den bis dahin geltenden Zollkodex (ZK) und die Zollkodex-Durchführungsverordnung (ZK-DVO).
Die aktuell gültigen Rechtsakte sind in allen Amtssprachen der Europäischen Union in verschiedenen Dateiformaten (PDF, HTML) online auf der Internetseite der Europäischen Kommission abrufbar, ebenso wie die aktuellen, konsolidierten Versionen:
nützliche Hinweise:
  • die Wortlaute der Lieferantenerklärungen finden sich im Anhang zur Durchführungsverordnung (S. 838 ff.)
  • wesentliche Be- und Verarbeitungsprozesse, die einen nichtpräferenziellen Ursprung (-> Ursprungszeugnis) verleihen, finden sich im Anhang zur Delegierten Verordnung (S. 279 ff.)

Aktuelles rund um den Unionszollkodex

Um Unternehmen frühzeitig über die anstehenden Änderungen und deren praktische Auswirkungen zu informieren, bieten die deutschen Wirtschaftsverbände gemeinsam mit der Generalzolldirektion (GZD) eine kostenlose digitale Informationsreihe an.
Termine
16. November 2026, 10:30 Uhr-12:00 Uhr - Anmeldung oder
27. November 2026, 10:30 Uhr -12:00 Uhr - Anmeldung oder
14. Dezember 2026, 10:30 Uhr-12:00 Uhr - Anmeldung
Wichtiger Hinweis: Die Inhalte aller drei Veranstaltungen sind identisch. Bitte melden Sie sich daher nur für einen der angebotenen Termine an. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt.
Nachdem das Europäische Parlament und der Europäische Rat dem neuen EU-Zollkodex zugestimmt haben, wurde dieser am 19.9.2026 als Verordnung 2026/2108 veröffentlicht. Die meisten Regelungen sind ab 21.9.2027 anwendbar, bis dahin müssen die Durchführungsvorschriften verabschiedet werden. Bereits jetzt gelten Ermächtigungsgrundlagen für den geplanten Zoll-Datenhub und die neue europäische Zollbehörde (EUCA).
Kernpunkte sind u.a. folgende:
Eine neue EU-Zollbehörde („EU Customs Authority“, EUCA) mit Sitz in Lille wird die Risikoanalyse und das Krisenmanagement in allen Mitgliedstaaten koordinieren – wobei die nationalen Behörden ihre operativen Zuständigkeiten behalten. Die EUCA soll eine einheitliche Anwendung des EU-Zollrechts gewährleisten. Sie ist ein Bindeglied zwischen der EU-Generaldirektion Zoll (TAXUD) und den 27 nationalen Zollverwaltungen. Die operative Tätigkeit soll 2027 beginnen.
Der EU-Zoll-Datenhub wird zur einheitlichen Plattform für die Datenübermittlung in der gesamten EU. Für Importeure und Exporteure bedeutet dies eine Abkehr von fragmentierten nationalen IT-Systemen – eine erhebliche operative Umstellung. Seit der Einführung des aktuellen EU-Zollkodex 2016 wurden die nationalen Zollsysteme (Deutschland: ATLAS) weiterentwickelt, gleichzeitig gibt es zentrale EU-Zollmodule (NCTS, PoUS). Die koordinierte Weiterentwicklung und die Koordination dieser IT-Systeme hat sich als eine große Herausforderung gezeigt. Zusammen mit der zunehmenden Komplexität des Zollrechts und weiterer Rechtsgebiete mit Einfluss auf das Zollrecht ist das jetzige System nur schwer beherrschbar. Die konkrete Ausgestaltung des EU-Datenhub ist von entscheidender Auswirkung auf den zukünftigen Außenhandel und die Umsetzung einer wirksamen Risikoanalyse. Das erste Modul soll 2028 für die Abfertigung des e-Commerce in Betrieb gehen.
„Trust and Check“ – ein neuer Händlerstatus auf Basis des AEO-Konzepts (Authorised Economic Operator) der eine schnellere Abfertigung und reduzierte Kontrollen für die transparentesten Wirtschaftsbeteiligten bietet. Inwieweit sich Investitionen in die Compliance bezahlt machen werden, wird sich zeigen.
Nicht-EU-E-Commerce-Plattformen sind der „Importeur“ für Fernverkäufe. Sie müssen sicherstellen, dass Zollformalitäten korrekt erledigt und Zollabgaben entrichtet werden sowie EU-Vorschriften eingehalten werden. Die Verantwortung soll damit nicht mehr beim einzelnen Verbraucher liegen. Für Online-Plattformen, die ihre Zollpflichten nicht erfüllen, werden neue Sanktionen eingeführt:
  • Geldbußen von bis zu 6 % des jährlichen Importwerts der im Vorjahr eingeführten Waren,
  • Entzug zollrechtlicher Erleichterungen,
  • mögliche Beschränkungen des Zugangs zum EU-Markt bzw. zu Online-Plattformen.
Dies richtet sich insbesondere gegen Anbieter, die systematisch fehlerhafte oder unvollständige Angaben machen.
Der De-minimis-Schwellenwert für Importsendungen von 150 Euro wurde bereits zum 1. Juni 2026 abgeschafft. Seitdem gilt ein Pauschalzoll von 3 Euro pro Artikelkategorie (Warenposition) in Kleinsendungen – eine Übergangsmaßnahme, bis der Data Hub in Betrieb ist und die normalen Zollsätze gelten. Zusätzlich wird es spätestens ab 1. November 2026 eine EU-weite Abfertigungsgebühr für diese Kleinsendungen mit noch offener Höhe geben, um die Kontrollkosten für Kleinsendungen zu decken. Im Gespräch sind bislang zwei bis fünf Euro pro Kleinsendung.
Fast noch entscheidender sind die Durchführungsvorschriften, die ebenfalls in den nächsten Monaten geschrieben werden und die Rahmenbedingungen für den Datenhub. Die neuen Zollvorschriften werden teilweise schnell in Kraft treten, weil sie die Grundlage für die EUCA, den Datenhub und die Abfertigungsgebühr sind. Die vollständige Anwendbarkeit hingegen wird sich noch einige Jahre hinziehen. Bislang war geplant, dass der bisherige Unionszollkodex im Januar 2028 durch das neue Zollrecht abgelöst wird, der Datenhub soll ab 2032 freiwillig und ab 2037 verpflichtend genutzt werden.