Jahrespressegespräch
IHK: Energiepolitik muss wirtschaftsfreundlicher werden
Zubau bei Windenergieanlagen verzeichnet
Im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg sind im Jahr 2025 insgesamt neun Windenergieanlagen, darunter drei Kleinwindkraftanlagen, mit einer Gesamtleistung von 15,8 Megawatt neu in Betrieb genommen worden. Rückbauten gab es im vergangenen Jahr nicht zu verzeichnen. Der Zuwachs der Netto-Gesamtleistung liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert 2024 von 17,2 Megawatt.
„Auch wenn der Zubau im IHK-Bezirk derzeit unter dem Vorjahresniveau liegt, zeigt sich, dass weiterhin investiert wird – insbesondere in den Landkreisen Aurich und Wittmund“, fasst IHK-Präsident Theo Eilers die Situation zusammen. Entscheidend bleibe nun, dass Genehmigungs- und Planungsverfahren weiter beschleunigt würden, um die Ausbauziele der Energiewende verlässlich zu erreichen.
Niedersachsenweit wurden im Jahr 2025 insgesamt 230 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.162,4 Megawatt neu in Betrieb genommen. Damit liegt der Bruttozubau auf Landesebene deutlich über dem Niveau des Vorjahres, als 697,3 Megawatt realisiert wurden. Gleichzeitig gingen 97 Anlagen mit einer Leistung von zusammen 734,3 Megawatt außer Betrieb.
In der Gesamtbilanz ergibt sich für Niedersachsen ein Nettozubau von rund 428,0 Megawatt, der damit jedoch nur leicht über dem Vorjahreswert von 414,4 Megawatt liegt. Der IHK-Bezirk steuert dazu rund 3,7 Prozent bei, mit Schwerpunkten in den Landkreisen Aurich und Wittmund. In Emden und Papenburg gab es 2025 keine Veränderungen.
Umso mehr besorgt den IHK-Präsidenten der stockende Ausbau der Offshore-Windkraft. Dass im vergangenen Jahr bei einer Ausschreibung für Offshore-Windparkflächen in der Nordsee erstmals keine Gebote eingegangen seien, zeige, dass das Investitionsklima optimiert werden müsse.
Netzausbau, Speicher und Kohlendioxid-Abscheidung sind Nadelöhre der Energiewende
Eilers mahnte außerdem, dass die Transformation der Wirtschaft nicht allein über den Ausbau der erneuerbaren Energien funktionieren könne. „Oft haben wir viel mehr Wind- und Sonnenstrom, als benötigt wird, und zu anderen Zeiten oder an anderen Orten fehlt es an genau diesem Strom“, so der IHK-Präsident. Der Ausbau der Netze und der Speicherkapazität, aber auch der Wasserstoffinfrastruktur gehe bisher deutlich zu langsam. „Manch ein Unternehmen will seine Produktion dekarbonisieren, aber bekommt dafür einfach nicht den benötigten Strom“, kritisiert Eilers. Unsere Region müsse endlich ihren Standortvorteil als Energieregion nutzen.
Ein weiterer solcher Standortvorteil sei die Küstennähe, da im Meeresboden der Nordsee CO2 gespeichert werden könne. Die CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) ermögliche es auch Unternehmen, die prozessbedingt unvermeidlich CO2 ausstoßen, das Klima zu schonen und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben. Eilers begrüße deshalb das im November 2025 beschlossene Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG), das endlich eine rechtliche Grundlage für CCS geschaffen habe. „Jetzt muss sich auch die Landesregierung bewegen und CCS in Niedersachsen ermöglichen“, so der IHK-Präsident.
Klimaschutz und Wirtschaftswachstum müssten keine Gegensätze sein, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard. Klima- und Ener-giepolitik müsse dazu pragmatisch, unideologisch und marktbasiert geschehen. Versorgungssicherheit, stabile Rahmenbedingungen und bezahlbare Energie seien essenziell für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. „Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen und Schritte zur Stärkung der Wirtschaft müssen jetzt zügig angepackt werden“ betonte Deinhard abschließend.